Mitglieder des Landessportfischerverbandes, aufgenommen beim Elektrofischen  | Bildquelle: picture alliance / dpa

Umstrittene Fangtechnik Fischen unter Strom - künftig erlaubt

Stand: 11.05.2017 21:38 Uhr

Künftig sollen Fischer in Europa ihre Fangnetze mit Elektroden ausstatten dürfen. Die EU-Fischereiminister wollen die Elektrofischerei erlauben. Umweltschützer schlagen Alarm, Befürworter sehen hingegen Vorteile für die Meere.

Die EU-Staaten wollen auf dem Meer die sogenannte Elektrofischerei unter Auflagen erlauben. Bei dieser Fangtechnik werden Tiere mit Strom vom Grund aufgeschreckt. Derzeit ist die umstrittene Methode in Europa nur in Pilotprojekten erlaubt.

Die EU-Fischereiminister verständigten sich in Brüssel darauf, die Elektrofischerei genehmigen zu wollen, wenn wissenschaftliche Gutachten zu ihren Auswirkungen vorliegen. Nun müssen die Staaten sich noch mit dem EU-Parlament einigen. Nach Angaben der EU-Kommission vom August nutzten zuletzt 79 belgische und niederländische Schiffe die Technik. Dabei schleifen sie Schleppnetze über den Meeresgrund, um zum Beispiel Schollen aufzustöbern, die sich im Boden eingraben. Bislang wird das mit schweren Ketten gemacht. Bei der Elektrofischerei werden stattdessen Elektroden eingesetzt, die Stromstöße abgeben.

Umweltschützer zeigen sich alarmiert

Die Methode ist umstritten. Kritiker fürchten unerwünschte Auswirkungen auf Meerestiere. Befürworter argumentieren, diese Fangtechnik schädige den Meeresboden weniger. "Die Elektrofischerei ist innovativ. Sie ist sehr nachhaltig, denn sie braucht nur gut die Hälfte des Treibstoffs", sagte der zuständige niederländische Staatssekretär, Martijn van Dam. Es sei aus Sicht der Fischer allerdings enttäuschend, dass die Methode nur mit Einschränkungen erlaubt werden solle.

Die Umweltschutzorganisation WWF zeigt sich dennoch alarmiert. "Die Fischereiminister öffnen mit diesem wachsweichen Vorschlag zur Elektrofischerei einer potenziell umweltschädlichen Fangmethode Tür und Tor", warnte Fischereiexpertin Stella Nemecky. Die geplanten Gutachten zu den Auswirkungen reichten nicht aus. Nötig seien echte Umweltverträglichkeitsprüfungen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Mai 2017 um 01:00 Uhr.

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