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Kampf gegen drohende Deflation EZB will Giftpapiere wiederbeleben

Stand: 30.05.2014 12:25 Uhr

Die Europäische Zentralbank will den Markt für Kreditverbriefungen wiederbeleben. Dabei handelt es sich um Kredite, die von Banken gebündelt und an Investoren weiterverkauft werden. Das komplexe Kalkül der Notenbank: Die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen steigt - wodurch letztlich die Konjunktur im Euroraum wieder anzieht und die Gefahr fallender Preise (Deflation) gebannt wird.

Die Idee ist umstritten - denn es waren Kreditverbriefungen, die 2007 die Finanzkrise auslösten. Damals hatten US-Banken in gigantischem Ausmaß Immobilienkredite verpackt und an Investoren in der ganzen Welt weitergereicht. Zunächst hieß es, dadurch würden die Risiken auf mehr Schultern verteilt und mithin minimiert. In Wirklichkeit aber stieg die Ansteckungsgefahr: Als der US-Häusermarkt zusammenbrach, erlitten Investoren fast überall auf der Welt erhebliche Verluste.

"Robust" statt "toxisch" - das ist die Aufgabe

Die Papiere, deren Emission die EZB nun forcieren will, basieren zwar nicht auf Immobilien, sondern auch Firmenkrediten - funktionieren aber nach dem gleichen Prinzip. Um die Fehler von 2007 zu vermeiden, sucht die Notenbank nun nach wegen, die Verbriefungen "einfacher, von ihrer Struktur her robuster und auch transparenter" zu machen, wie es in einem Dokument heißt, das die EZB heute gemeinsam mit der Bank of England veröffentlicht hat.

Dass die EZB ihr Heil ausgerechnet in den einst als "toxisch" bezeichneten Papieren sucht, zeugt von einer gewissen Verzweiflung. Denn seit Jahren versorgt die Notenbank die Geschäftsbanken mit billigem Geld in der Hoffnung, dass die Banken das Geld an kleine und mittlere Unternehmen weiterleiten. Die Medizin wirkt aber nur bedingt: Das Kreditvolumen speziell in Südeuropa verharrt auf niedrigem Niveau. Inzwischen fürchtet die EZB darum sogar, dass Länder wie Spanien oder Portugal wegen der geringen wirtschaftlichen Dynamik in eine gefährliche Phase sinkender Preise abdriften könnten.

Die Idee der EZB hat Charme - in der Theorie

Der besondere Charme der im Fachjargon ABS genannten Verbriefungen besteht darin, dass die EZB solche Papiere theoretisch auch selber kaufen kann ("Quantitative Easing"). Dadurch würde die Notenbank sicherstellen, dass ihr Geld dahin fließt, wo sie es haben will - nämlich in die reale Wirtschaft. Experten warnen allerdings vor den technischen Schwierigkeiten einer solchen Operation.

Die EZB und die Bank von England hatten bereits beim Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) gemeinsam für eine neue Sicht auf ABS-Papiere und andere Verbriefungen geworben. EZB-Direktor Yves Mersch plädierte jüngst erst wieder dafür, ABS aus der Schmuddelecke zu holen. Auch wenn es Probleme mit schlechten Verbriefungen in den USA gegeben habe, dürften derartige Finanzprodukte in Europa nicht verteufelt werden.

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