Der Sitz der US-Notenbank in Washington

US-Notenbank Fed erhöht erneut Leitzinsen

Stand: 15.06.2017 07:40 Uhr

Anders als im Euro-Raum ist die Zeit der Rekordniedrig-Zinsen in den USA vorbei. Die US-Notenbank verkündete eine erneute Anhebung der Leitzinsen, die Wirtschaft sei stark und die Arbeitslosigkeit niedrig, hieß es.

Es ist bereits die vierte Erhöhung der Leitzinsen seit der Zinswende in den USA vor eineinhalb Jahren. Wie zuletzt Mitte März entschieden sich die Notenbanker für einen Viertel Prozentpunkt, so dass die neue Spanne nun zwischen 1,0 und 1,25 Prozent liegt.

Notenbank-Chefin Janet Yellen geht davon aus, dass eine weitere Zinserhöhung bis Ende des Jahres möglich ist. Zur Begründung verwies Yellen auf die guten Aussichten für die US-Wirtschaft.

Trotz eines zuletzt eher moderaten Wachstums erhöhte die Notenbank ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr leicht auf 2,2 Prozent: "Der Wirtschaft geht es gut und sie wächst stabil. Wir haben einen sehr starken Arbeitsmarkt und eine Arbeitslosenrate, die so niedrig ist wie zuletzt 2001."

Praktisch Vollbeschäftigung

Die US-Arbeitslosenquote fiel innerhalb des vergangenen Jahres auf 4,3 Prozent. Dies sei "historisch niedrig", lobte Yellen. Damit herrsche in den USA praktisch Vollbeschäftigung. Dies wirke sich jetzt bereits positiv auf die Löhne und Gehälter aus.

Angespanntes Verhältnis zu Trump

Die Notenbank-Chefin kündigte außerdem an, dass die Federal Reserve in diesem Jahr damit beginnt, ihre aufgeblähte Bilanz allmählich abzubauen.

Nach der Finanzkrise hatte die Federal Reserve nicht nur die Leitzinsen praktisch auf null herabgesetzt, sondern jahrelang Monat für Monat Anleihen in Billionen-Höhe aufgekauft. Auch damit wollte die Fed sicherstellen, dass die Märkte mit billigem Geld versorgt werden und die Konjunktur wieder anspringt.

Donald Trump hatte im Wahlkampf vor allem Yellens Niedrigzinspolitik heftig kritisiert. Er warf ihr vor, damit die Wirtschaftsbilanz Obamas aufzumöbeln, um Hillary Clinton ins Weiße Haus zu helfen.

Nach seinem Amtsantritt vollzog Trump jedoch auch hier einen Kurswechsel und warnte Yellen davor, durch zu schnelle Zinserhöhungen die Konjunktur abzuwürgen.

Das Verhältnis zwischen Trump und Yellen gilt als angespannt. Im Laufe des Jahres muss der Präsident entscheiden, ob er Yellens Amtszeit verlängern will: "Ich beabsichtige auf jeden Fall, meine Amtszeit, die bis Anfang Februar läuft, zu erfüllen. Über zukünftige Pläne hatte ich noch kein Gespräch mit dem Präsidenten."

Yellen verteidigt strenge Regeln für Banken

In einem wichtigen Punkt widersprach Yellen jedoch Trump und den Republikanern im Kongress. Die nach der Finanzkrise beschlossenen strengeren Auflagen für Banken und die mit dem sogenannten "Dodd-Frank-Gesetz" einhergehende Regulierung verteidigte Yellen gegen deren Kritik.

"Ich glaube nicht, dass diese Regulierung das Kreditvolumen oder das Wirtschaftswachstum behindert hat. Wenn Banken stark sind, sind sie in einer viel besseren Lage, Kredite zu vergeben."

Die meisten Experten reagierten positiv auf die Leitzinserhöhung in den USA. Manche empfahlen der Europäischen Zentralbank, sich am Kurs der US-Notenbank zu orientieren. Doch anders als in den USA will die EZB zumindest bis Dezember die Rekordniedrig-Zinsen beibehalten und weiterhin billiges Geld in die Märkte pumpen.

US-Notenbank erhöht erneut Leitzinsen
M. Ganslmeier, ARD Washington
15.06.2017 07:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 14. Juni 2017 die tagesschau um 20:00 Uhr und Deutschlandfunk um 23:35 Uhr.

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