Mark Zuckerberg | Bildquelle: REUTERS

Kampf gegen Fake News Facebook bittet User um Mithilfe

Stand: 20.01.2018 02:26 Uhr

Welche Medien sind glaubwürdig, welche nicht? Im Kampf gegen Fake News will sich Facebook diese Frage von seinen Nutzern beantworten lassen - und nimmt sich so aus der Schusslinie.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Das soziale Netzwerk bittet seine Nutzer, zu entscheiden, welcher Nachrichtenquelle sie vertrauen und welcher nicht. Das kalifornische Unternehmen will dadurch besser gefälschte oder aufgebauschte Nachrichten bekämpfen. Zugleich versucht es, sich damit selbst aus der Kritik zu nehmen - denn mit dieser Maßnahme muss es nicht Schiedsrichter sein.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte: "Die Idee dahinter ist, dass manchen Medien nur ihre Leser und Zuschauer vertrauen und anderen quer durch die Gesellschaft vertraut wird, selbst bei denen, die ihnen nicht direkt folgen." Bereits in der nächsten Woche sollen erste Tests starten. Nachrichtenmeldungen, die von Nutzern als vertrauenswürdig eingestuft werden, sollen im sogenannten Newsfeed, der Hauptansicht von Einträgen bei Facebook, künftig eine höhere Priorität erhalten. Weniger gut bewertete Nachrichtenquellen sollen dagegen seltener auftauchen.

Zurück zu den Anfängen

Die neue Funktion soll zuerst in den USA eingeführt werden, später soll es sie weltweit geben. Wann genau sie in Deutschland eingeführt wird, ist nicht bekannt. Ein wenig kehrt das 2004 gegründete Netzwerk damit zu seinen Anfängen zurück: Einträge von Freunden und Verwandten werden im eigenen Newsfeed wieder häufiger auftauchen.

Das Erscheinen der Texte, Videos und Bilder ist damit weniger stark an einen Algorithmus gekoppelt, der Einträge aufgrund des Nutzerprofils angezeigt hat. Bereits in der vergangenen Woche hatte Facebook-Chef Zuckerberg einen Umbau des so wichtigen Newsfeeds angekündigt.

Stärkere Kontrolle durch die Politik befürchtet

Das Unternehmen steht seit den Präsidentschaftswahlen 2016 unter Druck. Es muss befürchten, dass die Politik in Washington die Tech-Konzerne des Silicon Valley stärker kontrolliert und ihnen womöglich Auflagen macht. Vor allem Facebook trifft die Kritik: 45 Prozent der erwachsenen Amerikaner beziehen ihre Nachrichten-Informationen laut einer Pew Studie via Facebook.

Leidtragende dieser Änderungen dürften alle jene Verlage und Medienhäuser sein, die in den vergangenen Jahren massiv Inhalte wie zum Beispiel Videos speziell für Facebook produziert haben. Sie müssen in den nächsten Wochen mit einem massiven, weiteren Rückgang ihrer Zugriffe rechnen.

Neben Google größter Anbieter von Online-Werbung

Nach einer Erhebung der Analysefirma Parse.ly erhielten US-Medienhäuser im vergangenen Monat im Schnitt gut 24 Prozent ihres Traffics über das soziale Netzwerk. Ende 2016 soll dieser Wert noch bei rund 40 Prozent gelegen haben. Seitens der Zeitungsverlage dürfte auf Facebook schon deshalb Kritik zukommen, weil das Unternehmen neben Google der größte Anbieter von Online-Werbung weltweit ist.

Zuckerberg scheint sich mit der jüngsten Entscheidung einmal mehr aus der Affäre stehlen zu wollen, weil er die Nutzer entscheiden lässt, welche Quelle sie als vertrauenswürdig erachten. Damit schiebt er die Verantwortung ab. Ob das Nutzer-Votum nicht auch manipulierbar ist, muss sich erst noch zeigen.

Kampf gegen Fake News: Facebook bittet User um Mithilfe
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
20.01.2018 07:06 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Januar 2018 um 04:00 Uhr.

Darstellung: