Mai 2009 HRE wird staatlicher, Opel vorerst gerettet

Stand: 02.06.2009 15:38 Uhr

Filiale der Hypo Real Estate in Berlin
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Hypo Real Estate

Zwar nehmen weniger als 50 Prozent der Aktionäre das Kaufangebot des Bundes für die Hypo Real Estate an - doch für eine Mehrheit in der Hauptversammlung dürfte es dennoch reichen. Am Ende des Monats entscheidet sich auch der Kampf um Opel - Magna macht das Rennen.

01. Mai 2009: Fiat steigt bei Chrysler ein - und bekräftigt sein Interesse an Opel.

03. Mai 2009: Der DIHK warnt vor einer Bevorzugung der Autobranche bei der Bewältigung der Krise.

04. Mai 2009: Fiat-Chef Marchionne stellt in Berlin seine Pläne für die Opel-Übernahme vor. Zunächst scheint es, als wolle Fiat nur drei Standorte erhalten - später stellt er klar, dass auch Kaiserslautern nicht geschlossen werden soll. Bei der HRE läuft die Frist ab, die der Bund den Aktionären zur Annahme seines Kaufangebots gesetzt hat. Zwar erzielt der Bund keine Mehrheit, eine Verstaatlichung wird es aber vermutlich dennoch nicht geben. Nach Ansicht der EU-Kommission wird Deutschland wieder zum Defizitsünder. In den USA stoppt Chrysler nach dem Insolvenzantrag seine Produktion.

05. Mai 2009: Die HRE meldet fürs erste Quartal einen Verlust in Höhe von 382 Millionen Euro. Der Run auf die Abwrackprämie lässt nach. Rumänien erhält von IWF und EU einen Kredit über 18 Milliarden Euro.

06. Mai 2009:Erste Ergebnisse des Stresstests für die US-Banken sickern durch: Die Bank of America braucht offenbar weitere 34 Milliarden Dollar. Das EU-Parlament verschärft mehrere Vorschriften für Banken. Auch die Post spürt die Krise und verkündet einen Sparkurs. Porsche scheitert mit seinen Übernahmeplänen für VW - nun soll es einen Zusammenschluss geben.

07. Mai 2009: Der Bund besitzt nun 47,31 Prozent der HRE und kann auf eine Komplettübernahme ohne Enteignung setzen. Die EU-Kommission gibt nach langer Prüfung grünes Licht für die zweite Tranche der Staatshilfen für die Commerzbank. GM meldet einen weiteren Milliardenverlust und einen im ersten Quartal nahezu halbierten Umsatz. Die EZB senkt zum siebten Mal seit Oktober den Leitzins auf nun nur noch 1,0 Prozent. Laut Stresstest brauchen die US-Großbanken weitere 75 Milliarden Dollar.

08. Mai 2009: Die Commerzbank schreibt im ersten Quartal tiefrote Zahlen. Toyota meldet den ersten Verlust seiner Firmengeschichte. Die März-Zahlen des Statistischen Bundesamts lassen die deutschen Exporteure ein wenig hoffen. Der Ex-Flowers-Partner Grove verkauft seine Anteil an der Hypo Real Estate. Der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae benötigt nach eigenen Angaben zusätzliche Staatshilfen in Höhe von 19 Milliarden Dollar.

09. Mai 2009: Die Krise macht auch vor der Firma des legendären Investors Warren Buffett nicht halt: Sie machte im ersten Quartal 1,5 Milliarden US-Dollar Minus.

10. Mai 2009: Kritik an Stresstest: Angeblich konnten mehrere US-Banken die für sie ungünstigen Ergebnisse nach unten handeln.

11. Mai 2009: Durch einen massiven Auftragseinbruch im April sinkt die in der Stahlindustrie produzierte Menge an Rohstahl auf das Niveau der 50er-Jahre.

12. Mai 2009: Die EU-Kommission billigt die Staatshilfe für die WestLB, verlangt aber drastische Einschnitte bei den Beteiligungen und Geschäften der Landesbank. Der Autokonzern Ford gibt 300 Millionen neue Aktien aus und besorgt sich dadurch 1,4 Milliarden Dollar frisches Kapital.

13. Mai 2009: Das Kabinett verabschiedet den Gesetzentwurf zur Schaffung von Bad Banks. Die US-Hypothekenbank Freddie Mac meldet einen zusätzlichen Finanzbedarf von 6,1 Milliarden Dollar, die der Staats bereitstellen soll.

14. Mai 2009: Zur Opel-Rettung schlägt Wirtschaftsminister Guttenberg ein Treuhandmodell vor. Der Bundestag beschließt die Erhöhung der gesetzlichen Einlagensicherung für Sparguthaben, Tages- oder Festgelder.

