Eine Frau mit dm-Tüte in einem dm-Markt | Bildquelle: picture alliance / dpa

Drogeriemarktketten dm verkauft Schnäppchen der Konkurrenz

Stand: 25.11.2016 19:13 Uhr

Wer bei dm einkauft, kauft eventuell ein Produkt, das vorher bei Rossmann im Regal stand. dm bestätigte, dass die eigenen Mitarbeiter angehalten sind, Sonderangebote bei der Konkurrenz einzukaufen und dann in den eigenen Laden zu stellen.

Die Drogeriemarktkette dm schickt ihre Mitarbeiter zu Konkurrenten wie Rossmann oder Müller, um dort Sonderangebote aufzukaufen und sie ins eigene Regal zu stellen. Die Zeitschrift "Focus" zitiert aus einer internen Anweisung des Marktführers für alle rund 1800 Filialen in Deutschland, wonach "strategisch relevante Aktionsartikel bei Wettbewerbern" eingekauft werden sollen. Dazu werde "zentralseitig eine Liste mit relevanten Artikeln Montagsmorgens bereitgestellt".

"Die günstigste Einkaufsquelle für ihren Markt"

Das Unternehmen bestätigte den "Focus"-Bericht inzwischen. Marketing-Geschäftsführer Christoph Werner teilte auf Anfrage der Deutschen Presseagentur mit: "Wir stellen unseren Kolleginnen und Kollegen in den dm-Märkten Informationen zur Verfügung, die es ihnen ermöglichen, die günstigste Einkaufsquelle für ihren Markt zu nutzen. Diese Quelle können auch Wettbewerber sein, wenn diese Artikel unseres Sortiments zu einem Preis anbieten, der unter unserem Einkaufspreis beim Hersteller liegt." Man gehe davon aus, dass die Wettbewerber "nicht unter Einstandspreis verkaufen", so dass diese durch das dm-Vorgehen keine Nachteile hätten.

Der Einstandspreis ist der Preis, zu dem ein Unternehmen selbst die Ware einkauft. Die Ware dann an den Kunden zu einem Preis weiterzuverkaufen, der unter diesem Einstandspreis liegt, ist in Deutschland verboten. Das soll sicherstellen, dass es keinen ruinösen Wettbewerb gibt, bei dem kleine Händler nicht mehr mithalten können.

Rossmann will es bereits bemerkt haben

dm-Konkurrent Rossmann sagte dem "Focus", man habe das Vorgehen von dm-Mitarbeitern in den eigenen Läden bereits bemerkt. Die Praxis des Konkurrenten wollte Rossmann jedoch nicht weiter kommentieren. Die Frage, ob man selber auch bei dm einkaufe, wenn die Preise dort besonders niedrig seien, verneinte das Unternehmen.

dm ist der Marktführer unter den Drogerieketten in Deutschland. Die nun bekannt gewordene Praxis ist eine weitere Facette im Konkurrenzkampf der Drogeriemärkte. Erst kürzlich hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Rabatt-Streit zugunsten der Drogeriekette Müller entschieden. Drogerien und andere Märkte dürfen sich demnach an Rabattaktionen der Konkurrenz "anhängen" und damit werben, die fremden Gutscheine auch in eigenen Filialen einzulösen. Müller hatte Kunden mit dem Angebot gelockt, Zehn-Prozent-Coupons von dm, Rossmann und Douglas ebenfalls anzunehmen.

Über dieses Thema berichtete der SWR am 25. November 2016 um 19:30 Uhr

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