Flughafen Thessaloniki: Auch hier soll bald Fraport übernehmen. | Bildquelle: AFP

Flughafen-Privatisierung Verkauft Griechenland seinen Tourismus?

Stand: 10.09.2015 11:48 Uhr

Griechenland privatisiert seine Flughäfen, schon bald soll Fraport 14 Standorte übernehmen. Die Angestellten laufen Sturm, sie prophezeien schon den Tod des Tourismus. Doch egal wer die Wahl in zehn Tagen gewinnt: Der Deal ist so gut wie sicher.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

In Griechenland gibt es Widerstand gegen die bislang größte geplante Privatisierung des Landes. Der Flughafenbetreiber Fraport will 14 Flughäfen in Griechenland übernehmen - nicht den größten in Athen, aber die anderen wichtigen des Landes. Fraport wird dafür 1,2 Milliarden Euro und zusätzlich eine jährliche Pachtgebühr für die Laufzeit des Vertrages von 40 Jahren bezahlen. Unterm Strich wird der griechische Staat etwa zweieinhalb Milliarden Euro einnehmen.

Diese Privatisierung ist im dritten Hilfspaket ausdrücklich festgeschrieben. Mykonos, Santorini, Rhodos - auf diesen Ferieninseln will Fraport künftig die Flughäfen betreiben. Auch der "Makedonia Airport" in der nordgriechischen Metropole Thessaloniki wird verkauft. Fraport will die Flughäfen ausbauen und mit ihnen Geld verdienen.

"Diese Flughäfen sind unsere besten Flughäfen"

Manólis Kalimákis, Chef der Gewerkschaft der Flughafenangestellten Griechenlands, kann überhaupt nicht verstehen, dass die Regierung die Flughäfen an einen ausländischen Investor verkaufen will. "Das ist doch unser Tafelsilber", meint Kalimákis: "Diese Flughäfen sind unsere besten Flughäfen. Es sind die, die uns die meisten Einnahmen erbringen und diese Einnahmen helfen unserer Wirtschaft." Würden die Flughäfen nun aber privatisiert, verliere Griechenland das Geld. "Ich verstehe die Mentalität dahinter gar nicht: Um unsere Wirtschaft zu unterstützen, haben unsere europäischen Freunde entschieden, dass wir diese Einnahmen künftig nicht mehr haben sollen. Ich weiß nicht, wie uns das helfen soll."

Zitat

"In 40 Jahren können wir mit diesen Flughäfen 16 Milliarden Euro verdienen, aber wir verkaufen sie für zwei bis drei Milliarden"

Manólis Kalimákis, Chef der Gewerkschaft der Flughafenangestellten Griechenlands

Kalimákis rechnet vor: "In 40 Jahren können wir mit den Flughäfen 16 Milliarden Euro verdienen, aber wir verkaufen sie für zwei bis drei Milliarden. Wir hätten über die 40 Jahre also viel mehr Geld, um es in die nötigen Investitionen zu investieren. Darüber hinaus wäre noch Geld übrig für die Öffentlichkeit, und um Staatsschulden zurückzuzahlen."

Kalimákis sieht nur Nachteile in der Privatisierung: Nicht nur, dass Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden. "Auch die Preise werden steigen, weil der neue Betreiber Profit machen will. Wenn es aber für die Passagiere teurer wird, wird der Verkehr zurückgehen. Es werden weniger Touristen kommen."

Technisch auf dem Stand der 1980er-Jahre

Das Gegenteil ist richtig, meint hingegen der konservative Politiker Nikos Panagiotópoulos aus der nordgriechischen Stadt Kavála. Denn der Konzessionsvertrag sehe ja ausdrücklich vor, dass Fraport nicht nur Pachtgebühren bezahlt, sondern zusätzlich investiert: "Da wird viel Geld in die Flughäfen fließen, die jetzt noch große Nöte mit Erweiterungen und Modernisierungen haben, ob das nun Thessaloniki oder Santorini ist. Das wird dem gesamten Tourismus zugutekommen - vor allem dort, wo die Infrastruktur für die ankommenden Passagiere noch sehr schlecht ist. Wir haben die Chance, dass bald auch für den Flughafen in Kavála Geld fließt."

Kofferkulis am Flughafen Thessaloniki: Die gibt es nicht an allen griechischen Flughäfen. | Bildquelle: dpa
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Kofferkulis am Flughafen Thessaloniki: Die gibt es nicht an allen griechischen Flughäfen.

Bislang nämlich, so kritisieren Politiker der konservativen Nea Demokratia, würde der griechische Staat die Flughäfen viel zu zögerlich und schleppend ausbauen. An manchen gebe es bislang nicht einmal Kofferkulis für die Passagiere. Etliche Terminals sähen heruntergekommen aus, und technisch seien viele Flughäfen noch auf dem Stand der 1980er-Jahre. Da sei es höchste Zeit, dass private Investoren kommen und endlich den Ausbau beschleunigen, meinen konservative Politiker.

Egal, wer gewinnt: Der Deal ist sicher

Kalimákis von der Gewerkschaft aber gibt so schnell nicht auf: "Wir, die Arbeiter, werden alles versuchen, um den Verkauf zu stoppen. Wir werden rechtliche Schritte prüfen, mit denen aus unserer Sicht dieser Prozess gestoppt werden müsste." Die griechischen Politiker jedoch haben sich schon entschieden: Die konservative Nea Demokratía steht sowieso voll hinter der Privatisierung.

Die Linkspartei Syriza war zwar ursprünglich dagegen, hat aber bei den Verhandlungen um das dritte Hilfspaket eingewilligt, dass Fraport die Flughäfen übernehmen darf. Egal welche dieser beiden Parteien die Parlamentswahl am Sonntag kommender Woche gewinnt oder ob beide gar eine Große Koalition bilden - der Deal um die 14 Flughäfen ist so gut wie sicher. Bald wird Fraport im griechischen Flugbetrieb allgegenwärtig sein.

Streit um Privatisierung griechischer Flughäfen
T. Bormann, ARD Istanbul, zzt. Griechenland
10.09.2015 10:00 Uhr

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