Öl-Förderung in Bahrain | Bildquelle: AP

Überraschende Einigung OPEC drosselt Öl-Förderung - Preise steigen

Stand: 29.09.2016 01:11 Uhr

Die OPEC-Staaten haben sich zum ersten Mal seit acht Jahren auf eine Drosselung der Öl-Produktion geeinigt. Nach langem Streit beschlossen sie, die Fördermengen auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel pro Tag zu senken. An den Weltmärkten zogen die Ölpreise sofort deutlich an.

Zum ersten Mal seit acht Jahren hat sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) auf eine Drosselung der Fördermengen geeinigt. Der derzeitige OPEC-Präsident, Katars Energieminister Mohammed Bin Saleh Al-Sada, verkündete den Verhandlungsdurchbruch in der algerischen Hauptstadt Algier. Dem vorläufigen Abkommen zufolge soll die tägliche Fördermenge auf 32,5 bis 33,0 Millionen Barrel am Tag beschränkt werden. Derzeit werden Schätzungen zufolge 33,24 Millionen Barrel am Tag produziert. Damit werden faktisch die Höchstgrenzen wieder eingeführt, die die OPEC vor einem Jahr aufgehoben hatte.

Die Öl-Förderländer kämpfen seit Monaten gegen fallende Ölpreise. Dennoch scheiterten - im Gegensatz zu früheren Zeiten - über Monate alle Bemühungen, mit einer Verknappung des Rohöls an den Weltmärkten für steigende Preise zu sorgen.

Steigende Ölpreise nach Einigung

Vor allem Streitigkeiten zwischen den regionalen Rivalen Saudi-Arabien und dem Iran hatten die Hoffnungen auf ein Abkommen zuvor getrübt. Die Ölpreise stiegen unmittelbar nach Verkündung des Deals. Hintergrund war unter anderem die Strategie, neue Konkurrenten - wie die Schiefergas-Industrie in den USA - mit den niedrigen Preisen wieder aus dem Markt zu drängen. Die traditionellen Förderländer setzten darauf, mit Durchhaltevermögen den Konkurrenzkampf für sich zu entscheiden. Doch zuletzt schlug der Ölpreisverfall auch im reichen Saudi-Arabien auf die Wirtschaft durch. Die Regierung Saudi-Arabiens hatte sich bisher zudem gegen Ausnahmeregelungen für den Iran gesperrt, mit denen das Land sein Ölgeschäft nach Aufhebung der Atom-Sanktionen wieder in Gang bringen will.

Annäherung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran

Saudi-Arabien und der Iran ringen als Regionalmächte politisch um die Vorherrschaft am Golf. Die nun erzielte Einigung geht offenbar auf eine Annäherung beider Staaten zurück. Der iranische Ölminister Bidschan Sanganeh erklärte nach dem Treffen in Algier, die OPEC habe sich nach zweieinhalbjährigen Verhandlungen auf Maßnahmen zur Marktstabilisierung verständigt ."Die OPEC hat heute eine außergewöhnliche Entscheidung getroffen."Wie ein algerischer Teilnehmer der Verhandlungen erklärte, soll der Iran ausnahmsweise seine Produktion auf 3,7 Millionen Barrel pro Tag anheben dürfen. Aktuell fördert das Land Schätzungen zufolge rund 3,6 Millionen, peilt jedoch vier Millionen Barrel pro Tag an.

Quoten der einzelnen Länder noch nicht festgelegt

Um wieviel Barrel jedes einzelne Mitgliedsland seine Ölförderung drosseln soll, ist allerdings noch unklar. Dies werde auf dem OPEC-Gipfel am 30. November in Wien festgelegt, sagte OPEC-Präsident Al-Sada. Saudi-Arabien ist mit einer Förderung von mehr als 10,7 Millionen Barrel pro Tag mit Abstand der größte Produzent in dem Kartell und liegt damit etwa auf dem Niveau der Nicht-OPEC-Staaten Russland und USA. Die drei Länder stehen zusammen für rund ein Drittel der weltweiten Ölproduktion.

Die OPEC-Einigung kam für viele Experten überraschend - zumal die Energieminister der Teilnehmerstaaten des Treffens in Algier im Vorfeld die Erwartungen gedämpft hatten. Umso deutlicher fielen die Reaktionen an den Weltmärkten aus. Die Preise für ein Barrel Rohöl kletterten je nach Sorte um mindestens fünf Prozent.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. September 2016 um 04:56 Uhr.

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