IWF-Chefin Lagarde | Bildquelle: AP

Abschluss des Weltwirtschaftsforums in Davos Es könnte holprig werden

Stand: 23.01.2016 21:52 Uhr

Bemüht optimistisch gibt sich IWF-Chefin Lagarde zum Abschluss des Weltwirtschaftsforums in Davos. Doch der niedrige Ölpreis, der Umbau der chinesischen Wirtschaft und nicht zuletzt die europäische Flüchtlingskrise bergen hohe Risiken.

Von Margit Siller, BR, zzt. Davos

Weltweit erlebten die Börsen den schlechtesten Jahresauftakt seit Jahrzehnten. Fondsmanager haben Milliardensummen abgezogen. Der Ölpreis stürzte unter 30 Dollar pro Fass - dies wiederum nährte die Sorge, dass es noch schlechter um die Weltkonjunktur bestellt sein könnte als befürchtet.

Nicht zu vergessen: Die Regierung in Peking bastelt an einem neuen Geschäftsmodell; weg vom Export, hin zum Konsum. Die chinesische Wirtschaft war das Top-Thema in der letzten großen Diskussionsrunde mit IWF-Chefin Christine Lagarde. Zehn Jahre hätten sich die meisten vor einer harten Landung Chinas gefürchtet. Jetzt seien hier in Davos alle davon überzeugt, dass es eine weiche Landung mit niedrigeren Wachstumsraten geben werde, aber keinen Crash.

Man müsse sich darauf einstellen, dass der Umbau holprig werde. Die Neuausrichtung sei letztlich dennoch richtig, um zu einem nachhaltigen, besseren Wachstum zu kommen, sagte Lagarde. Doch was hat der IWF zum massiven Abfluss der chinesischen Devisenreserven zu sagen? So hatte Peking monatelang versucht, die eigene Währung gegen den US-Dollar zu stützen.

Klarer Kurs von China gefordert

Die IWF-Chefin hält den massiven Einsatz der Devisenreserven Pekings für keine gute Idee. Sie appellierte an die chinesische Regierung, die Märkte bräuchten mehr Klarheit über die Neuausrichtung der chinesischen Wechselkurspolitik.

Zweites Top-Thema in Davos war der niedrige Ölpreis. Der Chef der Schweizer Großbank Credit Suisse, Tidjane Thiam, gehört zu den Optimisten. Das Problem derzeit sei, dass es weltweit schlicht zu viel Öl gebe, aber die Nachfrage sei intakt: "Niedrige Ölpreise sind gut für alle. Vor allem für die, die viel Öl importieren und verbrauchen", sagt er. Dort würde jetzt das Wirtschaftswachstum gestärkt.

Einmal mehr wurde in Davos spürbar, dass politische Risiken enorme wirtschaftliche Folgen haben können. Wenn in der Europäischen Union die Grenzen wieder dichtgemacht werden, weil einige Länder so den Flüchtlingszuzug begrenzen wollen, dann gefährdet das den Binnenmarkt. Lastwagen und Container, die tagelang festsitzen, kein schöner Gedanke für viele Manager.

Risiko "Brexit"

Nicht zu vergessen das Risiko, dass Großbritannien die EU verlassen könnte. "Wollt ihr Eure Spielchen mit dem 'Brexit' jetzt weiter treiben?", fragte der Moderator den britischen Finanzminister George Osborne. Der machte klar, dass die Mehrheit der Briten gegen einen Austritt stimmen würde, sollte die EU bei den Forderungen aus London einlenken. "Die Mehrheit der Briten wollen zu Europa gehören, aber sie wollen sich nicht bevormunden lassen", sagt Osborne. Wenn der Premierminister und er mit einem glaubhaften Reformpaket zurückkämen, dann würde das den Ausschlag geben, um für den Verbleib in der EU zu werben.

Für eine hat sich der Besuch in Davos auf jeden Fall gelohnt: Christine Lagarde war fleißig am Netzwerken, um Unterstützer für eine zweite Amtszeit an der IWF-Spitze zu suchen.

Weltwirtschaftsforum in Davos: Globaler Konjunkturausblick
M. Siller, BR, zzt. Davos
23.01.2016 20:50 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 23. Januar 2016 um 18:25 Uhr im Deutschlandfunk.

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