Sparbuch mit Geldscheinen | Bildquelle: picture-alliance / Sven Simon

NRW-Initiative zu "herrenlosen Konten" Ran ans Erbe

Stand: 30.08.2016 12:14 Uhr

Jedes Jahr werden Milliarden Euro vererbt. Doch was passiert mit dem Geld von Verstorbenen, von dem kein Verwandter weiß? Bisher bleibt es erstmal bei den Banken liegen. NRW-Finanzminister Walter-Borjans bläst nun zur Jagd aufs Erbe. Aus Eigennutz?

Jedes Jahr werden in Deutschland Milliarden vererbt. Konservativen Schätzungen zufolge sind es etwa 250 Milliarden Euro. Weil manche Menschen aber versterben, ohne ihre Vermögensverhältnisse geklärt zu haben, verbleiben nach ihrem Ableben oftmals große Summen auf Konten, von denen keiner weiß.

"Banken bunkern Geld, das ihnen nicht zusteht"

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans will, dass sich daran etwas ändert. Er schätzt, dass bundesweit etwa zwei Milliarden Euro unentdeckt auf "herrenlosen" Konten schlummern - Tendenz steigend. Mit dem Geld können die Banken weiter wirtschaften. Für Walter-Borjans ist das ein Missstand. "Es kann nicht sein, dass Banken Geld bunkern, das ihnen nicht zusteht." Wenn die Banken keinen Erben "finden oder finden wollen", bleibe das Vermögen dort. "Das Geld gehört aber jemandem. Und der soll es auch kriegen", forderte der SPD-Politiker.

Norbert Walter-Borjans | Bildquelle: dpa
galerie

Norbert Walter-Borjans: "Es kann nicht sein, dass Banken Geld bunkern, das ihnen nicht zusteht."

Laut Walter-Borjans gebe es sogar Konten, bei denen der Eigentümer theoretisch 120 Jahre alt sein müsste. Er will Banken mit einer zentralen Datenbank verpflichten, "alle Mühe drauf zu verwenden, den Anspruchsberechtigten zu ihrem Geld zu verhelfen".

Laut dem Banken- und Sparkassenverband besteht jedoch kein Nachbesserungsbedarf. Gehe der Kontakt zum Kunden verloren, werde etwa Post als unzustellbar zurückgesandt, stelle jedes Kreditinstitut Nachforschungen an, schildert der Bundesverband deutscher Banken. Deshalb sehe die deutsche Kreditwirtschaft "keinen Anlass, an der bestehenden und bewährten Praxis hinsichtlich nachrichtenloser Konten etwas zu ändern", betont der Verband und weist darauf hin, dass Banken nicht Eigentümer eines Kontos seien.

Erbenermittler wollen Register

Der Verband Deutscher Erbenermittler hält Verbesserungen dagegen für nötig. Die meisten europäischen Länder hätten längst ein Meldesystem für nachrichtenlose Konten aufgebaut, sagt VDEE-Sprecher Albrecht Basse. Mit einem öffentlich zugänglichen Register könnten potenzielle Erben auch selbst nachforschen.

Derzeit sei es Erbenermittlern oder Nachlasspflegern nicht möglich, gesicherte Informationen über den vollen Umfang von Vermögenswerten bei Banken zu erhalten. Und das Problem werde noch wachsen, glaubt Basse. "Früher ist man beim Hausausräumen der verstorbenen Großeltern noch auf das alte Sparbuch gestoßen. Aber in Zeiten der zunehmenden Online-Konten fällt Kindern und Enkeln bald nicht mehr viel in die Hände."

Bund könnte vom Erbe profitieren

Sollte das auf den Konten schlummernde Vermögen entdeckt und weitergeleitet werden, könnte der Staat davon profitieren - durch Einnahmen aus der Erbschaftssteuer. Wird kein Erbe aufgespürt, geht das Vermögen als "Fiskalerbe" in den Besitz des Staates über. Das Motiv für den NRW-Vorstoß? Nein, sagt Walter-Borjans. Das Plus für die Staatskasse stehe nicht im Zentrum.

Um seinen Plan jedoch umzusetzen, ist er auf den Bund angewiesen. Aber: "Das Bundesfinanzministerium hat entgegen seiner Zusage offenbar bis heute nichts unternommen (...). Das ist banken-, aber nicht bürgerfreundlich", sagte Walter-Borjans.  

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. August 2016 um 07:38 Uhr

Darstellung: