Fragen und Antworten

Fragen und Antworten Was Sie zur Bankkarten-Panne wissen müssen

Stand: 07.01.2010 15:25 Uhr

Kein Geld aus dem Automaten, kein Bezahlen mit Plastikgeld: Seit dem Jahreswechsel machen EC- und Kreditkarten Probleme. Schuld ist eine fehlerhafte Software. tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen dazu und gibt Tipps für den richtigen Umgang mit der Karte.

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Wie viele Kunden sind von dem Problem betroffen?

Banken und Branchenverbände rechnen damit, dass derzeit insgesamt rund 30 Millionen EC- und Kreditkarten mit Chip-Fehler im Umlauf sind.

Warum treten bei EC- und Kreditkarten Probleme auf?

Kredit- und Bankkarten | Bildquelle: AP
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Schätzungen zufolge sind 30 Millionen Bankkarten in Deutschland mit fehlerhaften Chips ausgestattet.

Um EC- und Kreditkarten sicherer gegen sogenannte "Skimming"-Attacken zu machen, wurden sie mit goldfarbenen EMV-Chips ausgestattet. Kartendaten wurden früher auf dem Magnetstreifen abgespeichert und konnten so beim Geldabheben am Automaten oder Bezahlen im Geschäft mit einem speziellen Aufsatz leicht ausspioniert werden. Jetzt sind die Daten nun auf dem EMV-Chip hinterlegt, der die Echtheit der Karte "beurkundet".

Bei jedem Karteneinsatz wird nun nicht mehr auf den Magnetstreifen, sondern auf den EMV-Chip zugegriffen. Für sämtliche Sicherheitsüberprüfungen und Transaktionen spielt das aktuelle Datum eine wichtige Rolle. Experten vermuten, dass unter Umständen die Jahreszahl "2010" Probleme bereitet. Bei der Übersetzung der Zahl "10" in und aus dem für Computer wichtigen Hexadezimalsystem könne die Jahreszahl möglicherweise falsch interpretiert werden und Fehler verursachen, die zum Abbruch der Transaktion führen. Ob dieser Übersetzungsfehler tatsächlich die Ursache des Problems, ist noch nicht klar.

Auch anderswo gibt es Probleme mit der Jahreszahl: Einige Smartphones, die unter Windows Mobile betrieben werden, verlegen eingehende SMS-Nachrichten vereinzelt ins Jahr 2016.

Wann treten die Probleme auf?

Probleme beim Bezahlen und Geldabheben treten im Zusammenspiel von Karten mit Chips des französischen Herstellers Gemalto sowie EC- und Kreditkartenterminals der neuesten Generation auf. Ältere Terminals greifen weiterhin auf die Kartendaten zu, die auf dem Magnetstreifen hinterlegt sind und umgehen damit den Chip. Um Fehlermeldungen und Abbrüche an den neuesten Geräten zu verhindern, werden diese derzeit wieder auf den alten Standard zurückgesetzt. Sie greifen nun nicht mehr auf die Daten auf dem EMV-Chip, sondern wieder auf die Daten auf dem Magnetstreifen zu.

Was bedeutet die Neuprogrammierung der Karten-Terminals und Geldautomaten für die Kunden? 

Geldautomat
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Geht die Lösung des Softwareproblems an den Geldautomaten zulasten der Sicherheit?

Daniel Bachfeld, Redakteur beim Technikmagazin heise online, bezeichnet die Neukonfiguration der Terminals nach altem Standard als einen "Rückschritt in der Sicherheit" und eine "Kapitulation vor dem Problem". Um das Problem dauerhaft zu lösen, sieht er keine andere Möglichkeit, als sämtliche Karten mit fehlerhaften EMV-Chips auszutauschen.

Die EMV-Technik ist in Europa bereits relativ weit verbreitet, in den USA und anderen Teilen der Welt hingegen noch nicht. Deshalb sind EC- und Kreditkarten weiterhin mit einem Magnetstreifen ausgestattet. Probleme bei der Bargeld-Auszahlung und der Kartenzahlung bei Händlern sind nach Angaben des Chip-Herstellers Gemalto nur in Deutschland aufgetreten. Bezahlkarten von Gemalto, die in anderen Ländern ausgegeben wurden, funktionierten ohne Probleme.

Sollten Kunden zum "Klebestreifen-Trick" greifen?

