Autobosse und VDA-Chef Wissmann beim Diesel-Gipfel | Bildquelle: AFP

Abgasskandal Weiter dicke Luft

Stand: 03.08.2017 11:02 Uhr

Man habe eine "neue Vertrauenskultur" eingefordert, sagte Verkehrsminister Dobrindt nach dem Treffen mit Deutschlands Autobauern. Doch einen Tag nach dem Diesel-Gipfel will die Kritik nicht verstummen. Die vereinbarten Software-Updates lösten das Abgasproblem nicht, sagen Experten.

Ein Software-Update soll die Lösung im Abgasskandal bringen und Deutschlands Städte sauberer machen. Mit diesem Ergebnis des Gipfels - der Kostenpunkt liegt bei rund 500 Millionen Euro - können die Autohersteller zufrieden sein. Schließlich standen beim Treffen mit der Bundesregierung gestern Forderungen nach umfassenden Fahrzeugumbauten im Raum.

Kritikern geht der Kompromiss allerdings nicht weit genug. "Die Bundesregierung und die Autobranche haben die Chance vertan, Vertrauen bei geschädigten und verunsicherten Verbrauchern zurückzugewinnen", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv,) Klaus Müller, der "Funke"-Mediengruppe. Millionen Autofahrer und Menschen warteten jetzt auf Antworten und Lösungsvorschläge. Fragen etwa nach finanzieller Entschädigung oder rechtsverbindlichen Garantien seien offen geblieben. Müller fordert ein zweites Treffen, und dieses Mal wollten er und andere Verbrauchervertreter mit am Tisch sitzen.

Ergebnisse des Diesel-Gipfels vom 2. August 2017

- Mit Software-Updates wollen die Autokonzerne 5,3 Millionen Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro-5 und Euro-6 nachrüsten. Dies betrifft 3,8 Millionen Autos des VW-Konzerns (einschließlich der 2,5 Millionen, für die bereits eine Software-Aktualisierung angeordnet wurde), mehr als 900.000 Pkw des Daimler-Konzerns und mehr als 300.000 BMW sowie Fahrzeuge von Opel.

- Die Nachrüstung soll den Stickoxid-Ausstoß dieser Pkw um 25-30 Prozent senken.

- Die Kosten der Software-Updates übernehmen allein die Hersteller.

- Die Autokonzerne wollen mit Umstiegsprämien die Fahrer älterer Diesel-Modelle zum Kauf von Elektroautos oder von Diesel-Pkw der neuesten Generation bewegen.

- Ein Fonds in Höhe von 500 Millionen Euro soll den Kommunen bei der Verbesserung der Luftqualität helfen. Das Geld stammt zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von VW, Daimler und BMW.

- Der Bund will die Förderung des emissionsarmen und emissionsfreien öffentlichen Verkehrs ausweiten.

Gemischte Reaktionen auf die Ergebnisse des Diesel-Gipfels
tagesschau 16:00 Uhr, 03.08.2017, Julia Krittian, ARD Berlin

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DUH will weiter klagen

"Das ist weniger als nichts", schimpft auch der Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch. Die DUH wolle ihre Klagen für bessere Luft in deutschen Städten fortsetzen, sagte er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Resch hatte schon vor dem Gipfel angekündigt, dass Software-Updates nicht reichten, um die Emissionsgrenzwerte für Stickstoffdioxid (NOx) einzuhalten.

Ähnlich argumentiert auch Verkehrsexperte Peter Mock. Wenn ein Update - wie von den Herstellern angegeben - tatsächlich bei allen Fahrzeugen eine Reduzierung der NOx-Werte um 30 Prozent bringen würde, dann sei das "immer noch mehr als vier mal so hoch wie das gesetzliche Euro-6-Limit", sagte Mock der Agentur dpa.

Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sind weitere technische Umbauten nicht vom Tisch. "Die Industrie hat Bedenken, aber die Diskussion ist deswegen noch nicht vorbei", sagte er auf NDRInfo. Bei älteren Modellen der Euro-1 bis Euro-4-Norm seien Umbauten jedoch nicht mehr möglich oder sinnvoll.

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Wie wichtig Diesel-Pkw in Deutschland sind

Bestand nach Kraftstoff

VW schließt Umbauten aus

Volkswagen-Chef Matthias Müller hatte gestern baulichen Nachrüstungen eine klare Absage erteilt, die über Software-Updates hinausgehen: "Wir halten es im Grunde genommen für ausgeschlossen, Hardware-Veränderungen vorzunehmen. Einmal des Aufwandes wegen, aber auch, weil die Wirkung fragwürdig ist." Grünen-Chef Cem Özdemir sagte dazu, das "grenzt schon an eine Unverschämtheit". Offenbar glaubten Teile der Branche immer noch, billig davonzukommen bei der Diesel-Abgasreinigung. Die Ergebnisse des Diesel-Gipfels reichten jedenfalls nicht aus.

Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 02. August 2017 um 17:00 Uhr und bei Tagesschau24 am 03. August 2017 um 11:00 Uhr.

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