Eine Hand verdeckt Telefonkabel

Angriff auf Internetdienstleister in den USA Hackerattacke stört Twitter, Spotify und Paypal

Stand: 22.10.2016 06:20 Uhr

Twitter, Spotify, Netflix, eBay, Paypal: Etliche Internetdienste waren zwischenzeitlich an der US-Ostküste lahmgelegt. Grund war ein Hackerangriff auf einen Internetdienstleiter. Eine Gruppe von Hackern übernahm inzwischen die Verantwortung für den Angriff

Von Rolf Büllmann, ARD-Studio Washington

Es traf eine Firma namens Dyn - ein Dienstleister, der im Internet in etwa das tut, was die Vermittlung früher für das Telefonnetz getan hat. Dyn sorgt dafür, dass die Internetnutzer da herauskommen, wo sie hin wollen, wenn sie eine Webadresse eingebe - und zwar indem es die Webadresse in den Zahlencode umwandelt, der zu der gewünschten Website führt.

Damit ist Dyn ein Nadelöhr, durch das große Mengen Internetverkehr fließen. Entsprechend heftig waren die Auswirkungen, als Dyn offline war: Twitter, Spotify, Ebay, Netflix, AirBnB, Paypal, auch CNN und die "New York Times" waren für einige Stunden an der US-Ostküste entweder gar nicht oder nur eingeschränkt erreichbar.

Untersuchung des Heimatschutzministeriums läuft

Und so etwas beschäftigt dann auch die Regierung: "Ich habe die entsprechenden Berichte gesehen, und ich weiß, dass das Heimatschutzministerium das Ganze untersucht. Aber ich kann Ihnen nichts darüber sagen, wer verantwortlich ist für diesen bösartigen Angriff", sagte Präsidentensprecher Josh Earnest. Etwas später übernahmen Mitglieder des Kollektivs New World Hackers übernahmen via Twitter die Verantwortung für die Attacke. Sie hätten Netzwerke miteinander verbundener "Zombie"-Computer namens Botnets organisiert, die schwindelerregende Datenvolumen von 1,2 Terabytes pro Sekunde auf Dyn-betriebene Server geworfen hätten.

Dyn wurde mit einem sogenannte Denial-Of-Service-Angriff lahm gelegt, also mit massenhaften Anfragen, die das System zusammenbrechen lassen. Um 9.20 Uhr Ostküstenzeit (15.20 Uhr deutscher Zeit) war dem Unternehmen zufolge alles wieder vorbei, gut zwei Stunden nach Beginn des digitalen Angriffs

Von außen gesteuert oder Störung aus Spaß?

An der Behebung der Folgeschäden arbeiten Dyns Ingenieure aber bist jetzt. Und die große Frage ist jetzt natürlich, ob das ein gezielter Angriff war, möglicherweise von außen gesteuert, oder das digitale Äquivalent zu Straßenvandalismus, Störung aus Spaß an der Sache eben.

Adam Schiff, Mitglied im Geheimdienstausschuss des Abgeordnetenhauses, sagt: "Wir wissen noch nicht, wer dahinter steckt, das wird noch untersucht. Das ist sehr besorgniserregend, aber es ist noch zu früh, um zu sagen, was passiert ist, warum es passiert ist, und was die Motivation dafür war."

Tatsache aber ist: Das Heimatschutzministerium der USA hatte erst vor einigen Tagen davor gewarnt, dass Hacker versuchen würden, Router, Drucker, internetfähige Fernseher und andere Geräte mit Online-Verbindungen zu infizieren. Mit dem Ziel, diese Geräte dann für die Art Angriff zu missbrauchen, der Dyn jetzt zum Opfer gefallen ist.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. Oktober 2016 um 21:44 Uhr.

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