Kipchoge nach dem Zieleinlauf | Bildquelle: REUTERS

Marathon-PR-Aktion Rekordlauf - und doch gescheitert

Stand: 06.05.2017 11:21 Uhr

So schnell wie Eliud Kipchoge ist noch kein Mensch die Marathondistanz gelaufen: In 2:00:25 Stunden absolvierte der Kenianer die 42,195-Kilometer. Doch es gab nicht nur Beifall für die Leistung - denn hinter der Aktion steckt ein mächtiger Konzern.

Es war ein PR-Event erster Güte, inzeniert vom US-Sportartikelhersteller Nike - auf der Autorennstrecke in Monza hatte der Konzern alles aufgeboten, um seinen Werbeträger Eliud Kipchoge zu einer Marathon-Zeit unter zwei Stunden zu verhelfen: Wechselnde Tempomacher, Ärzte, ein Windschatten spendendes Begleitfahrzeug, jederzeit verfügbare Getränke und einen Kurs ohne scharfe Kurven.

Doch der kenianische Olympiasieger Kipchoge scheiterte denkbar knapp an der in der Laufszene als Schallmauer wahrgenommenen Marke. Nach 2:00:25 Stunden lief er über die Ziellinie. Auch wenn noch kein Mensch vor ihm die 42,195-Kilometer-Strecke schneller gelaufen war, wird seine Zeit nicht als Weltrekord gewertet.

Denn das Rennen entsprach nicht den Regeln des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF: Kipchoge wurde von Tempomachern unterstützt, die alle 2,4 Kilometer wechselten. Den offiziellen Weltrekord hält mit 2:02:57 Stunden weiterhin der Kenianer Dennis Kimetto, aufgestellt 2014 in Berlin.

Kipchoge bei seinem Rekordversuch | Bildquelle: AP
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Kipchoge mit seinen Tempomachern auf der Rennstrecke in Monza.

Offizieller Weltrekord bleibt bestehen

Kipchoge war am frühen Morgen auf die Strecke gegangen. Vor ihm und seinen Tempomachern fuhr ein Elektrowagen mit einer großen Anzeigetafel, die auch noch etwas Windschutz bot. Mitarbeiter aus dem Ärzte- und Wissenschaftsteam begleiteten die Ausdauerspezialisten auf Fahrrädern.

Kipchoge spulte die Kilometer mit beeindruckender Gleichmäßigkeit und ohne die Miene zu verziehen ab. Im Ziel angekommen freute sich der 32-Jährige trotz der verpassten 2-Stunden-Marke. "Die letzten zwei Runden waren wir etwas hinter dem Zeitplan. Ich hoffe, das nächste Mal klappt es", sagte Kipchoge. Seine Bestzeit stand bislang bei 2:03:05 Stunden, gelaufen im vergangenen Jahr beim London-Marathon. In Rio de Janeiro gewann Kipchoge Gold in 2:08:44 Stunden.

Der deutsche Rekordhalter Arne Gabius - ebenfalls bei Nike unter Vertrag und Augenzeuge des Laufs - bescheinigte Kipchoge eine "unglaubliche" Leistung. "Das zeigt, was möglich ist. Das ist pure Motivation für alle Marathonläufer und auch mich", sagte der Stuttgarter. Zu dem Rennen waren nur geladene Zuschauer zugelassen. Gabius hält seit 2015 den deutschen Rekord mit 2:08:33 Stunden.

Kipchoge nach dem Zieleinlauf | Bildquelle: REUTERS
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Jubel trotz der verpassten Zielmarke: Kipchoge und seine Mitstreiter nach dem Rennen.

Großer finanzieller Aufwand

Nike hatte mit großem finanziellen und wissenschaftlichen Aufwand versucht, diese Schallmauer in der Leichtathletik zu durchbrechen. Das Projekt hat das Unternehmen nach Medienangaben etwa 30 Millionen Euro gekostet. In der Leichtathletik-Szene war das von Nike "Breaking2" getaufte Projekt umstritten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Mai 2017 um 12:00 Uhr

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