Ein Flugzeug von Niki auf dem Flughafen Köln-Bonn | Bildquelle: picture alliance / Horst Galusch

Airlines planen Rückholhilfe Tausende Niki-Passagiere sitzen fest

Stand: 14.12.2017 09:25 Uhr

Wegen ihrer Insolvenz hat die Air-Berlin-Tochter Niki am Abend den Flugbetrieb eingestellt. Tausende Passagiere sitzen im Ausland fest. Deutsche Fluglinien wollen bei ihrer Rückholung helfen. Doch Hunderttausende Tickets sind jetzt wertlos.

Die Insolvenz der Air-Berlin-Tochter Niki hat Tausende Passagiere in mehreren Ländern stranden lassen, weil auch der Flugbetrieb eingestellt wurde. Das Wichtigste sei derzeit, die Fluggäste vor Weihnachten nach Hause zu holen, sagte Österreichs Verkehrsminister Jörg Leichtfried im ORF. Für die Heimkehr der Fluggäste zeichnen sich inzwischen Lösungen ab.

Air-Berlin-Tochter Niki stellt den Flugbetrieb ein
tagesschau 12:00 Uhr, 14.12.2017, Michael Mandlik, ARD Wien

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Deutsche Fluglinien kündigen Hilfe an

Deutsche Fluggesellschaften kündigten ihre Unterstützung beim Rücktransport gestrandeter Passagieren an. Die Fluggesellschaften würden Niki-Fluggästen, die keine Pauschalreise gebucht haben, noch verfügbare Sitzplätze zu Sonderkonditionen anbieten, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. An der Aktion beteiligen sich den Angaben zufolge Condor, Eurowings, Germania, Tuifly, Lufthansa, Austrian Airlines und Swiss. Zum Teil planen die Anbieter auch Sonderflüge. Reisende, die ihren Niki-Flug selbst gebucht haben, können sich an die Informations- und Check-in-Schalter der Fluglinien an den Flughäfen und an die Hotlines wenden. Für Pauschalreisende sind dagegen die Reiseveranstalter verantwortlich. Diese müssen die Rückkehr ihrer Kunden organisieren - voraussichtlich durch das Chartern von Maschinen.

Niki selbst hatte erklärt, dass mehrere Fluggesellschaften "eine Rückholaktion auf Standby-Basis gegen ein geringes Entgelt aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz", organisierten.

Bis zu 40.000 Passagiere gestrandet

Laut Insolvenzverwalter Lucas Flöther sind knapp 40.000 Passagiere, die in den kommenden zwei Wochen Heimflüge mit Niki gebucht hätten, auf eine alternative Lösung für ihre Rückreise angewiesen. Etwa 5000 davon seien Reisende aus Österreich, wie das Verkehrsministerium in Wien mitteilte.

Hunderttausende Tickets wertlos

Finanzielle Folgen hat die Niki-Insolvenz nicht nur für die etwa 1000 Beschäftigten, die voraussichtlich ihren Job verlieren. Auch die Kunden, die für die kommenden Monate bereits Tickets der Fluglinie gekauft hatten, gehen womöglich leer aus. Dem Insolvenzverwalter Flöther zufolge trifft die Einstellung des Flugbetriebs 350.000 Passagiere, die bei Niki direkt gebucht hatten. Ihre bereits ausgestellten und in der Regel bezahlten Tickets verlieren ihre Gültigkeit und sind nun wertlos. Weitere 410.000 Fluggäste hatten ihre Tickets über Reisebüros oder Reiseveranstalter gebucht. Diese Tickets wurden in den meisten Fällen noch nicht ausgestellt.

Prinzipiell haben Reisende laut EU-Fluggastrechteverordnung immer Anspruch auf Entschädigung oder Rückerstattung, wenn ihre Flüge nicht stattfinden. Wer sein Ticket selbst online bei Niki oder auf einem Reise-Portal gekauft hat, ist in der Regel aber nicht versichert. Die Betroffenen können zwar den Flugpreis nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Insolvenzverwalter Flöther anmelden. Dieser macht Betroffenen aber keine große Hoffnungen: Angesichts der wirtschaftlichen Lage von Niki sind die Aussichten auf eine nennenswerte Rückzahlung äußerst gering. Wurden die Flugtickets in einem Reisebüro oder als Teil einer Pauschalreise erworben, so sind sie in aller Regel über Reisesicherungsscheine versichert.

EU-Kommission bestreitet Mitschuld an Pleite

Mit dem gestern gestellten Insolvenzantrag zog Niki die Konsequenz aus der gescheiterten Übernahme durch Lufthansa. Europas größte Fluggesellschaft hatte seinen Schritt mit den kartellrechtlichen Bedenken der EU-Kommission begründet. Die Wettbewerbshüter hätten alle bisherigen Zugeständnisse als nicht ausreichend beurteilt und "klar signalisiert", dass eine Übernahme von Niki derzeit nicht genehmigungsfähig sei, erklärte die Lufthansa. Daher werde eine Übernahme "nicht weiterverfolgt".

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verteidigte die Haltung der Wettbewerbshüter und wies jede Mitschuld an der Niki-Insolvenz zurück. "Es war keine Überraschung für Lufthansa, dass wir den Plan kritisch gesehen haben." Die Meinung der Kommission habe sich später im Kartellverfahren und dem Markttest bestätigt.

Lufthansa setzt darauf, dass die EU-Kommission den verbliebenen Rest der Air-Berlin-Übernahme genehmigt. Man erwarte eine Entscheidung der EU bis zum 21. Dezember, sagte ein Konzernsprecher.

Hoffnung auf Übernahme durch andere Interessenten

Niki Lauda | Bildquelle: dpa
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Niki Lauda hat weiter Interesse an einer Niki-Übernahme

Lufthansa stellte mit dieser Entscheidung auch die monatliche Brückenfinanzierung ein, die der Konzern Niki in Erwartung der Übernahme gewährt hatte. Damit hatte Niki aber nicht mehr genug Geld, um weiter zu fliegen. "Das Ende der Niki ist ein nationales Desaster für Österreich", sagte Geschäftsführer Oliver Lackmann.

Noch hofft Insolvenzverwalter Flöther auf eine andere Lösung. "Wir haben noch ein paar Tage Zeit, trotzdem einen Investor für Niki zu finden", sagte er. Die Gespräche sollen noch im Laufe des Tages beginnen. Der frühere Rennfahrer und Firmengründer Niki Lauda bekräftigte sein Interesse an der Airline. Österreichischen Gewerkschaftsangaben zufolge gibt es mindestens drei Interessenten für die Fluglinie. Zudem sagte Österreichs Verkehrsminister Leichtfried dem ORF, dass die Regierung in Wien die Möglichkeit eines Überbrückungskredits prüfe. "Es gibt Überlegungen, unter Umständen mit Zwischenfinanzierungen etwas zu tun."

Staatskredit wohl teilweise verloren

Für den deutschen Staat bedeutet die Niki-Insolvenz voraussichtlich einen Millionenschaden. Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, räumte ein, dass ein Teil des Staatskredits von 150 Millionen Euro an Air Berlin verloren sein könnte. Er sollte hauptsächlich mit dem Verkaufserlös für Niki getilgt werden. Auch der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, sagte, dass eine vollständige Rückzahlung des KfW-Kredits in Höhe von 150 Millionen Euro "unwahrscheinlicher geworden" sei

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Dezember 2017 um 09:00 Uhr.

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