Dezember 2010 Optimismus in Deutschland, Sorge im Süden

Stand: 30.12.2010 17:24 Uhr

"Wechsel"-Schild hinter dem Fenster einer Bank in Lissabon
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"Wechsel"-Schild hinter dem Fenster einer Bank in Lissabon

Aus Deutschland kommen weiterhin viele Wirtschaftsmeldungen, die optimistisch stimmen. Sorge bereiten hingegen Nachrichten aus dem Südwesten Europas. Spanien und Portugal kommen - trotz massiver Sparbemühungen - nicht aus den Schlagzeilen.

01. Dezember 2010: Das von der Finanzkrise geplagte Spanien stellt eine neues Paket von Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft vor. Die Teilprivatisierung von Flughäfen und der Lottogesellschaft soll Geld in die Kassen bringen, eine Steuersenkung kleine und mittlere Firmen entlasten. In Deutschland präsentieren die Statistiker unerwartet gute Zahlen für den Einzelhandel.

02. Dezember 2010: Auch deutsche Banken haben während der Krise Milliardenhilfen von der US-Notenbank Fed erhalten.

06. Dezember 2010: Der Chef der Eurogruppe, Juncker, schlägt kurz vor einem Finanzministertreffen der Euro-Staaten gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten vor. Beim Finanzministertreffen in Brüssel wird eine Verstärkung des Rettungsschirms abgelehnt.

07. Dezember 2010: Die EU-Finanzminister geben bei ihrem Treffen in Brüssel grünes Licht für das Rettungspaket für Irland.

08. Dezember 2010: Die Deutsche Wirtschaft stellt im Oktober einen historischen Rekord auf: Noch nie wurden in einem Monat Waren für 72,6 Milliarden Euro eingeführt. Auch die Zahl der Unternehmensinsolvenzen geht weiter zurück. Irland dagegen kämpft mit den Folgen der Krise und verabschiedet erste Teile des rigiden Sparhaushalts.

09. Dezember 2010: Der gestrauchelte US-Versicherer AIG zahlt Schulden zurück und macht den Weg für seine Reprivatisierung frei.

10. Dezember 2010: Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy bekräftigen bei einem Treffen in Freiburg ihren Euro-Kurs. Die Ex-Steueroase Liechtenstein gibt sich trotz aller Probleme optimistisch. Island einigt sich mit Großbritannien und den Niederlanden auf die Rückzahlung von knapp vier Milliarden Euro nach der Pleite der Icesave-Bank.

12. Dezember 2010: In der Debatte um die von Luxemburg geforderten Euro-Bonds unterstützt Bundesfinanzminister Schäuble die Haltung von Bundeskanzlerin Merkel und lehnt gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder strikt ab.

13. Dezember 2010: Die Euro-Krisenländer Griechenland, Irland, Spanien und Portugal sind laut einer neuen Aufstellung allein bei deutschen Banken mit mehr als 500 Milliarden Dollar verschuldet.

14. Dezember 2010: Dank der guten Konjunkturentwicklung erhöht der Branchenverband IATA erneut die Gewinnprognose für die Fluggesellschaften weltweit: Sie können demnach 2010 mit einem Überschuss von 15,1 Milliarden Dollar rechnen. Für die anstehenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder geben die Gewerkschaften ihre Tarifforderungen bekannt: Nach Ende der Rezession verlangen sie eine Anhebung der Löhne um einen Sockelbetrag von 50 Euro sowie darüber hinaus um drei Prozent.

15. Dezember 2010: Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich in einer Regierungserklärung für einen neuen Rettungsmechanismus für hoch verschuldete Euro-Staaten aus, die aber nur als letztes Mittel gewährt werden sollen. Das irische Parlament stimmt der Annahme von Finanzhilfen des Euro-Rettungsschirms zu. In Griechenland kommt es bei Protesten gegen die Sparprogramme der Regierung zu Ausschreitungen.

16. Dezember 2010: Der EU-Gipfel einigt sich auf einen dauerhaften Krisenmechanismus für hoch verschuldete Euro-Staaten. Die Europäische Zentralbank beschließt eine massive Erhöhung ihres Grundkapitals, um mehr Spielraum für ihr Handeln in der Schuldenkrise zu gewinnen. Die schwarz-gelbe Koalition einigt sich auf die Eckpunkte der künftigen Banken- und Finanzaufsicht.

17. Dezember 2010: Die Stimmung der Wirtschaft entwickelt sich weiter besser als erwartet: Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Wegen seiner Schuldenkrise verliert Irland weiter an Kreditwürdigkeit und wird durch die Ratingagentur Moody's drastisch herabgestuft.

20. Dezember 2010: Der Maschinenbau hat die Krise schnell abgeschüttelt. Laut Verband sehen viele Firmen besonders im Ausland Wachstumschancen. Die OECD empfiehlt Spanien in ihrem Länderbericht einen schärferen Sparkurs.

21. Dezember 2010: Laut GfK bleibt die Konsumstimmung in Deutschland insgesamt positiv - der private Verbrauch könnte zur Stütze der Wirtschaft werden. Die New Yorker Staatsanwaltschaft erhebt im Zusammenhang mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Anklage gegen die Wirtschafsprüfer Ernst & Young. Das spanische Parlament stimmt mit knapper Mehrheit dem Haushalt für 2011 zu, der eine drastische Senkung der Staatsausgaben vorsieht.

23. Dezember 2010: Das griechische Parlament stimmt dem Haushalt 2011 zu, der massive Einsparungen sowie Steuererhöhungen vorsieht, um die Bedingungen für Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm zu erfüllen. Der Einzelhandel zieht zum Ende des Weihnachtsgeschäfts eine sehr positive Bilanz.

27. Dezember 2010: Es wird bekannt, dass die Mittel des Deutschlandfonds, der einer Kreditklemme infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise vorbeugen sollte, nur zu einem Viertel ausgeschöpft wurde.

29. Dezember 2010: Die Verbraucherpreise sind 2010 trotz des kräftigen Aufschwungs lediglich um 1,1 Prozent gestiegen.

30. Dezember 2010: Der deutsche Aktienindex DAX beendet das Börsenjahr bei 6914,19 Punkten und erreicht damit einen Jahresgewinn von 16 Prozent. Die deutschen Firmen steigern ihre Exporte im dritten Quartal um 21,5 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum.

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