Leerverkäufe

Vier Länder reagieren auf Finanzmarkt-Turbulenzen Leerverkäufe von Aktien eingeschränkt

Stand: 12.08.2011 16:40 Uhr

Die Börsenaufsicht in mehreren europäischen Ländern reagiert auf die heftigen Börsenturbulenzen der vergangenen Tage und geht gegen sogenannte Leerverkäufe von Aktien vor. Das teilte die Europäische Börsenaufsichtsbehörde ESMA in Paris mit. Laut Mitteilung beschlossen "einige Behörden, Verbote von Leerverkäufen einzuführen oder auszudehnen". Damit solle die Möglichkeit eingeschränkt werden, aus der Verbreitung falscher Gerüchte Profit zu schlagen. Von dem Verbot betroffen sind Finanztitel. Neben Frankreich handelt es sich um Italien, Spanien und Belgien. Griechenland hatte Leerverkäufe bereits am Montag verboten.

Der Präsident der französischen Börsenaufsicht AMF, Jean-Pierre Jouyet, erklärte der Nachrichtenagentur AFP: "Wir haben uns entschlossen, die Leerverkäufe für elf am französischen Markt notierte Banken und Versicherungen zu verbieten, und zwar für eine Dauer von 15 Tagen." Bei den Unternehmen handelt es sich um Axa, April Group, BNP Paribas, CIC, CNP Assurances, Crédit Agricole, Euler Hermès, Natixis, Paris Ré, Scor und Société Générale. In Italien sind 29 Finanztitel von den Verboten betroffen, in Spanien 16 und in Belgien vier.

Forderungen nach europaweiter Regelung

Die Maßnahme richtet sich gegen Gerüchte, die an der Börse Paris zum radikalen Kursrutsch französischer Großbanken geführt hatten. Experten bezweifeln aber, ob die Maßnahmen auf Dauer Wirkung zeigen. Spekulanten wichen einfach auf andere Börsenplätze aus, etwa nach London. Die Bundesregierung forderte deshalb ein europaweites Verbot von ungedeckten Leerverkäufen. "Nur so kann einer destruktiven Spekulation überzeugend begegnet werden", sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe von Aktien und von Staatsanleihen von Euro-Ländern bereits seit vergangenem Sommer per Gesetz ganz verboten. Ein EU-weites Verbot gilt dagegen als unwahrscheinlich. So erklärte die niederländische Finanzaufsicht, dass Leerverkäufe "unter normalen Umständen" eine wichtige Rolle für die Preisfindung spielten. Auch aus Großbritannien kommt Widerstand.

Die EU-Kommission sprach sich für einen "europäischen Rahmen" aus. Die neue EU-Finanzmarktaufsicht ESMA erklärte, Leerverkäufe seien an sich zwar zulässig, stellten aber in Verbindung mit der Verbreitung von Gerüchten einen eindeutigen Marktmissbrauch dar. ESMA-Chef Steven Maijoor sagte Reuters TV, es gebe keine Pläne für eine Ausweitung des Verbots auf andere Länder. Er wollte dies allerdings auch nicht ausschließen und forderte, europaweite Regeln müssten "so schnell wie möglich" eingeführt werden".

Vier europäische Staaten untersagen Leerverkäufe
nachtmagazin, 01:00 Uhr, 13.08.2011, Gerrit Rudolph, HR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Bankenverband kritisiert "Flickenteppich"

Der deutsche Bankenverband kritisierte die Maßnahmen einzelner Länder: Diese führten zu einem "Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen". Wichtig seien europaweit einheitliche Vorschriften, die Leerverkäufe nicht pauschal untersagten, erklärte der Verband privater Banken.

SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte den Schritt als verspätet. Es sei unverständlich, wie beispielsweise in Italien und Spanien nach der Finanzkrise 2008 und 2009 Leerverkäufe überhaupt wieder erlaubt werden konnten, sagte Gabriel im Deutschlandradio Kultur. Das Wetten auf finanzielle Krisen gehöre international verboten. Von der Bundesregierung forderte er mehr Einsatz für einheitliche Regelungen.

Aktienmarkt

Bei Leerverkäufen oder "short sellings" verkaufen Händler Aktien, die sie nur ausgeliehen haben. Wenn der Kurs des Papiers unter den eigenen Verkaufspreis gefallen ist, kaufen sie die Aktien zurück und verdienen an der Differenz abzüglich einer Leihgebühr.

Ungedeckte Leerverkäufe sind eine verschärfte Form der "short sellings". Anders als bei einem normalen Leerverkauf sind bei dieser englisch "naked short selling" genannten Spekulationsform die verkauften Wertpapiere noch nicht einmal geliehen. Damit kann theoretisch ein Vielfaches der aktuell verfügbaren Papiere verkauft werden, was starke Kursverwerfungen nach sich ziehen kann. Der Short Seller hat bei dieser Form dann in der Regel mehrere Tage Zeit, sich die Papiere, die er bereits verkauft hat, nachträglich zu beschaffen.

Merkel und Sarkozy beraten über Euro-Krise

Am kommenden Dienstag will Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Paris reisen, um mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy über die Lage in der Euro-Zone zu beraten.

Euro-Krise | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Treffen das nächste Mal am Dienstag aufeinander: Sarkozy und Merkel

Bei dem Gespräch gehe es um die Ausarbeitung gemeinsamer Vorschläge zur Stärkung der wirtschaftspolitischen Steuerung der Eurozone. Dies hatten Merkel und Sarkozy auf dem Euro-Gipfel am 21. Juli angekündigt. Die Vorschläge sollen in die Überlegungen einer Arbeitsgruppe des EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy einfließen, die für ein verbessertes Krisenmanagement in der Eurozone sorgen soll. Außerdem würden Merkel und Sarkozy über die Lage im Nahen Osten und andere internationale Fragen beraten.

Darstellung: