Spaniens Kreditwürdigkeit nur noch AA+

Agentur Fitch stuft Rating herunter Spaniens Kreditwürdigkeit nur noch AA+

Stand: 29.05.2010 05:43 Uhr

Die Ratingagentur Fitch hat Spaniens Kreditwürdigkeit herabgestuft. Das Rating wurde vom Bestwert AAA um eine Stufe auf AA+ zurückgenommen. Zur Begründung erklärte das Unternehmen, die Sparanstrengungen der spanischen Regierung zur Senkung des Haushaltsdefizits würden das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten belasten.

Die Einstufung von Ratingagenturen entscheidet darüber, zu welchen Konditionen Konzerne, Banken und auch Länder auf den Kapitalmärkten Geld leihen können - je besser das Rating, desto niedriger die Zinsen. Eine Herabstufung, wie sie seit einiger Zeit bei Griechenland stattgefunden und jetzt bei Spanien für Aufsehen sorgt, bedeutet für den Kreditnehmer höhere Zinsen.

Sorgen vor Wachstumsproblemen

Spaniens Finanzministerin Elena Salgado
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Spaniens Finanzministerin Salgado kündigte harte Einschnitte an.

Das spanische Parlament hatte am Donnerstag mit nur einer Stimme Mehrheit den Sparplänen der Regierung zugestimmt. Für den Haushalt 2011 soll die Ausgabengrenze demnach im Vergleich zu diesem Jahr um 7,7 Prozent auf rund 122,3 Milliarden Euro gesenkt werden. Vor allem Gehälter im öffentlichen Dienst sollen gekürzt werden. Die EU und internationale Finanzinstitutionen haben das angekündigte Sparprogramm gelobt.

Die Herabstufung durch Finch spiegelt aber auf der anderen Seite die Besorgnis von Ökonomen wider, dass die Ausgabenkürzungen das Wachstum hemmen. Ein geringeres Wachstum wiederum führt zu niedrigeren Steuereinnahmen. Den wirtschaftlichen Ausblick Spaniens schätzt Fitch aber weiter stabil ein.

Der Euro fiel nach der Bekanntgabe der Herabstufung auf ein Tagestief von 1,2283 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,2384 Dollar festgesetzt.

Gesamtverschuldung weit unter EU-Durchschnitt

Das in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnte Spanien wurde von der Wirtschaftskrise besonders hart erwischt, weil ähnlich wie in den USA eine Immobilienblase platzte. 2009 stieg die Neuverschuldung auf 11,2 Prozent. Die Gesamtverschuldung lag mit 53,2 Prozent aber weit unter dem EU-Durchschnitt. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei rund 20 Prozent.

Fitch hatte im Frühjahr bereits die Ratings für Griechenland und Portugal gesenkt und damit die Sorgen vor einer Ausweitung der Schuldenkrise in Europa geschürt.

Ratingagenturen

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen, Brancheneinschätzungen und Beurteilungen des Managements. Die einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt beispielsweise bei Standard & Poor's und Fitch mit der Bestnote AAA. Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch "Ramsch" genannt wird. D bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist.

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Ratings Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Ratingagenturen kritisiert: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.

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