Kreditkarten der Unternehmen VISA und Mastercard

Abgabe soll sinken EU deckelt Kreditkartengebühren

Stand: 18.12.2014 11:12 Uhr

Die Gebühren fürs Einkaufen mit Kredit- und EC-Karten in Europa sinken. Profitieren sollen davon nach den Vorstellungen der EU die Einzelhändler - und langfristig auch die Kunden. Wettbewerbskommissarin Vestager rechnet mit fallenden Preisen.

Von Martin Bohne, MDR-Hörfunkstudio Brüssel

Die EU schiebt überhöhten Kreditkartengebühren einen Riegel vor. Künftig werden die sogenannten Interbankenentgelte gedeckelt: auf 0,3 Prozent der Kaufsumme bei Kreditkarten und auf 0,2 Prozent bei Debitkarten. Zum Vergleich: In Deutschland verlangen die Banken derzeit im Schnitt 1,8 Prozent.

Interbankenentgelte heißt: Immer wenn ein Kunde mit Kreditkarte bezahlt, muss der Einzelhändler eine Gebühr an die Banken entrichten, die die Zahlung abwickeln - und zwar vor allem dafür, dass die Geschäftsbank des Händlers das Geld an die Bank überweist, die die Kreditkarte ausgegeben hat. Die Banken nutzten den fehlenden Wettbewerb. In Europa teilen Mastercard und Visa den Markt unter sich auf, um bei diesen Gebühren unverschämt zuzulangen.

Nicht sichtbare Preiserhöhungen

Pro Jahr kommen da europaweit an die zehn Milliarden Euro zusammen. Natürlich schlagen die Händler in der Regel diese Kosten - nicht sichtbar für die Kunden - auf die Preise auf. Diesem Exzess unfairen Wettbewerbs werde nun ein Ende gemacht, freut sich der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold. Damit erspare die EU den Händlern und Verbrauchern Milliarden.

Auch EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erwartet nun fallende Preise. Die Deckelung sei gut für die Verbraucher, gut für die Wirtschaft und gut für Europa. Ein Nebeneffekt könnte sein, dass in Deutschland, wo die Gebühren derzeit überdurchschnittlich hoch sind, die Verfügbarkeit von Kreditkartenzahlungen zunimmt.

Banken und Kreditkartenunternehmen liefen Sturm gegen die Gesetzesänderung. Ihr Argument: Die Händler würden nun die Einsparungen in die eigene Tasche stecken, aber die Kunden müssten sich auf höhere direkte Bankgebühren einrichten.

Teilerfolg für Bankenlobby

Immerhin erreichte die Bankenlobby, dass ausschließlich geschäftlich genutzte Kreditkarten von der Deckelung ausgenommen werden. Ausgenommen werden vorerst auch American Express und Diners Club, weil Zahlungen mit deren Kreditkarten nur von einer Bank abgewickelt werden. Der Kompromiss muss nun noch - wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres - vom Plenum des Parlaments und vom Rat der EU-Staaten gebilligt werden, was allerdings als Formsache gilt.

EU geht gegen Abzocke bei Kreditkartengebühren vor
M. Bohne, MDR Brüssel
18.12.2014 11:02 Uhr

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