Die Zentralen der Deutschen Bank (l) und der Commerzbank in Frankfurt am Main.
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Neue Übernahmegerüchte Was ist dran an den Banken-Spekulationen?

Stand: 16.01.2024 11:29 Uhr

Abermals wird an den Finanzmärkten über eine Mega-Übernahme im deutschen Bankensektor spekuliert. Wie realistisch ist es, dass sich Deutsche Bank und Commerzbank erneut annähern?

Eine Analyse von Detlev Landmesser, ARD-Finanzredaktion

Sie ist der Klassiker unter den Spekulationen im Finanzsektor: die Mutmaßung, dass es zu einer großen Bankenfusion auf deutschem Boden kommen könnte. Am stärksten steht dabei traditionell die Commerzbank im Fokus, die als ehemals kleinste der "großen Drei" immer wieder als naheliegendes Übernahmeziel gehandelt wurde. Schon vor Jahren witzelte ein Börsenhändler, die Commerzbank sei bereits mit allen denkbaren Partnern außer der "Sparkasse Peking" ins Bett gelegt worden.

Im Sommer 2001 kam es dann tatsächlich zu einer Milliardenübernahme - wenn auch nicht der Commerzbank. Nachdem die Dresdner Bank erfolglose Fusionsgespräche mit der Commerzbank und der Deutschen Bank geführt hatte, wurde sie vom Versicherungsriesen Allianz geschluckt, der das Geldhaus gemäß der damaligen Logik des "Allfinanzkonzepts" in seinen Konzern eingliederte.

Nur sieben Jahre später wurde die deutlich geschrumpfte Dresdner Bank dann an den neuen Branchenzweiten Commerzbank weitergereicht, wobei die tiefgreifende Finanzkrise der Jahre 2007/2008 eine große Rolle spielte.

Spekulationen bewegen die Bank-Aktien

Jetzt gibt es also neue Spekulationen am Markt, die zuletzt die Aktien der Deutschen Bank, Commerzbank und der niederländischen ABN Amro bewegten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete am Freitag nach Börsenschluss unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass die Deutsche Bank jüngst verstärkt mögliche Übernahmen diskutiert habe. Darunter seien auch die Namen europäischer Banken wie Commerzbank und ABN Amro gewesen.

Für Dieter Hein, Bankenexperte bei fairesearch, kämen solche neuerlichen Gedankenspiele nicht überraschend: "Auch mit Blick auf die Gefahr, eventuell selber zum Übernahmekandidaten zu werden, liegt es nicht so fern, dass man solche Optionen durchspielt. Das gehört zum eigentlichen Job eines jeden Vorstands."

"Commerzbank hat nichts, was Deutsche Bank braucht"

Einen Zusammenschluss der Deutschen Bank mit der Commerzbank hält der Branchenexperte aber für wenig wahrscheinlich. Die Commerzbank habe nichts, was die Deutsche Bank wirklich brauche. Selbst im Filialgeschäft sei das Synergiepotenzial angesichts der jüngsten Schließungswelle noch geringer als vor gut vier Jahren.

Damals hatten die beiden Frankfurter Geldhäuser direkt über einen Zusammenschluss gesprochen, die Gespräche dann aber im April 2019 beendet. Treibende Kraft dahinter war die damalige Bundesregierung. Der damalige Finanzminister Olaf Scholz hatte beklagt, hiesige Banken hätten nicht mehr die "Größenordnung und die Globalität", die notwendig sei, um Unternehmen bei ihren Geschäften weltweit zu begleiten - eine Einschätzung, die heute nur noch von wenigen Experten geteilt wird.

Der Bund hatte jedenfalls ein gesundes Eigeninteresse an einer wertsteigernden Lösung für sein 15,75-prozentiges Aktienpaket an der Commerzbank, die ihm als Erbe der Finanzkrise geblieben sind. 2009 war der deutsche Staat erstmals bei einer großen Privatbank als Miteigentümer eingestiegen - mit einer Commerzbank-Beteiligung von zunächst 25 Prozent.

Bund dürfte Risiken scheuen

Dass die Politik noch immer an einer Fusion der beiden Institute interessiert ist, bezweifelt Branchenexperte Hein. Abgesehen von möglichen kartellrechtlichen Problemen dürfte der Bund vor einer weiteren Risikokonzentration im Bankensektor zurückschrecken.

Erst jüngst habe der Fall der Credit Suisse gezeigt, wie schnell eine Großbank ins Taumeln geraten kann - in diesem Fall hatte mit der UBS noch ein weiteres Institut bereitgestanden, um den Konkurrenten aufzufangen. Ein einzelner "nationaler Champion", der "too big to fail" ist, würde die Politik im Fall der Fälle vor erhebliche Probleme stellen.

Fusionen bringen zahlreiche Probleme

Zudem warten Branchenbeobachter noch immer darauf, dass eine Bankenfusion die versprochenen Synergien tatsächlich in Profite umsetzen kann. Gerade die massiven Probleme bei der Integration der unterschiedlichen IT-Systeme scheinen branchentypisch. Diese waren schon bei der Integration der Dresdner Bank in die Commerzbank zu beobachten.

Noch größere Probleme hat die Deutsche Bank mit der Integration der Postbank und ihrer technischen Systeme. Mit der Rüge der Finanzaufsicht BaFin wuchsen diese zu einem echten PR-Desaster aus, das der Branchenprimus noch nicht ausgestanden hat.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. März 2019 um 17:23 Uhr.