Genehmigung durch EU-Kommission Briten dürfen umstrittenes AKW bauen

Stand: 08.10.2014 16:09 Uhr

Britisches AKW Hinkley Point (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / empics
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Auf dem Gelände des britischen Kraftwerks Hinkley Point sollen die neuen Meiler entstehen.

Gut drei Jahre nach der Fukushima-Katastrophe hat die Europäische Kommission den Bau des umstrittenen britischen Atomkraftwerks Hinkley Point C gebilligt. Nach "wesentlichen" Veränderungen verstoße das Projekt nicht gegen die Regeln für staatliche Beihilfen, teilte die Kommission mit.

Greenpeace vermutet einen "Hinterzimmerdeal" zwischen Kommission und Atomlobby und kritisiert, die Entscheidung gehe zulasten der Steuerzahler und der Umwelt. Die Grünen im EU-Parlament befürchten, damit würde Kernkraft nun in Europa eine große Wiederauferstehung feiern.

Hinkley Point C ist mit zwei Druckwasserreaktoren des französischen Herstellers Areva das erste AKW seit fast zwei Jahrzehnten, das in Großbritannien gebaut wird. Es entsteht im Südwesten an einem bestehenden AKW-Standort. Erstellt wird die Anlage vom französischen Energieriesen EDF mit Unterstützung von chinesischen Partnern. Das Kraftwerk soll 2023 ans Netz gehen, sieben Prozent der britischen Stromversorgung tragen und etwa 60 Jahre arbeiten. Laut EU-Kommission belaufen sich die Baukosten auf 31 Milliarden Euro.

Streit um garantierten Abnahmepreis

Im Dezember 2013 hatte Brüssel die Subventionen der britischen Regierung für das Projekt noch infrage gestellt. Dabei ging es vor allem um den damals garantierten Stromabnahmepreis für die ersten 35 Jahre. Großbritannien sei es nun gelungen, "die anfänglichen Zweifel der Kommission auszuräumen", erklärte die Kommission jetzt.

Für die Briten hat das Projekt eine hohe Priorität, weil das Land in den kommenden Jahren jedes fünfte seiner alternden Atomkraftwerke ersetzen will - zwölf neue Meiler sollen bis 2030 entstehen. Der  britische  Energiemix sieht derzeit so aus:  44 Prozent werden mit Kohle erzeugt, ein Prozent mit Erdöl. Erdgas macht fast 24 Prozent aus, die Kernkraftwerke liefern fast  20 Prozent. Aus Wind, Solar, Wasser und anderen Erneuerbaren kommen etwa elf Prozent.  

Für Frankreich wiederum ist die Anlage ein wichtiges Exportgeschäft. Auch zahlreiche andere Länder hatten gespannt auf das Urteil der EU-Behörde gewartet, weil es eine Richtschnur für die erlaubten Subventionen liefert. AKW-Entwickler in der EU sind mittlerweile auf staatliche Unterstützung angewiesen, denn seit dem Fukushima-Unglück im März 2011 haben schärfere Auflagen die Kosten für neue Kernkraftwerke in die Höhe getrieben.

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