Automobilsalon Genf: Ferrari 488 GTB | Bildquelle: AP

Ferrari geht an die Börse Ein Mythos wird versilbert

Stand: 20.10.2015 10:43 Uhr

Schnell, stark, teuer - Ferrari gehört zu den großen Namen in der Automobilwelt. Von heute an starten die schnellen Flitzer auch auf dem New Yorker Börsenparkett. Zu welchem Kurs die Ferrari-Aktien an der Wall Street Fahrt aufnehmen, ist noch offen.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom.

Als Luca Cordero di Montezemolo im vergangen Jahr, nach 23 Jahren an der Spitze von Ferrari, seinen Hut nehmen musste, kämpfte er mit den Tränen, als er noch einmal an die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre erinnerte: "Mir hat es gefallen, diese Fabrik wachsen zu sehen, die Qualität wachsen zu sehen, und die Zahl der Menschen, und vor allem die Arbeitsplätze zu erhalten. Erinnert Euch, dass Ferrari das beste Unternehmen der Welt ist."

Die Scuderia schreibt Formel-1-Geschichte

Ferrari -  das sind schnelle Autos, die seit Beginn der Formel-1 1950 im Rennen sind. Immer noch ist die Scuderia das erfolgreichste Team der Formel-1-Geschichte. Trotz so mancher Krise: es gibt inzwischen genügend Menschen, die viel Geld für einen Ferrari-Straßenwagen ausgeben würden. Ferrari ist zur Zeit erfolgreich mit einer Politik der Verknappung.

Ferrari-Logo | Bildquelle: AFP
galerie

Ferrari-Logo

7255 Fahrzeuge hat das Unternehmen aus Maranello im letzten Jahr ausgeliefert. Unternehmens-Chef Sergio Marchionne will, dass das so bleibt – auch wenn er sich vorstellen kann, bis zu 10.000 Luxus-Autos pro Jahr zu bauen: "Er gibt keine Veränderungen, was die Exklusivität der Marke angeht, nach allem, was wir in den vergangenen zehn Jahren gemacht haben. Wir müssen aber sicher die Performance des Unternehmens verbessern, was die Rennen angeht, die sportliche Leitung. Sechs Jahre lang haben wir es nicht geschafft, eine überzeugende Strategie zu finden…"

RACE, der Börsenkurs gegen Finanzsorgen

Rennerfolge hin oder her: Ferrari soll dem verschuldeten Mutterkonzern FIAT Chrysler Automobiles, kurz FCA, nun Cash liefern. Nur zehn Prozent der Aktien werden an die New Yorker Wall Street gebracht – erwartet werden Einnahmen von deutlich über 800 Millionen Euro. Dazu wird dem Mutterkonzern eine milliardenschwere Sonderdividende überwiesen. Und einen Teil der Konzernschulden bekommt Ferrari außerdem aufgebrummt. Eine clevere Aktion, um FCA wieder profitabel zu machen – vor allem, wenn dann Ferrari Anfang nächsten Jahres von der Konzernmutter abgespalten wird.

Das Kürzel, unter dem das Papier gehandelt wird, ist programmatisch: RACE. Das soll auch an alte Traditionen erinnern, an die großen Zeiten von Enzo Ferrari, der das Unternehmen 1947 gründete – er hatte vor 31 Jahren erklärt, was ein gutes, schnelles Auto ausmacht:  "Man muss es zuerst träumen. Und dann die Mitarbeiter fragen, ob sie sich in der Lage sehen, das zu realisieren, ob sie den Traum dessen mitträumen, der Erfolg haben will."

Hoffnungen für die Zukunft

Dafür, dass der Mythos lebt, sorgt zurzeit nicht zuletzt auch ein Deutscher. Zum WM-Sieg reicht es in dieser Saison nicht – aber immerhin fährt Ferrari mit Sebastian Vettel wieder mit um einen der Plätze auf dem Podium in der Formel-1.

Der Börsengang ist dagegen eine weitaus weniger emotionale Angelegenheit. Da wird ein Mythos versilbert. Und Konzernchef Marchionne hat neulich sogar mal gesagt: die Autos seien paradoxerweise eine Nebensache für Ferrari, das sei vor allem eine Luxusmarke.

Und die soll nun kräftigen Gewinn bringen.

Ferrari - ein Mythos geht an die Börse
J.-C. Kitzler, ARD Rom
20.10.2015 07:55 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Oktober 2015 um 14:30 Uhr.

Darstellung: