Themenbild zum Mindestlohn | Bildquelle: dpa

IAB-Studie zur neuen Lohnuntergrenze Mindestlohn hat Vor- und Nachteile

Stand: 17.03.2016 18:06 Uhr

Warnungen, der gesetzliche Mindestlohn führe zum Verlust vieler Arbeitsplätze, bestätigen Forscher nicht. Ohne Mindestlohn könnte es aber heute 60.000 neue Jobs mehr geben, so eine Studie, allerdings hauptsächlich Mini-Jobs. Und die Lohnuntergrenze hat auch positive Folgen.

Arbeitsmarktforscher haben nach eigenen Angaben in einer Studie Hinweise darauf gefunden, dass die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland spürbar zu Lasten von Arbeitsplätzen geht. Zwar seien wegen der Anfang 2015 eingeführten Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde nur wenige Stellen gestrichen worden, schrieben Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), einer wissenschaftlichen Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Manche Betriebe hätten aber wegen der Regelung auf die Schaffung neuer Jobs verzichtet. "Hochgerechnet hätten ohne den Mindestlohn 60.000 zusätzliche Jobs entstehen können", schrieben die IAB-Forscher.

Die Analyse basiert auf einer repräsentativen Befragung von 16.000 Betrieben in Deutschland im Sommer 2015. Mit dieser Datenbasis hätten die Wirkungen des wenige Monate zuvor eingeführten gesetzlichen Mindestlohns untersucht werden können, erklärte IAB-Direktor Joachim Möller. Er warnte aber zugleich vor einer Überinterpretation des Studienergebnisses. "60.000 - das hört sich erst einmal viel an. Man muss dazu aber wissen: Der Großteil davon wären Minijobs gewesen", sagte Möller. Zudem entsprächen 60.000 Stellen lediglich einem Anteil von 0,18 Prozent an allen Beschäftigten in Deutschland.

Höhere Löhne, längere Arbeitsverhältnisse

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Anfang 2015 wurde die gesetzliche Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde eingeführt.

Die Auswertung zeige, dass der Mindestlohn weder zu einem "Abbruch des positiven Beschäftigungstrends" noch zu einer konjunkturellen Delle geführt habe. Umgekehrt führte der Mindestlohn nach Erkenntnissen der Forscher in Betrieben, die bisher geringer bezahlte Mitarbeiter beschäftigen, zu deutlichen Lohnsteigerungen - besonders stark im Osten Deutschlands. Dort lag der Lohnanstieg auf Betriebsebene ein gutes halbes Jahr nach der Mindestlohneinführung im Schnitt bei 5,2 Prozent, im Westen dagegen nur bei 3,4 Prozent. Zugleich komme es in Betrieben, die Mindestlohn-Empfänger beschäftigten, zu einer geringeren Fluktuation. "Die Leute werden länger beschäftigt als früher", so Möller.

Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass Betriebe die Folgen des Mindestlohns durch den verstärkten Einsatz von Freiberuflern ausgeglichen haben. Sie betonen zugleich, dass sie keine Aussagen zu einer möglichen Verlagerung von regulärer Beschäftigung hin zu mehr Schwarzarbeit treffen könnten. Zudem seien nur kurzfristige Effekte der Mindestlohn-Einführung untersucht worden. Langfristige Effekte auf die Konjunktur und den Arbeitsmarkt sowie negative Konsequenzen wie mögliche Firmenpleiten infolge höherer Lohnkosten ließen sich demnach durch die Studie ebenfalls nicht überprüfen.

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