Der Gasekonzern Linde | Bildquelle: REUTERS

Größter Gasekonzern der Welt Linde besiegelt Fusion mit Praxair

Stand: 01.06.2017 21:07 Uhr

Lange ging es hin und her, nun ist es fix: Trotz aller Widerstände schließen sich Linde und Praxair zum größten Gasekonzern der Welt zusammen. Betriebsräte und Gewerkschaften hatten heftig protestiert - vergeblich.

Linde hat die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair zum größten Gasekonzern der Welt besiegelt. Gegen alle Proteste von Betriebsräten und Gewerkschaften stimmte der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns dem umstrittenen Zusammenschluss zu. Mit 27 Milliarden Euro Umsatz, 66 Milliarden Euro Börsenwert und 80.000 Mitarbeitern würde der neue Gasekonzern den französischen Konkurrenten Air Liquide als Weltmarktführer ablösen. Der Linde-Vorstand unterschrieb noch am Abend wie geplant den Fusionsvertrag.

Gewerkschaften befürchten massiven Stellenabbau

Der neue Konzern soll den Namen Linde tragen, aber von Praxair-Chef Steve Angel aus den USA gesteuert werden. Die Holding wird in Dublin angesiedelt. Den Vorsitz im Aufsichtsrat soll Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle übernehmen. Wenn in den kommenden Monaten auch Praxair, Aktionäre und Behörden das Vorhaben billigen, soll der Zusammenschluss im kommenden Jahr über die Bühne gehen. Linde und Praxair erwarten durch die Fusion Synergien von 1,1 Milliarden Euro jährlich. Die Genehmigung der Kartellbehörden in Europa und den USA steht allerdings noch aus.

Von Arbeitnehmerseite hatte es heftigen Widerstand gegen die Fusion gegeben. Gewerkschaften und Betriebsräte befürchten einen massiven Stellenabbau und den Verlust der Mitbestimmung, sie lehnen den Zusammenschluss entschieden ab. Linde beschäftigt in Deutschland 8000 und weltweit knapp 60.000 Mitarbeiter. Für den Fall einer Fusion hatte der Vorstand den deutschen Beschäftigten Kündigungsschutz und Standortgarantien bis 2021 zugesichert.

Eklat bleibt aus

Der erwartete Eklat im Aufsichtsrat war trotz aller Proteste aber offenbar ausgeblieben. Nur fünf der sechs Arbeitnehmervertreter in dem paritätisch besetzten Kontrollgremium hätten gegen den Deal votiert, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere mit der Abstimmung vertraute Personen. Alle sechs Vertreter der Kapitalseite hätten dafür gestimmt. Deshalb habe Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle darauf verzichtet, die Zustimmung der Zwölferrunde mit seinem doppelten Stimmrecht zu erzwingen.

Reitzle hatte vorher damit gedroht und damit den Zorn der Arbeitnehmer geschürt. Schon die Ankündigung dieses Schritts war von den Gewerkschaften als Tabubruch kritisiert worden. Gewöhnlich werden solch weitreichende Entscheidungen in deutschen Aktiengesellschaften nicht gegen die Arbeitnehmerseite getroffen. Linde selbst äußerte sich zum Abstimmungsergebnis nicht.

Linde und Praxair nahmen im Dezember nach einem gescheiterten ersten Versuch einen zweiten Anlauf zu einer Fusion.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Juni 2017 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.

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