15. Mai 2009: Die deutsche Wirtschaft bricht im ersten Quartal 2009 um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ein. Die EU-Kommission erlaubt die HRE-Verstaatlichung. Eine Insolvenz des Opel-Mutterkonzerns GM, der 1100 Händlern die Verträge kündigt, wird immer wahrscheinlicher. Die Opel-Händler bekräftigen ihren Plan, sich mit 150 Euro pro verkauftem Auto an einer Opel-Rettung beteiligen zu wollen.

16. Mai 2009: Die Commerzbank-Aktionäre billigen den Einstieg des Staates.

18. Mai 2009: EU-Kommissar Verheugen kritisiert die deutsche Bankenaufsicht ungewöhnlich scharf. Die Wirtschaftskrise sorgt für einen deutlichen Rückgang im Luftverkehr.

19. Mai 2009: Die BaFin schränkt ihre Arbeit ein - der Bundestagsuntersuchungsausschhuss zur HRE-Fast-Pleite erfordert zu viel Aufmerksamkeit. Gute Nachrichten kommen von der Konjunktur: Der ZEW-Index steigt im siebten Monat in Folge - und vor allem deutlich stärker als erwartet.

20. Mai 2009: Bund und Länder geben Details einer möglichen Kreditbürgschaft für Opel über 1,5 Milliarden Euro bekannt. Die japanische Wirtschaft bricht so stark ein wie noch nie. Hewlett Packard streicht 6000 Jobs. Für die insolvente Warenhauskette Hertie kommt das endgültige Aus.

21. Mai 2009: Die erste Großbürgschaft aus dem Rettungspaket des Bundes geht an den Maschinenbauer Heidelberger Druck. Porsche will ein Darlehen der Kreditansatlt für Wiederaufbau. Metro und Arcandor prüfen einen Zusammenschluss ihrer Warenhausketten Kaufhof und Karstadt zur "Deutschen Warenhaus AG".

22. Mai 2009: Alle drei potenziellen Opel-Investoren planen einen Stellenabbau. Bei der Politik hat Magna die besten Karten. Entschieden wird aber ohnehin in Detroit und Washington.

23. Mai 2009: Die US-Regierung beschließt strengere Regeln für die Kreditkartenunternehmen.

24. Mai 2009: Wirtschaftsminister Guttenberg kritisiert die Konzepte der Opel-Interessenten als unzureichend. Karstadt-Hilferuf: Ohne Staatsbürgschaft werde der Konzern nicht überleben, so Konzernchef Herzberg.

25. Mai 2009: Die Union lehnt eine Bürgschaft für Karstadt ab, Wirtschaftsminister Guttenberg gerät wegen seiner Opel-Aussagen in die Kritik. Die Zukunft des angeschlagenen Autobauers wird wahrscheinlich am Mittwoch entschieden. Der ifo-Geschäftsklimaindex legt leicht zu.

26. Mai 2009: Fiat-Chef Marchionne wirbt im Kanzleramt erneut für seine Opel-Pläne. Der angeschlagene Autozulieferer Schaeffler verzichtet bis Mitte 2010 auf betriebsbedingte Kündigungen. Das Statistische Bundesamt bestätigt seine Schätzung, nach der die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal um 3,8 Prozent geschrumpft ist - gebremst lediglich durch den stabilen Konsum.

27. Mai 2009: Etwa 6000 Mitarbeiter von Arcandor demonstrieren in Berlin für eine Staatsbürgschaft und den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Im Kanzleramt kommt am Abend eine Spitzenrunde zusammen, um über die Zukunft von Opel zu entscheiden.

28. Mai 2009: Am frühen Morgen geht das Spitzentreffen im Kanzleramt ohne Ergebnis zu Ende. GM hatte zum Auftakt des Treffens überraschend neue Finanzhilfen gefordert - gut 300 Millionen Euro mehr als vorher bekannt. Am nächsten Tag soll es ein neues Treffen geben.

29. Mai 2009: Fiat sagt seine Teilnahme an dem neuen Spitzentreffen im Kanzleramt ab. Das Treffen beginnt mit zweistündiger Verspätung und einem neuen Konzept von Magna.

30. Mai 2009: Am frühen Morgen verkündet Finanzminister Steinbrück die Einigung mit Magna. Opel ist vorerst gerettet. Wirtschaftsminister zu Guttenberg befürwortet bis zuletzt eine Planinsolvenz, trägt das Magna-Konzept am Ende aber mit.

31. Mai 2009: Die angeschlagene Hypo Real Estate will weitere Hilfe vom Staat. Der US-Autobauer General Motors steht unmittelbar vor der Insolvenz.

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