Produktion von Dieselmotoren bei VW in Salzgitter | Bildquelle: dpa

IG Metall zum VW-Skandal "Die Arbeitnehmer haben damit nichts zu tun"

Stand: 29.09.2015 16:24 Uhr

So viel Mitbestimmung wie bei VW gibt es in keinem anderen Unternehmen in Deutschland. Wenn der Aufsichtsrat entscheidet, ist der Betriebsrat mit dabei. Tragen deshalb er und womöglich die Mitarbeiter selbst eine Mitschuld am Abgas-Skandal? Die IG Metall sucht nach ihrer Haltung dazu.

Von Ingo Nathusius, Hessischer Rundfunk

Die Spitze der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) ringt um eine Haltung zum VW-Skandal. Offensichtliche Solidarität mit Betriebsratschef Bernd Osterloh wird vermieden. Andererseits versucht die Gewerkschaftszentrale, einen Konflikt zu umgehen. Mit den Folgen des Skandals um manipulierte Dieselmotoren "müssen sich die Leute, die dort Verantwortung tragen, beschäftigen", sagte IG-Metall-Vorsitzender Detlef Wetzel in Frankfurt am Main vor Journalisten.

Zu diesen Verantwortungsträgern gehört Betriebsratschef Osterloh. Er sitzt im Aufsichtsrat und betreibt als Arbeitnehmervertreter aktives "Co-Management". Beim Rundgang der VW-Spitze über die Automesse IAA war Osterloh selbstverständlich vorn mit dabei. Klare Distanzierung verbietet sich für IG Metall-Funktionäre. Der Betriebsratschef Osterloh steht für Zehntausende IG-Metall-Mitglieder bei VW. Auf die Frage, ob er stolz auf Osterloh sei, sagt IG-Metall-Chef Wetzel: "Es obliegt uns nicht, stolz auf jemanden zu sein."

Ingo Nathusius, HR, zu den Reaktionen der Gewerkschaften (VW)
tagesschau24 11:30 Uhr, 29.09.2015

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Volkswagen ist das am stärksten mitbestimmte Unternehmen im Land. Von jeher pflegen Eigentümer, Gewerkschaft, Betriebsrat und Management eine besondere Zusammenarbeit. Wenn das Management ein Werk aufbauen oder schließen will, geht das nur mit Zustimmung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat. Das ist anders als bei anderen Unternehmen - und in einem besonderen Gesetz geregelt.

Ein starker Betriebsrat und ein "heimlicher Herrscher"

Auch jenseits reiner Rechtslage ist die Rolle des Betriebsrats bei VW ungewöhnlich stark. Betriebsratsarbeit ist eng mit dem Management verzahnt. In der Vergangenheit wurde es schon einmal kriminell: Osterlohs Vorgänger musste wegen korrupter Verflechtungen mit dem Management aufgeben.

Bernd Osterloh | Bildquelle: dpa
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Eng mit dem Management verzahnt: VW-Betriebsratschef Osterloh.

Die "Frankfurter Rundschau" nennt Osterloh den heimlichen Herrscher von VW. Er galt als Unterstützer von Ex-Konzernchef Martin Winterkorn (Zitat: "Martin Winterkorn ist jeden Cent wert.").

Nach dessen Rückzug vergangene Woche kritisierte Osterloh gleichwohl die Führungskultur bei VW: "Volkswagen braucht einen grundlegenden Kulturwandel."

VW-Skandal - ein Werk von Einzelnen?

Der Frage nach einem fälligen Kulturwandel bei VW wich Gewerkschaftschef Wetzel hingegen aus. Die IG Metall stellt den VW-Skandal als Werk von Einzelnen dar, jenseits des eingespielten Miteinanders bei VW.

Detlef Wetzel | Bildquelle: dpa
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Für IG-Metall-Chef Wetzel trifft die Arbeitnehmer keine Schuld am VW-Abgas-Skandal.

Wetzel sprach von "krimineller Energie", sein designierter Nachfolger Jörg Hofmann von einem "kriminellen Akt". Beide nannten mehrfach die Staatsanwaltschaft als ein geeignetes Organ, den Skandal aufzuarbeiten.

"Die Mitbestimmung ist nicht dafür verantwortlich, welche Komponenten in ein Auto gebaut werden", sagte Wetzel. "Es war sicher nicht die Putzfrau, der Pförtner oder ein Bandarbeiter." Daher könnte die weitgehende Mitbestimmung und die besondere Zusammenarbeit von Kapital und Arbeit bei VW nicht Schuld sein am Skandal.

"Die Arbeitnehmer haben damit nichts zu tun", betonte Wetzel. Also dürften sie auch nicht für die Folgen herangezogen werden. Selbst wenn VW tiefer in die Krise gerate, dürfe es keine Entlassungen geben. "Wir zahlen nicht für Eure Krise!", sagt IG-Metall-Chef Wetzel.

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