Insolvente Airline Lufthansa bietet doch für Alitalia

Stand: 11.04.2018 09:35 Uhr

Wer hätte das gedacht? Noch im März hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr abgewunken, als es um die insolvente italienische Fluglinie Alitalia ging. Nun hat der Dax-Konzern aber doch den Hut in den Ring geworfen - zusammen mit anderen.

Das Interesse für Alitalia sei in einem Dokument mit dem Namen "NewAlitalia" angemeldet worden, erklärte der Dax-Konzern am Dienstag. In diesem Text habe man die Ideen für eine restrukturierte Alitalia skizziert, hieß es weiter.

Insgesamt seien drei Angebote eingegangen, teilte Alitalia mit. Der Sonderverwalter des Unternehmens werde dies jetzt prüfen. Alitalia ging im Frühjahr 2017 in die Insolvenz, nachdem es keine Einigung zwischen dem Management und den Gewerkschaften über einen Rettungsplan gegeben hatte. Seitdem fliegt die Airline mit Staatshilfen.

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Auch andere haben Interesse

Auch der britische Billigflieger Easyjet hat ein Angebot vorgelegt. Man habe eine "überarbeitete Interessenbekundung" als Teil eines Konsortiums vorgelegt, hieß es. Weitere Einzelheiten gibt es bisher nicht. Die Nachrichtenagentur "Bloomberg" schreibt unter Berufung auf Insider, das die Briten mit der französisch-niederländischen AirFrance-KLM und dem Finanzinvestor Cerberus zusammenarbeiten.

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Der italienische Markt ist strategisch wichtig

Für Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist der italienische Markt strategisch wichtig. "Dementsprechend unternehmen wir alle notwendigen Schritte, um bereit zu stehen, wenn sich eine entsprechende Chance bietet", sagte ein Sprecher. An der Alitalia in der derzeitigen Verfassung habe Lufthansa aber kein Interesse.

Carsten Spohr
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Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Dies hatte erst im März auch Spohr auf einer Telefonkonferenz bestätigt. "Es wird einige Zeit dauern, bis sich der Konzern gefangen hat", sagte er. Für eine aktive Rolle in einer europäischen Konsolidierung sei man aber gerüstet, so der Firmenchef. Der Kranichkonzern will vor allem seine Billigflugtochter Eurowings ausbauen. Spätestens seit der Pleite von Air Berlin ist der europäische Markt in Bewegung gekommen.

An Alitalia und seinen streitbaren Gewerkschaften hat sich schon so mancher Manager die Zähne ausgebissen. Noch unklar ist die Rolle des italienischen Staates, auf dessen Kosten der Flugbetrieb derzeit geht. Um jeden Preis verscherbeln wollten die Politiker in Rom die Airline aber zuletzt nicht. Allerdings befindet sich das Land derzeit mitten in einer schwierigen Regierungsbildung, so dass die Karten auch neu gemischt werden könnten.

LH-Aktie wieder interessant

Bis auf über 31 Euro war die Lufthansa-Aktie 2017 gestiegen und war damit der Dax-Star des Vorjahres. Vom Hoch ist es seitdem wieder bis auf rund 25 Euro bergab gegangen, ehe die Aktie Anfang des Monats wieder an Höhe gewann.

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Für UBS-Analyst Jarrod Castle war der vorherige Rückgang zu viel des Guten. Anfang April stufte er das Papier von "Neutral" auf "Kaufen" und setzte sein Kursziel bei 31 Euro (von zuletzt allerdings 31,70 Euro). Er gehe sogar davon aus, dass die Lufthansa 2018 sogar noch höhere Gewinne erzielen kann als im Rekordjahr 2017. Daher könne auch die Dividende erneut steigen, so der Experte weiter. Gestern schloss das Papier bei 26,88 Euro. Am Morgen legt die Aktie leicht zu und bewegt sich auf die Marke von 27 Euro zu.

rm

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Die Geschichte der Lufthansa in Bildern

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Lufthansa Rohrbach Roland I, 1926
In den 20er Jahren war das Fliegen nicht immer besonders bequem, aber dafür recht exklusiv. Nur besonders Vermögende konnten es sich leisten, mit dem Flugzeug zu reisen.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichteten am 16. Oktober 2017 MDR aktuell um 11:30 Uhr und Deutschlandfunk um 17:23 Uhr.

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