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Soll "Amflora" kommen oder nicht? Die EU-Landwirtschaftsminister konnten sich nicht einigen, ob die genmanipulierte, besonders stärkehaltige Kartoffel von BASF in Europa zugelassen werden soll. Jetzt ist die EU-Kommission am Zug. Und die hat bereits erklärt, wie sie entscheiden will: im Zweifel für die Gen-Kartoffel.
Von Christopher Plass, HR-Studio Brüssel
Der liebliche Name "Amflora" steht für eine besonders heiße Kartoffel, die derzeit die Gemüter in Europa erhitzt. BASF hat die Kartoffel entwickelt - sie ist besonders stärkehaltig, und diese Stärke könnte bei der Produktion von Textilien, Klebstoffen, Waschmitteln oder Papier zum Einsatz kommen. Aber: Amflora ist eine gentechnisch veränderte Kartoffel.
[Bildunterschrift: Genkartoffel-Versuchsfeld der TU München ]
BASF beantragte bei der EU die Zulassung für die reguläre kommerzielle Nutzung. Das wurde zum Streitpunkt unter den EU-Agrarministern. Länder wie Österreich, Italien oder auch Polen lehnen die Zulassung ab. Deutschland gehört neben Schweden und anderen zu den Befürwortern - schließlich ist BASF eine deutsche Firma. Keines der beiden Lager kam im EU-Ministerrat auf eine notwendige qualifizierte Mehrheit. Und deswegen fällt laut EU-Recht, dem sogenannten Komitologie-Verfahren, nun die Entscheidung der EU-Kommission zu.
Hier zeichnet sich ab, dass die Komission dem Antrag demnächst stattgeben wird. Wohlgemerkt immer nur der Zulassung als Industrie-Produkt, nicht als Lebens- oder Futtermittel. Denn "diese Industrie-Kartoffel sei nicht geeignet als Lebens- oder Futtermittel, weil sie einen abstoßenden Geschmack habe", zitiert Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer scherzhaft aus Gutachten.
[Bildunterschrift: Als Speisekartoffel soll "Amflora" ungeeignet sein. BASF will sie zur Stärkegewinnung und als Futtermittel anbieten. ]
Über diesen Scherz können die Umweltverbände nicht lachen. Sie verweisen darauf, dass BASF auch einen Antrag zur Zulassung als Futtermittel gestellt hat. Und hier drohe Gefahr: "Amflora" enthält nämlich ein Resistenz-Gen gegen Antibiotika. Spätestens nach der Zulassung als Futtermittel drohe dieses in die Nahrungskette zu kommen. Die EU hatte hierzu eigene Behörden mit Gutachten beauftragt - die gaben Entwarnung.
Aber auch wenn die Gen-Kartoffel nur als Industriestoff zugelassen werde, könne man Gefahren nicht ausschließen, sagen die Umweltschützer. "Amflora" könnte verwechselt und mit anderen Speisekartoffeln vermischt werden. Außerdem könnte das Antibiotika-Gen auch die Bodenökologie durcheinander bringen, klagt beispielsweise der Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND.
Für den Bundeslandwirtschaftsminister ist eine Zulassung als Futtermittel im Moment kein Thema - trotz des vorliegenden BASF-Antrags. Seehofer möchte zunächst, dass bei einer Genehmigung als Industrie-Kartoffel alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Sei es durch nationale oder EU-Regelungen: Felder müssten weit genug auseinanderliegen, eine Vermischung von Gen-Kartoffeln und Speisekartoffeln müsste auf alle Fälle vermieden werden. Zu prüfen seien auch Folgen für die Böden, "um zu vermeiden, dass Resistenz-Gene über Bakterien in die Pflanzenwelt gelangen", sagt Seehofer.
Die Umweltverbände bezweifeln, dass dieses möglich ist. Der BUND berichtet, es habe schon Pannen mit der "Amflora" gegeben, die in Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen eines Freisetzungsversuchs angebaut wird. Sollte die EU-Kommission demnächst die Gen-Kartoffel genehmigen, würde erstmals seit 1998 in der EU wieder eine gentechnisch veränderte Pflanze für den kommerziellen Anbau zugelassen.
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