Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude in Athen | Bildquelle: AFP

Streik in Griechenland Ausschreitungen und Chaos in Athen

Stand: 15.01.2018 17:36 Uhr

Ausnahmezustand in Athen - doch die Griechen haben Verständnis für den 24-stündigen Generalstreik, der das öffentliche Leben nahezu lahmlegt. Die umstrittenen Änderungen des Streikrechts werden wohl dennoch heute Abend vom Parlament verabschiedet.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Die meisten Autofahrer in der Athener Innenstadt blieben relativ geduldig und gelassen. Der Streik trifft vor allem Berufspendler: Keine einzige Metrolinie fährt, kein Bus, keine Straßenbahn. Rund fünf Millionen Menschen im Großraum Athen erleben eine Art öffentlichen Ausnahmezustand.

Protest gegen Eingriffe ins Streikrecht

Aus Protest gegen die von der Regierung geplanten Eingriffe ins Streikrecht, über die am Abend im Athener Parlament abgestimmt wird, hatten Gewerkschaften diesen ganztägigen, nochmal heftigeren Streik ausgerufen.

Verunsichert sitzt die Besucherin Maria Romero aus Spanien auf einer Parkbank, schaut auf die zugesperrten großen Metro-Eingänge am Syntagma-Platz und rätselt: "Das ist übel für uns, weil wir nicht den Bus zum Flughafen nehmen können. Es fährt nichts, wir haben keine Ahnung, was wir tun sollen. Wir haben nicht so viel Geld, dass wir uns einfach ein Taxi leisten können."

Proteste und Streiks gegen neues Gesetz
tagesschau 16:00 Uhr, 15.01.2018, Michael Schramm, ARD Istanbul, zzt. Athen

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Vielen Athenern und ihren Gästen blieb gar nichts anderes übrig, als aufs Taxi umzusteigen. Am Flughafen ging am Mittag drei Stunden lang gar nichts mehr. Denn auch die Fluglotsen haben ihre Arbeit unterbrochen. Dennoch mussten nur wenige Flüge ins Ausland und ein paar Dutzend Inlandsflüge gestrichen werden - die meisten Fluglinien verschoben ihre Starts und Landungen und konnten mit Verspätungen am Ende doch abfliegen.

Verständnis für den Streik

Rechtsanwalt Kostas Bikas lief lieber zu Fuß in sein Athener Büro. Er ist einer der vielen Griechen, die Verständnis für die Streiks haben, auch wenn sie selbst nicht mitstreiken: "Ich finde, dass die Arbeiter nach all den Einschnitten auf das veränderte Streikrecht reagieren mussten." Dafür müssten die Bürger mit den Konsequenzen klar kommen.

Für heute Abend sind in Athen große Kundgebungen und auch ein Protestmarsch zwischen dem Omonia- und dem Syntagma-Platz angekündigt. Weil eben keine Metros fahren, könnte der Zulauf spärlicher ausfallen als erwünscht - doch in jedem Fall wollen Gewerkschaften und viele Griechen, die nur am Rande mitdemonstrieren, ein letztes Mal Flagge zeigen.

Ein letztes Mal, bevor im Parlament das neue Streikrecht sehr wahrscheinlich eine Mehrheit bekommt. In Zukunft muss die Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder in einem Betrieb einem Streik offen zustimmen, bevor er stattfinden kann. Und auch andere Reformen werden im Parlament auf den Weg gebracht: Enteignungen bei privaten Schuldnern zum Beispiel sollen online möglich sein - und damit erleichtert werden.

Tsipras' Stern ist verglüht

Ministerpräsident Alexis Tsipras erscheint vielen seiner Unterstützer in diesen Tagen einmal mehr nicht als der Heilsbringer, in den sie bei seiner Wahl noch große Hoffnung setzten. Er ist für nicht wenige Griechen "der Umsetzer" geworden. Der Mann, der ganz im Sinne der Geldgeber, immer neue Spargesetze erlässt.

Tsipras selbst appellierte an die Menschen in Griechenland, diese letzten Anstrengungen für einen erfolgreichen Abschluss des dritten Rettungspakets zu ertragen und für die noch ausstehenden letzten rund fünf Hilfsmilliarden zu kämpfen. "Wir haben realistisch gerechnet - die wirtschaftliche Erholung unseres Landes ist der Beweis." Das habe das Land nur durch die Sparmaßnahmen erreichen können. Er sei sich sicher, dass damit das Ende der Sparmaßnahmen gekommen sei.

Streiks in Griechenland
Michael Lehmann, ARD Athen
15.01.2018 13:23 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Januar 2018 um 17:00 Uhr.

Darstellung: