Eine Boeing 737 der irischen Fluggesellschaft Ryanair

Forderung nach Tarifvertrag Ryanair-Piloten proben den Aufstand

Stand: 17.11.2017 16:43 Uhr

Die Piloten des Billigfliegers Ryanair wollen einen Tarifvertrag und haben sich deshalb mit der Gewerkschaft Cockpit zusammengetan. Bisher lehnt das irische Unternehmen jegliche Verhandlungen ab und beruft sich auf irisches Recht.

Cockpit einer Ryanair-Maschine in Dublin | Bildquelle: dpa
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Die Ryanair-Piloten sind unzufrieden und wollen einen Tarifvertrag.

Piloten des irischen Billigfliegers Ryanair haben bisher keinen Tarifvertrag. Über ihre Gehälter verhandeln lokale Pilotenvertretungen mit dem Unternehmen. Das soll sich nun ändern. Mithilfe der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben Ryanair-Mitarbeiter die Fluggesellschaft zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Dazu sei eine Tarifkommission mit einem professionellen Verhandlungsführer gegründet worden, berichtet die Gewerkschaft.

"Ryanair hatte immer eine hohe Fluktuationsrate - wie aus ihren Jahresberichten ersichtlich ist -, aber wir sehen derzeit eine demografische Veränderung bei den Ryanair-Piloten", erklärte Jim Phillips, Vorstand für Internationales in der VC. "Viele betrachten Ryanair inzwischen als eine Karriere und nicht als einen Zwischenstopp, um ein paar Flugstunden zu sammeln. Die Piloten wollen Familien haben, Häuser kaufen und sie möchten dort leben, wo sie stationiert sind. Familienleben braucht die Stabilität der nationalen Tarifverträge." Es liege auf der Hand, dass Ryanair an seinen Basen nationale Gewerkschaftsverträge aushandeln müsse.

Ryanair mauert

Ryanair zeigte keine Verhandlungsbereitschaft. Sprecher Robin Kiely verwies auf Lohnerhöhungen und Dienstplanverbesserungen, die mit den lokalen Piloten-Ausschüssen verhandelt worden seien. Piloten von Ryanair erhielten "Gehälter von mehr als 150.000 Euro pro Jahr" und könnten Probleme mit dem Unternehmen "jederzeit über den ERC-Ausschuss ihrer Basis melden", hieß es weiter. Die irische Justiz habe diese örtlichen Angestelltenvereinigungen als "rechtmäßige Tarifverhandlungen genehmigt".

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat in der Vergangenheit jegliche Verhandlungen mit Gewerkschaften abgelehnt und Cockpit als "Gewerkschaft der Lufthansa" bezeichnet. In den vergangenen Monaten hatte sich jedoch Widerstand gegen die nach irischem Recht organisierten Arbeitsbedingungen geregt, die unter anderem einen hohen Anteil von Leiharbeitern im Cockpit vorsehen. Auch die deutsche Kabinengewerkschaft Ufo will mit Ryanair über einen nationalen Tarifvertrag für die in Deutschland stationierten Flugbegleiter verhandeln.

Ryanairs Chef Michael O'Leary | Bildquelle: AFP
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Ryanair-Chef Michael O'Leary will nicht mit Cockpit verhandeln.

Ausfälle bei Ryanair

Ryanair hatte im September den Ausfall von rund 20.000 Flügen bis März bekanntgegeben. Grund dafür sind der Fluggesellschaft zufolge "Schwierigkeiten mit der Planung des Jahresurlaubs" der Piloten. Ryanair wies wiederholt Berichte zurück, wonach das Unternehmen mit Pilotenmangel kämpft.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Oktober 2017 um 11:44 Uhr.

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