Fiat-Logo | Bildquelle: picture alliance / dpa

Abgasskandal Fiats "besonders dreiste Methode"

Stand: 18.05.2017 12:37 Uhr

Fiat hält die Vorwürfe für unbegründet - doch eine neue Studie erhärtet den Verdacht, der Autobauer habe mit einer Software die Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung manipuliert. Experten sprechen von einer "besonders dreisten Methode".

Von Peter Hornung, NDR

Es ist ein simples Prinzip, das beim Fiat 500X die Schadstoffe nach oben treibt. Thorsten Holz, Professor an der Ruhr-Uni in Bochum, hat sich die Software des beliebten SUV näher angeschaut: "Was Fiat macht, ist eine einfache Stoppuhr, die einfach nur testet. Der Prüfzyklus dauert so etwa 20 Minuten. Was die dann machen: Nach etwa 22 Minuten schalten sie nach und nach ihre Filtersysteme ab."

Holz und seine Mitarbeiter haben zusammen mit dem Lübecker IT-Spezialisten Felix Domke und Kollegen der Universität des kalifornischen San Diego etwas getan, was vor ihnen noch niemand außerhalb der Autoindustrie getan hat. Sie untersuchten die Programme, die in der Motorsteuerung von Dieselautos laufen. Eigentlich eine Blackbox, man wusste nicht, was darin passiert.

EU leitet Verfahren gegen Italien ein
tagesschau 12:00 Uhr, 18.05.2017, Svea Eckert, NDR

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Nach 22 Minuten "Rekordemissionen"

Im Fall von Fiat konnten sie nun in der Software nachweisen, was Kraftfahrtbundesamt und Deutsche Umwelthilfe (DUH) vergangenes Jahr schon bei Tests in der Prüfhalle festgestellt hatten. "Das ist eine besonders dreiste Methode. Man sagt sich einfach, ein Prüfzyklus dauert etwas über 20 Minuten. Danach können wir die Abgasreinigung abschalten. Und die Fahrzeuge haben Rekordemissionen", sagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt war gegen Fiat vorgegangen - erfolglos. Die für Fiat zuständige Zulassungsbehörde in Italien hatte die Software nicht beanstandet. Die EU-Kommission leitete am Mittwoch ein Verfahren gegen die italienische Regierung ein. Nun erwägt laut Medienberichten das US-Justizministerium eine Klage gegen den Autobauer wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Abgasgesetze.

Die Fiat-Konzernmutter FCA betonte erneut, in ihren Fahrzeugen befänden sich keine illegalen Abschalteinrichtungen. Auch VW-Software untersuchten die Wissenschaftler laut einem bislang unveröffentlichten Papier, das dem NDR vorliegt. Und sie konnten so bestätigen, wie die Manipulationen über die Jahre weiterentwickelt wurden.

"Man konnte also sehen, dass um 2007 die erste Version der Software eine entsprechende Erkennung eingebaut hatte. Die wurde über die Zeit dann immer verfeinert. Es wurde immer erweitert. Die Software war immer komplexer, die diese Erkennung macht", sagt Holz.

Grundstein für neue Software, um Betrug aufzudecken

Die Wissenschaftler legten nun nach eigenen Angaben den Grundstein, die Software aller Hersteller auf Betrugsfunktionen zu untersuchen: "Unsere Vision ist, dass man das Ganze so weiterentwickelt, dass man irgendwann an einem Punkt ist, wo die Autohersteller im Idealfall einen Zugriff auf die Motorsteuerung erlauben. Die Prüfstellen bekommen also Zugriff, können genau nachvollziehen, wie der Motor reagiert, und dass so das Betrugspotenzial deutlich verkleinert wird, weil wir einfach eine viel bessere Verifizierung haben. Dass nur erlaubter Code wirklich im Motor drin läuft."

Eine solche Software wäre eine "Zeitenwende" für die europäische Autoindustrie, so DUH-Geschäftsführer Resch: "Es wäre relativ einfach, die Automobilindustrie nochmals aufzufordern, für sämtliche, in den letzten zehn Jahren verkauften Fahrzeuge die Abschalteinrichtungen offenzulegen. Und diese dann auch entsprechend prüfen zu lassen." VW habe gegen eine solche Software keine Vorbehalte, so ein Sprecher. Und Fiat erklärte, man unterstütze solche Prüfmethoden. Für Fiat-Fahrzeuge aber seien sie nicht notwendig.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Mai 2017 um 12:00 Uhr.

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