Schild der Generali Versicherung | Bildquelle: REUTERS

Versicherer baut um Generali Leben wird abgewickelt

Stand: 28.09.2017 18:04 Uhr

Die Generali Lebensversicherung wird ab 2018 keine Neuverträge mehr in Deutschland anbieten. Zudem könnte die Unternehmenssparte verkauft werden. Abgeschlossene Policen sollen aber weiter Bestand haben, versprach der Konzern. Verbraucherschützer befürchten trotzdem Nachteile für Kunden.

Der italienische Versicherungskonzern Generali baut sein Deutschland-Geschäft um. Die bisherige Generali Lebensversicherung wird Anfang nächsten Jahres eingestellt. Das heißt: Ab 2018 werden keine Neuverträge mehr abgeschlossen. Das kündigte das italienische Unternehmen in Mailand an. Außerdem schließt Generali auch einen Verkauf der deutschen Sparte nicht aus. Die rund vier Millionen Lebensversicherungen, die hierzulande abgeschlossen wurden - überwiegend Policen mit teuren langfristigen Zinsgarantien - könnten danach auch an einen professionellen Abwickler von Lebensversicherungen verkauft werden. Die Maßnahme ist Teil eines einschneidenden Umbauplans für das Deutschland-Geschäft.

Niedrigzinsen als Problem

Das Unternehmen entlastet damit sein verfügbares Kapital massiv, das durch die Zinsgarantien gebunden wird. Die Solvenzquote werde sich um 26 Prozentpunkte verbessern, hieß es. Diese Quote bezeichnet das Verhältnis von verfügbaren Eigenmitteln zu den möglichen Verpflichtungen; laut einer EU-Richtlinie muss sie bei mindestens 100 Prozent liegen - die Allianz beziffert sie beispielsweise bei 379 Prozent. Damit soll sichergestellt werden, dass Versicherungsnehmer auch bei unvorhersehbaren Einbrüchen am Kapitalmarkt nicht leer ausgehen.

Ein weiterer Grund ist die Null-Zins-Politik der EZB. Wie andere Versicherer leidet die Generali unter der Maßnahme: Die alten Lebensversicherungsverträge sind mit hohen Garantiezinsen dotiert, die sich wegen der heutigen Niedrigzinsen am Kapitalmarkt nur noch mit großer Mühe oder gar nicht mehr erwirtschaften lassen. Erst am Mittwoch hatte der "Versicherungsmonitor" gemeldet, dass die Düsseldorfer-Ergo einen Verkauf von sechs Millionen alter Lebensversicherungsverträge prüft.

Verbraucherschützer befürchten Nachteile für Kunden

Angesichts des möglichen Verkaufs zahlreicher Lebensversicherungsverträge warnen Verbraucherschützer vor Gefahren für die Kunden. Bei den avisierten Verkäufen seien "etwa zehn Millionen Verträge ehemals renommierter Marken betroffen", erklärte der Bund der Versicherten (BdV). Wenn ein Investor diese Bestände kauft, dann tut er das mit dem Ziel, möglichst viel Rendite zu erwirtschaften", kritisierte BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Das gehe aber nur, "wenn er den Versicherten möglichst viele Überschüsse vorenthält und in die eigene Tasche steckt". Der Verband werde "ein sehr scharfes Auge auf diejenigen haben, die diese Verträge aufkaufen".

Zweitgrößtes Unternehmen

Dem italienischen Konzern gehören auch mehrere deutsche Versicherer. Insgesamt ist das Unternehmen nach eigenen Angaben mit insgesamt 13,5 Millionen Kunden in allen Versicherungbereichen Nummer zwei auf dem deutschen Versicherungsmarkt.

Die 2800 deutschen Generali-Vertreter sollen künftig für den größten deutschen Finanzvertrieb DVAG arbeiten, an dem Generali seit langem 40 Prozent hält. Die DVAG verkauft bisher exklusiv die Generali-Marke AachenMünchener und steht damit für rund die Hälfte der Beitragseinnahmen von Generali in Deutschland. Die Marke AachenMünchener wird ebenso aufgegeben wie die Krankenversicherungs-Marke Central Kranken.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. September 2017 um 11:36 Uhr.

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