Genervte Bankkunden und Einzelhändler haben eine Notlösung entwickelt, um fehlerhafte Karten doch benutzen zu können: Sie decken den EMV-Chip mit Klebeband ab. Viele Lesegeräte reagieren dann, als ob gar kein Chip auf der Karte sei und lesen stattdessen den Magnetstreifen, der von den aktuellen Problemen nicht betroffen ist.

Der Zentrale Kreditausschuss und Verbraucherschützer warnen jedoch vor diesem "Klebestreifen-Trick". Wenn es später zu einer Manipulation der Karte durch Kriminelle komme, könne die Bank den Standpunkt vertreten, dass sie dem Kunden dies nicht glaube. Schließlich habe er die Sicherheitssysteme der Karte schon einmal ausgetrickst. Außerdem bestehe die Gefahr, dass durch den Klebestreifen die Geldautomaten, Händlerterminals und die Karte selbst geschädigt würden. So könne der Karteninhaber beim Entfernen des Klebestreifens den Chip versehentlich herunterreißen. Für den Ersatz der Karte müsse der Kunde dann selbst aufkommen. Auch wenn der Klebestreifen im Gerät hängen bleibt, könne das für den Kunden teuer werden.

Was sollten Kunden tun, wenn die Karte an der Tankstelle versagt?

Dass die Karte an der Tankstelle streikt, passiert des öfteren. Sigrid Pook vom Tankstellenverband BTG sagt, die Tankstellen seien auf solche Situationen eingestellt. Kunden könnten dann ihre Anschrift und die Bankdaten hinterlassen, das Geld werde später vom Konto abgebucht. Spezielle Formulare, in die Name, Adresse und Personalausweisnummer eingetragen werden können, lägen in den Kassenhäuschen bereit.

Aber Vorsicht: Wer seine Kontonummer falsch angibt oder bereits weiß, dass er zu wenig Geld auf der Bank hat, muss mit einer Anzeige wegen Betruges rechnen. Wenn Kunden keinen Ausweis dabei hätten oder es um große Beträge gehe, etwa bei LKW-Diesel, könne der Tankwart auch die Polizei rufen, warnt Pook. Eine Armbanduhr oder den Personalausweis sollten Kunden nicht als Pfand hinterlegen. Ein Pfand zu nehmen, sei rechtlich nicht zulässig, werde in der Praxis aber oft so gehandhabt.

Was sollten Kunden bei einer Reise ins Ausland tun?

Verbraucherschützer empfehlen Auslandsreisenden ausreichend Bargeld oder Reiseschecks mitzunehmen. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub können Verbraucher versuchen, die Kosten für das Geldabheben bei einer fremden Bank von ihrem Kreditinstitut zurückerstattet zu bekommen. Die Kreditwirtschaft hat angekündigt, sich kulant zu zeigen, ohne jedoch konkrete Angaben zu machen.

Wie teuer wäre ein Austausch der fehlerhaften EC- und Kreditkarten?

Sollte tatsächlich ein Austausch der geschätzt rund 30 Millionen fehlerhaften Karten notwendig werden, dann rechnen Branchenverbände und Banken mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Möglicherweise könnte der Austausch sogar mehr als eine Viertelmilliarde Euro kosten. Erst im November des vergangenen Jahres hatten viele Kreditinstitute unter hohen Kosten Hunderttausende von Kreditkarten ausgetauscht. Zuvor war über ein Sicherheitsleck bei einem Abwicklungsunternehmen in Spanien spekuliert worden.

Haben die Kunden Anspruch auf Schadenersatz?

Hjördis Christiansen von der Hamburger Verbraucherzentrale fordert, dass Verbrauchern durch die Probleme keine zusätzlichen Kosten entstehen dürfen. Sollte die EC-Karte nicht funktionieren und bei der Transaktion am Schalter Kosten entstehen, dann solle der Kunde den Beleg aufbewahren und die Kosten der eigenen Bank in Rechnung stellen. "Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Banken den Kunden entschädigen, da sie ein System initiiert haben, das immer wieder Pannen verursacht. Der Kunde ist dem hilflos ausgeliefert und immer wieder der Dumme", so Christiansen. Sollten die Banken Kunden nicht entschädigen, empfiehlt die Expertin den Gang zu den Verbraucherzentralen.

Zusammengestellt von Andreas Wallbillich für tagesschau.de

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