Der Qualcomm-Firmensitz in San Diego | Bildquelle: REUTERS

Qualcomm-Übernahme Trump blockiert Milliarden-Deal

Stand: 13.03.2018 08:48 Uhr

Für 140 Milliarden Dollar wollte der Chipkonzern Broadcom den Rivalen Qualcomm schlucken. Es wäre die teuerste Übernahme in der Tech-Branche gewesen. Doch US-Präsident Trump verbot den Deal wegen Sicherheitsbedenken.

US-Präsident Donald Trump hat sein Veto gegen eine Übernahme des US-Chipherstellers Qualcomm durch den Rivalen Broadcom eingelegt. Trump habe Bedenken wegen der nationalen Sicherheit geltend gemacht, teilte das Weiße Haus mit. Es wäre die mit Abstand teuerste Übernahme in der Technologie-Industrie gewesen: Broadcom hatte 140 Milliarden Dollar geboten.

Was Trumps Vorstoß so ungewöhnlich macht: In der Vergangenheit griffen US-Präsidenten üblicherweise erst ein, wenn ein Deal stand. Qualcomm wehrt sich vehement gegen den Übernahmeversuch, der im November gestartet wurde. Der Widerstand aus Washington hatte sich bereits abgezeichnet.

Broadcom zieht von Singapur in die USA

Vor einigen Tagen leitete die Behörde zur Überwachung von Auslandsinvestitionen (CFIUS) eine Untersuchung ein und ließ Qualcomm eine möglicherweise entscheidende Aktionärssitzung verschieben. Die CFIUS untersteht dem Finanzministerium und prüft Übernahmen von US-Firmen durch ausländische Investoren auf mögliche Risiken für die nationale Sicherheit.

Broadcom ist dabei, den Unternehmenssitz von Singapur in die USA zu verlegen. Das sollte die feindliche Übernahme vereinfachen. Trumps Anordnung ist eher so formuliert, dass Broadcom auch danach der Kauf von Qualcomm untersagt bliebe. Noch ist unklar, ob Broadcom Trumps Verbot vor Gericht anfechten kann. Die Firma erklärte lediglich, man werde die Anordnung prüfen und sei überhaupt nicht einverstanden damit, dass der Zukauf die nationale Sicherheit gefährden könne.

Die Skyline von Singapur. | Bildquelle: dpa
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Broadcom hatte erst am Montag angekündigt, seinen Firmensitz Anfang April von Singapur in die USA zu verlegen, um die Bedenken der US-Behörden zu entkräften. Doch auch das half nicht.

Chiphersteller für Smartphones

Qualcomm produziert Funkchips, die in sehr vielen Telefonen für die Verbindung sorgen, sowie auch die Haupt-Prozessoren diverser Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android. Außerdem arbeitet das Unternehmen auch im Auftrag von US-Behörden - was als Begründung für die Sorgen um nationale Sicherheit dienen kann.

Broadcom hatte zuletzt zugesichert, keine sicherheitsrelevanten Teile von Qualcomm an ausländische Unternehmen zu verkaufen. Außerdem stellte der Konzern eine Investition von 1,5 Milliarden Dollar in den USA in Aussicht. Das reichte nicht, um die US-Behörden umzustimmen. Laut Medienberichten sehen sie Verbindungen von Broadcom-Tochterfirmen nach China mit Sorge.

Milliardenschwere Fusionen in der Branche

Die Chiphersteller versuchen derzeit, dem scharfen Wettbewerb weltweit durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse zu begegnen. Auch das heutige Broadcom ist das Produkt einer Serie von Übernahmen: Der Netzwerk-Spezialist Avago aus Singapur hatte 2015 die Chipfirma Broadcom für 37 Milliarden Dollar gekauft und deren Namen übernommen.

Trump verbietet Milliardenübernahme von Chipkonzern Qualcomm durch Broadcom
Marc Hoffmann, ARD Washington
13.03.2018 06:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. März 2018 um 07:37.

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