BMW-Mini-Produktion in Oxford | Bildquelle: AFP

Britische Autoindustrie Freie Fahrt, bitte

Stand: 26.01.2017 04:55 Uhr

Bislang hat die britische Wirtschaft den Brexit-Schock gut verkraftet. Doch die Zukunft ist ungewiss - nachdem Premierministerin May angekündigt hat, Großbritannien werde auch dem EU-Binnenmarkt den Rücken kehren. Das trifft vor allem die britische Autoindustrie.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Doch, doch, Mike Hawes macht sein Job als Chef des britischen Automobilverbandes SMMT noch Spaß, auch in diesen herausfordernden Brexit-Zeiten: Schließlich zeugen die 1,7 Millionen im vergangenen Jahr in Großbritannien hergestellten Autos von einem Comeback der Branche auf der Insel - ein Produktionsplus von fast neun Prozent, das beste Jahr seit der Jahrtausendwende. Eine Export-Erfolgsstory, die Hawes nicht gefährden will.

Angst vor dem "worst case"

Acht von zehn Autos, die auf der Insel gebaut werden, gehen in den Export - und mehr als die Hälfte davon landet in der EU. In absehbarer Zeit aber verlässt Großbritannien den europäischen Binnenmarkt, verlässt auch die Zollunion. Würden die Briten danach nur noch nach den Spielregeln der Welthandelsorganisation in die EU-Staaten exportieren, dann würden alle Autos mit zehn Prozent Einfuhrzoll belegt - das ist der "worst case" für Hawes.

Auch die Premierministerin will dieses WTO-Szenario vermeiden: Theresa May wünscht sich nach dem Brexit ein Freihandelsabkommen mit den europäischen Partnern, das vorteilhaft ist für die Autoindustrie, indem es sich an die bisherigen Binnenmarkt-Regelungen anlehnt.

BMW-Mini-Produktion in Oxford | Bildquelle: AFP
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BMW-Mini-Produktion in Oxford

Nissan zögert, Toyota zweifelt

Die Brexit-Unsicherheit hat die Investitionen der Autohersteller in Großbritannien bereits 2016 sinken lassen, und dieser Trend könnte sich fortsetzen, befürchtet der Verband. Nissan allerdings hatte kurz nach dem EU-Volksentscheid angekündigt, in seinem Werk in Sunderland im Norden Englands zwei neue Modelle bauen zu wollen. Davon rückt der Chef des japanischen Konzerns, Carlos Ghosn, auch jetzt nicht ab; er will aber vor weiteren Investitionszusagen den endgültigen Brexit-Deal ins Kalkül ziehen.

Auch der Toyota-Boss fragt bereits laut, wie der japanische Hersteller mit seiner Produktion auf der Insel "überleben" kann, wie wettbewerbsfähig die britische Fabrik nach dem Austritt aus dem Binnenmarkt noch sein wird.

Fast alle Automobilwerke in Großbritannien sind in der Hand ausländischer Konzerne. Der Chef der BMW-Tochter Rolls Royce Motor Cars, Torsten Müller-Ötvös, machte bereits vor Mays Brexit-Rede klar, was ihm besonders wichtig ist: "Dass wir unverändert einen Freihandel betreiben können mit allen Märkten dieser Welt. 90 Prozent meiner Produkte werden exportiert weltweit - und vor diesem Hintergrund habe ich kein Interesse an Handelsschranken."

Neue Zollschranken nach dem Brexit, wo bislang keine existieren: Das würde nicht nur den Import und Export ganzer Autos verteuern, sondern auch die Produktion, in der die Lieferketten längst grenzüberschreitend sind. Im Schnitt stecken in jedem Auto "made in Britain" etwa 30.000 Komponenten: Knapp 60 Prozent davon stammen jedoch aus dem Ausland, zwei Drittel davon aus der EU.

Autoindustrie sorgt sich wegen Brexit
S.Pieper, ARD London
26.01.2017 06:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Januar 2017 um 05:45 Uhr

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