Griechen verbittert über Papandreou Den Kredit beim Volk weitgehend verspielt

Stand: 03.11.2011 14:36 Uhr

Wozu sollen ohnehin beschlossene Lohnkürzungen und Sparpakete noch per Referendum abgesegnet werden? Viele Griechen verstehen ihren Ministerpräsidenten nicht mehr. Sie sind der täglichen Horrormeldungen überdrüssig und haben den Glauben an einen funktionierenden Staat verloren.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Eine Lohnkürzung nach der anderen, ein Sparpaket nach dem anderen, eine Regierungskrise nach der anderen. Viele Griechen möchten gar nicht mehr in die Zeitungen schauen oder die Nachrichten anhören, es kommen ohnehin nur Horrormeldungen.

Zeitungen berichten über Griechenlands Schuldenkrise | Bildquelle: dpa
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Die Schuldenkrise beschäftigt die Griechen seit Monaten.

Ob es nun eine Volksabstimmung gibt oder nicht? Eine junge Angestellte aus Athen winkt ab: "Das einzige, was wir wissen: Wir wissen nichts. Die Zukunft ist unsicher. Vielleicht gibt es einen Aufstand und die Leute werden auf die Politiker Steine schmeißen." Viel Verbitterung, viel Resignation ist auf den Straßen der Hauptstadt zu spüren. Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat seinen Kredit beim Volk offenbar verspielt. Vor zwei Jahren gewann er die Wahl mit seiner Partei, der Pasok, die sich "sozialistisch" nennt. Seither hat er Löhne gekürzt, Steuern erhöht, Renten gekürzt und Sozialleistungen abgeschafft. Und jetzt will er diese Politik mit einem Referendum absegnen lassen?

"Der ruft zur Volksabstimmung auf, nachdem alles entschieden ist. Was soll das?" fragt eine Ladenbesitzerin in Athen. "Er hatte doch schon so viele Gelegenheiten, das Volk abstimmen zu lassen - damals, als die ersten Entscheidungen zu Hilfskrediten für Griechenland fielen. Jetzt können wir doch gar nicht mehr zurück. Die Bürger fühlen sich erpresst. Sie sollen zwar abstimmen dürfen, aber bitte nur mit 'Ja'".

Die schönen Worte Papandreous klingen in den Ohren vieler Bürger deshalb wie Hohn: "Es ist die höchste Form der Demokratie. Mit dieser Entscheidung können die Bürger ihren Patriotismus beweisen", hatte er gesagt. "Hohle Worte", sagt ein älterer Mann und schimpft über die Regierung: "Je eher die weg sind, desto schneller wird Griechenland gerettet." Allerdings traut er auch der Opposition nicht über den Weg.

Die Opposition hat keine Alternativen

Nea-Dimokratia-Chef Antonis Samaras | Bildquelle: dpa
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Oppositionsführer Samaras fordert Neuwahlen und eine Übergangsregierung.

Oppositionschef Andonis Samaras von der konservativen "Nea Demokratia" hat zu allen Sparpaketen "Nein" gesagt, ohne wirklich Alternativen vorzulegen. Jetzt versucht er, sich selbst als Volkstribun in Position zu bringen. Er würde gern das Land aus der Krise führen und schimpft gegen Papandreous Kurs einer Volksabstimmung: "Die Regierung erpresst das eigene Volk, um sich dieses Hilfspaket und die eigene gescheiterte Politik absegnen zu lassen. Dabei riskiert die Regierung, dass das Volk das Hilfspaket ablehnt und somit gleichzeitig die Mitgliedschaft Griechenlands in der Eurozone in Gefahr bringt, ja sogar die gesamte Eurozone gefährdet."

"Was soll das alles?"

Die Opposition fordert Neuwahlen, sofort. Sicherlich werden die beiden großen Parteien dabei mächtig Stimmen verlieren, das zeigen Umfragen. Denn die Bürger geben den beiden großen Parteien die Schuld an der Misere: Die haben mit jahrelang mit Korruption und Vetternwirtschaft den Schuldenberg angehäuft. Wie soll Griechenland bloß aus dieser Falle herauskommen? Eine Volksabstimmung würde darauf keine Antwort geben, meint dieser Mann: "Es bringt doch nichts. Wenn wir 'Nein' sagen im Referendum, werden all die Lohnkürzungen ja nicht zurückgenommen. Wir kriegen unsere Rechte nicht wieder. Was soll es also? Ich glaube, das beste jetzt wären dann doch Neuwahlen."

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