EU-Komission will Gen-Kartoffel von BASF genehmigen "Amflora"-Erlaubnis spaltet die Geister

Stand: 17.07.2007 00:00 Uhr

Soll "Amflora" kommen oder nicht? Die EU-Landwirtschaftsminister konnten sich nicht einigen, ob die genmanipulierte, besonders stärkehaltige Kartoffel von BASF in Europa zugelassen werden soll. Jetzt ist die EU-Kommission am Zug. Und die hat bereits erklärt, wie sie entscheiden will: im Zweifel für die Gen-Kartoffel.

Von Christopher Plass, HR-Studio Brüssel

Der liebliche Name "Amflora" steht für eine besonders heiße Kartoffel, die derzeit die Gemüter in Europa erhitzt. BASF hat die Kartoffel entwickelt - sie ist besonders stärkehaltig, und diese Stärke könnte bei der Produktion von Textilien, Klebstoffen, Waschmitteln oder Papier zum Einsatz kommen. Aber: Amflora ist eine gentechnisch veränderte Kartoffel.

Genkartoffeln von einem Versuchsfeld der TU München
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Genkartoffel-Versuchsfeld der TU München

BASF beantragte bei der EU die Zulassung für die reguläre kommerzielle Nutzung. Das wurde zum Streitpunkt unter den EU-Agrarministern. Länder wie Österreich, Italien oder auch Polen lehnen die Zulassung ab. Deutschland gehört neben Schweden und anderen zu den Befürwortern - schließlich ist BASF eine deutsche Firma. Keines der beiden Lager kam im EU-Ministerrat auf eine notwendige qualifizierte Mehrheit. Und deswegen fällt laut EU-Recht, dem sogenannten Komitologie-Verfahren, nun die Entscheidung der EU-Kommission zu.

Hier zeichnet sich ab, dass die Komission dem Antrag demnächst stattgeben wird. Wohlgemerkt immer nur der Zulassung als Industrie-Produkt, nicht als Lebens- oder Futtermittel. Denn "diese Industrie-Kartoffel sei nicht geeignet als Lebens- oder Futtermittel, weil sie einen abstoßenden Geschmack habe", zitiert Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer scherzhaft aus Gutachten.

Umweltschützer befürchten Dammbruch

Kartoffelchips
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Als Speisekartoffel soll "Amflora" ungeeignet sein. BASF will sie zur Stärkegewinnung und als Futtermittel anbieten.

Über diesen Scherz können die Umweltverbände nicht lachen. Sie verweisen darauf, dass BASF auch einen Antrag zur Zulassung als Futtermittel gestellt hat. Und hier drohe Gefahr: "Amflora" enthält nämlich ein Resistenz-Gen gegen Antibiotika. Spätestens nach der Zulassung als Futtermittel drohe dieses in die Nahrungskette zu kommen. Die EU hatte hierzu eigene Behörden mit Gutachten beauftragt - die gaben Entwarnung.

Aber auch wenn die Gen-Kartoffel nur als Industriestoff zugelassen werde, könne man Gefahren nicht ausschließen, sagen die Umweltschützer. "Amflora" könnte verwechselt und mit anderen Speisekartoffeln vermischt werden. Außerdem könnte das Antibiotika-Gen auch die Bodenökologie durcheinander bringen, klagt beispielsweise der Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND.

"Amflora": Erste zugelassene Gen-Pflanze seit 1998

Für den Bundeslandwirtschaftsminister ist eine Zulassung als Futtermittel im Moment kein Thema - trotz des vorliegenden BASF-Antrags. Seehofer möchte zunächst, dass bei einer Genehmigung als Industrie-Kartoffel alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Sei es durch nationale oder EU-Regelungen: Felder müssten weit genug auseinanderliegen, eine Vermischung von Gen-Kartoffeln und Speisekartoffeln müsste auf alle Fälle vermieden werden. Zu prüfen seien auch Folgen für die Böden, "um zu vermeiden, dass Resistenz-Gene über Bakterien in die Pflanzenwelt gelangen", sagt Seehofer.

Die Umweltverbände bezweifeln, dass dieses möglich ist. Der BUND berichtet, es habe schon Pannen mit der "Amflora" gegeben, die in Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen eines Freisetzungsversuchs angebaut wird. Sollte die EU-Kommission demnächst die Gen-Kartoffel genehmigen, würde erstmals seit 1998 in der EU wieder eine gentechnisch veränderte Pflanze für den kommerziellen Anbau zugelassen.

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