Tengelmann | Bildquelle: dpa

Einigung bei Kaiser's Tengelmann Rettung in Sicht

Stand: 31.10.2016 18:57 Uhr

Die 15.000 Arbeitsplätze sind vorerst gerettet. Soviel ist klar. Wirtschaftsminister Gabriel und ver.di-Chef Bsirske ließen es sich nicht nehmen, diese gute Nachricht für die Mitarbeiter selbst zu verkünden. Viel mehr verrieten sie aber nicht.

Von Ingrid Bertram, WDR

Gerd-Rainer Linz hat es auf dem Heimweg gelesen, als er auf sein Handy schaute. Seit 16 Jahren arbeitet er bei Kaiser's Tengelmann in Köln-Dünnwald, leitet da die Fleischtheke. Eine echte Überraschung sei das für ihn gewesen, im Betrieb habe man davon nichts erfahren. "Aber eigentlich hätte man die Entscheidung viel früher treffen können", sagt er.

ver.di-Chef Bsirske und Wirtschaftsminister Gabriel verkünden Einigung im Ringen um Kaiser's Tengelmann. | Bildquelle: dpa
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ver.di-Chef Bsirske und Wirtschaftsminister Gabriel verkünden Einigung im Ringen um Kaiser's Tengelmann.

Der Frust über die Hängepartie bei den Verhandlungen ist ihm anzuhören. Zu lange haben gerade die Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen auf dieses entscheidende Ergebnis gehofft. Und so richtig will sich die Erleichterung bei ihm noch nicht einstellen, denn viel verrieten Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und ver.di-Chef Frank Bsirske bisher nicht.

Am Nachmittag um 15 Uhr traten der Bundeswirtschaftsminister und der ver.di-Chef vor die Presse. Knappe fünf Minuten reichen, um die Entscheidung zu verkünden: Die Schlichter Gerhard Schröder und Bert Rürup haben eine Einigung erreicht. Demnach hat sich Rewe damit einverstanden erklärt, die Klage gegen die Ministererlaubnis zurückzuziehen.

Es gebe einen "Interessenausgleich" zwischen Rewe und Edeka, dessen "finanzielle Bedingungen nun ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer noch festlegen solle". Soll heißen: Rewe kann einen Ausgleich erwarten, entweder in Form von Filialen oder Geld.

Einigung bei Kaiser's Tengelmann
nachtmagazin 00:45 Uhr, 01.11.2016, Ingrid Bertram, WDR

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Wie diese Einigung genau aussehen soll, wird noch bis zum Wochenende verhandelt. Gabriel ist sich aber sicher: Rewe werde bis zum 11. November die Klage zurückziehen, so stehe es in der Schlichtungsvereinbarung. Damit könnten "Verkäuferinnen, Fleischer, Lagerarbeiter, Fahrer, Verwaltungsmitarbeiter und alle anderen Mitarbeiter von Kaiser's Tengelmann Weihnachten ohne Angst um ihren Arbeitsplatz feiern", verkündet Gabriel sichtbar zufrieden. Denn für ihn ist klar: Laut Ministererlaubnis müssen alle 15.000 Arbeitsplätze für sieben Jahre erhalten blieben.

alt Demian von Osten

Einschätzung

"Insider berichten uns, dass vor allem drei Punkte noch unklar sind: Welche Filialen Rewe in Berlin bekommt, wie viel Rewe dafür zahlt und wie viel Rewe etwa bei Verwaltung und Logistik von Kaiser’s Tengelmann übernehmen muss. Bis Ende der Woche müssen sich die Chefs dabei einigen - und zwar allein, ohne Schlichter. Bleibt zu hoffen, dass angesichts der charakterstarken Supermarkt-Bosse dabei die Einigung nicht wieder platzt - wie das Anfang Oktober schon einmal passiert ist."

Demian von Osten, WDR

Details weiter unklar

Aus welchem Kaiser's Tengelmann jetzt ein Rewe-, Edeka- oder Netto-Supermarkt wird, ist noch nicht bekannt. Ursprünglich sah die Ministererlaubnis vor, dass Edeka alle Filialen übernimmt. Aber es gibt eine Klausel, nach der Filialen unter gleichen Bedingungen auch an Mitbewerber abgegeben werden können.

Denkbar wäre zum Beispiel, dass Rewe einen Großteil der Berliner Supermärkte übernimmt und Edeka einen Großteil der Filialen in Bayern. Damit würde man auch die Bedenken des Kartellamts wegen einer zu hohen Marktkonzentration ausräumen. Das Kartellamt saß in den letzten Verhandlungen beratend am Tisch.

Aus Insider-Kreisen heißt es, Rewe bekomme Filialen in Berlin, die knapp 20 Prozent des gesamten Umsatzvolumens von Kaiser’s Tengelmann entsprächen. Welche Filialen das sein könnten, ist noch unklar. Die Supermärkte in NRW würden wahrscheinlich an Edeka gehen.

Was wird aus den Märkten in NRW?

Peter Kohne, Betriebsrat von Kaiser's Tengelmann der Region Nordrhein, ist zwar froh über die Entscheidung - aber auch noch nicht richtig zufrieden. Er sitzt im Tengelmann-Fleischwerk in Viersen, und genau das ist einer der verlustbringenden Standorte. Was aus dem Fleischwerk und auch aus den restlichen Filialen in Nordrhein-Westfalen wird, ist noch längst nicht geklärt.

Und das treibt ihn um: "Alle Mitarbeiter haben eine Antwort verdient", sagt er. Die Entscheidung von heute sei längst überfällig gewesen. Aber ruhig schlafen könne er erst, wenn Rewe die Klage tatsächlich zurückgezogen hat.

Über dieses Thema berichtet die tagesschau am 31. Oktober 2016 um 17:00 Uhr.

Korrespondentin

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Ingrid Bertram, WDR

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