EU will Zahl der Plastiktüten begrenzen Für die Dünnen kommt es dicke

Stand: 04.11.2013 16:10 Uhr

Europas Verbraucher sollen weniger Plastiktüten benutzen und so die Umwelt schonen. Dazu will die EU-Kommission den europäischen Staaten künftig auch nationale Verbote erlauben. "Plastiktüten sind ein Symbol unserer Wegwerfgesellschaft", sagte EU-Umweltkommissar Janez Potocnik in Brüssel. "Sie bestehen aus Material, das Hunderte Jahre hält - aber wir nutzen sie nur für ein paar Minuten."

Tüten mit Einkauf | Bildquelle: dpa
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Es gebe "keinen Kreuzzug gegen alle Arten von Plastiktüten", versichert die EU-Kommission.

Potocnik betonte allerdings, es solle nun keinen "Kreuzzug gegen alle Arten von Plastiktüten" geben. Im Visier habe er vielmehr Tüten mit einer Stärke von weniger als 50 Mikron - das entspricht 0,05 Millimetern.

Es geht dem EU-Kommissar also um leichte Tragetaschen. Gegen Mülltüten, Beutel für die Hinterlassenschaft beim Hundespaziergang oder schwere Plastik-Einkaufsbeutel richten sich die Pläne nicht.

Besteuerung bislang erlaubt

Der Vorschlag benötigt die Zustimmung der EU-Staaten und des Europaparlaments. Danach müssten die nationalen Regierungen innerhalb einer bestimmten Frist den Gebrauch der Tüten eindämmen. Der Vorschlag sagt jedoch nicht, um wie viel Prozent oder um wie viele Tüten die Mengen sinken müssten. Im besten Fall könnte der Verbrauch leichter Einkaufstüten dabei um 80 Prozentpunkte sinken, erklärte Potocnik.

Derzeit dürfen die EU-Staaten die Tüten zwar besteuern, aber nicht verbieten. Dies soll sich künftig ändern. Denn unter den Folgen leiden die Umwelt und vor allem Meerestiere. Viele der Einweg-Tüten landen schließlich im Meer. Dort verfangen sich Vögel und Fische in ihnen oder verschlucken kleine Partikel. Bei Nordseevögeln hatten 94 Prozent der untersuchten Tiere Plastik im Magen.

Hoher Anteil an Einwegtüten

2010 wurden nach Schätzungen fast 100 Milliarden Plastiktüten in der EU in Verkehr gebracht. Knapp 200 Plastiktüten benutzt jeder Europäer laut EU-Kommission pro Jahr, der Großteil davon sind leichte Einwegtüten. Während Dänen und Finnen relativ selten zur Plastiktüte greifen, ist der Verbrauch in Osteuropa und Portugal um ein Vielfaches höher. Deutschland rangiert mit rund 70 Tüten auf Platz sechs.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) begrüßte die Pläne der EU und forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. "Wir halten eine Steuer auf alle Einweg-Tragetaschen für angebracht, wollen aber nicht, dass damit die generelle Debatte um Plastikmüll aufhört", erklärte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Der Branchenverband Plastics Europe in Brüssel plädierte ebenfalls für eine Gebühr - allerdings auf alle Plastiktüten, ob leicht oder schwer, "weil sie zu wertvoll sind, um umsonst verteilt zu werden". Der Verband warnte allerdings vor nationalen Verboten: Solch ein "Flickwerk an Regeln" schaffe rechtliche Unsicherheiten. Zudem sei es wichtiger, bestehende Vorgaben zum Umgang mit Müll umzusetzen, anstatt die Tüten zum Sündenbock zu machen.

Skeptisch äußerte sich der Industriepolitiker Herbert Reul (CDU) aus dem Europaparlament: "Was haben wir davon, wenn wenige Länder drakonische Maßnahmen ergreifen und andere, wenn überhaupt, nur auf dem Papier tätig werden?"

Kampf gegen die Plastiktüten
nachtmagazin 0:15 Uhr, 05.11.2013, Marion von Haaren, ARD Brüssel

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