Eieranalyse in einem Veterinäruntersuchungsamt | Bildquelle: dpa

Agrarminister Schmidt zum Eierskandal "Das ist kriminell, ganz klar"

Stand: 08.08.2017 08:39 Uhr

Im Eierskandal haben die europäischen Warnsysteme versagt. Damit der Informationsaustausch besser funktioniert, schickt Agrarminister Schmidt Beamte in die Niederlande und nach Belgien. Den Fipronil-Skandal bezeichnete er als "kriminell".

Im Skandal um die mit dem Insektengift Fipronil belasteten Eier drängt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Ländern und im europäischen Rahmen.

Um mehr Transparenz zu gewährleisten, habe er mit seinen Amtskollegen aus den Niederlanden und Belgien einen Austausch von Beamten vereinbart, sagte Schmidt im ARD-Morgenmagazin. Deutsche Experten würden sich nun in den Nachbarländern ein Bild von der Lage verschaffen. Fachleute von dort seien eingeladen, selbiges hierzulande zu tun.

Christian Schmidt, CSU, will Austausch mit Nachbarländern zum Eierskandal
Morgenmagazin 07:00 Uhr, 08.08.2017

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Das Warnsystem funktioniert nicht

Der CSU-Politiker erneuerte seine Kritik an der späten Warnung aus Belgien vor belasteten Eiern. Das sei nicht im Sinne des Schnellwarnsystems und "inakzeptabel". Er forderte, das Thema bei der EU-Kommission und des EU-Ministerrates zum Thema zu machen.

In den Verkaufsregalen sollten sich nach Schmidts Worten inzwischen keine belasteten Eier mehr befinden. Auf die Frage, ob solche Eier immer noch verkauft würden, sagte er: "Mit allergrößter Wahrscheinlickeit kann man dieses ausschließen."

Jetzt gehe es darum, zu schauen, was mit den verarbeiteten belasteten Eiern geschehen sei. Auch das könne mit den entsprechenden Chargennummern zurückverfolgt werden.

Strukturen ausheben

Schmidt sagte, was beim Eierskandal geschehen sei, "das ist kriminell, ganz klar". Das müsse bestraft und die dahinterstehenden "Strukturen ausgehebelt" werden. Wo das Insektizid Fipronil letztlich beigemischt worden sei, werde derzeit ermittelt.

Die Verwendung des Insektizids Fipronil bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU verboten. Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel Fipronil beimengte und es an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte.

In Belgien war eine heftige Debatte über das Krisenmanagement ausgebrochen, nachdem die Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK am Wochenende mitgeteilt hatte, schon Anfang Juni über einen ersten Verdachtsfall in der Geflügelbranche informiert gewesen zu sein.

Nach Fipronil-Skandal werden weitere Lebensmittel untersucht
tagesschau 12:00 Uhr, 08.08.2017, Ulla Fiebig, ARD Berlin

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Ermittlungen gegen niedersächsische Landwirte

Der Eier-Skandal beschäftigt zudem nun auch die Justiz in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg leitete gegen niedersächsische Landwirte ein Ermittlungsverfahren ein. Es bestehe der Verdacht, gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verstoßen zu haben. Betroffen seien die Verantwortlichen niedersächsischer Eierbetriebe, in denen Eier positiv auf Fipronil getestet wurden.

Bislang gab es Ermittlungsverfahren in Belgien und den Niederlanden. Zudem wurde bekannt, dass auch im Saarland mit Fipronil belastete Eier in den Handel gelangt sind. Damit sind mittlerweile alle Bundesländer - mit Ausnahme Sachsens - betroffen.

Gedacht für den Kampf gegen Schädlinge

Fipronil soll Tiere vor Flöhen, Läusen und Zecken schützen. Die bisher bekannten mit Fipronil belasteten Chargen stammen aus den Niederlanden. Verbraucher sollten belastete Eier dem Handel zurückgeben oder im Restmüll entsorgen, empfiehlt das Ministerium.

Zwar sind die von Fipronil-Eiern und -Produkten ausgehenden Gefahren für Verbraucher aus Expertensicht bei den bisher gemessenen Konzentrationen überschaubar. In hohen Dosen kann Fipronil für Menschen aber gefährlich sein - in Experimenten mit Ratten schädigte die Substanz nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) das Nervensystem und die Leber.

Eier-Skandal: EU-Kommission sieht keine langfristige Gefahr durch Fipronil
Sebastian Schöbel, ARD Brüssel
08.08.2017 15:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. August 2017 um 09:00 Uhr.

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