April 2009 Globaler Kampf gegen die Finanzkrise

Stand: 30.04.2009 17:03 Uhr

Logo des Weltfinanzgipfels in London
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Der Weltfinanzgipfel beschließt gemeinsame Antworten auf die Finanzkrise.

Die Weltwirtschaft rutscht immer tiefer in die Krise. Auch in Deutschland häufen sich Negativmeldungen. Doch der Ansturm auf die Abwrackprämie geht weiter und verhilft Herstellern zu Rekordabsätzen. Der Weltfinanzgipfel stemmt sich mit gemeinsamen Beschlüssen gegen die Krise.

01. April 2009: Mexiko bittet den Internationalen Währungsfonds um einen Milliardenkredit. Die Zahl der Anträge und Reservierungen für die Abwrackprämie aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung übersteigt die Marke von einer Million. Der deutsche Maschinenbau meldet einen Auftragseinbruch um 49 Prozent. Die Hamburgische Bürgerschaft billigt das Rettungspaket für die HSH Nordbank.

02. April 2009: Die G20-Staaten beschließen beim Weltfinanzgipfel strengere Kontrollen und Regeln für die internationalen Finanzmärkte und stellen 1,1 Billionen US-Dollar für Hilfen zugunsten ärmerer Länder bereit. Die Europäische Zentralbank senkt den Leitzins um 0,25 Punkte auf 1,25 Prozent.

03. April 2009: Der Bundesrat macht mit der Zustimmung zum Rettungsübernahmegesetz den Weg für eine mögliche Zwangsverstaatlichung der Hypo Real Estate frei.

07. April 2009: Nur fünf Tage nach der Veröffentlichung einer schwarzen Liste der Steuerparadiese durch die OECD haben alle betroffenen Länder die Einhaltung der Steuerstandards zugesagt - die Liste ist leer. Bei der krisengeschütteleten HSH Nordbank ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue. Die Bundesregierung beschließt, die Finanzmittel für die Abwrackprämie, die mit dem Konjunkturpaket II beschlossen worden war, massiv auf fünf Milliarden Euro aufzustocken.

08. April 2009: Das Bundeskabinett beschließt die Ausweitung der Abwrackprämie; das größere Budget fordert neue Kritik heraus. Die Talfahrt der deutschen Industrie hält an - Exporte und Industrieaufträge brechen weiter weg. Auf der Hauptversammlung schwört Daimler-Chef Zetsche den Konzern auf ein schweres Jahr ein und schließt erstmals Entlassungen nicht mehr aus.

09. April 2009: Während in Deutschland wegen der Abwrackprämie einige Schrottplätze keine Altautos mehr annehmen und Ford statt der geplanten Kurzarbeit nun Sonderschichten fährt, plant die US-Regierung einen ähnlichen Kaufanreiz: "Cash for Klunkers". Der Bund macht bei der HRE-Übernahme ernst und bietet den Aktionären 1,39 Euro pro Anteilschein.

10. April 2009:Japan stellt ein Konjunkturprogramm im Umfang von umgerechnet 116 Milliarden Euro vor.

11. April 2009: Auch eine Folge der Krise: Der Krankenstand in Deutschland sinkt auf den niedrigsten Stand seit 1991.

13. April 2009: Die Bundesregierung plant ein erneutes Spitzentreffen zur Wirtschaftskrise. Ein weiteres Konjunkturpaket ist aber nach ihren Angaben nicht geplant.

14. April 2009: Die US-Bank Goldman Sachs meldet einen Milliardengewinn inmitten der Wirtschaftskrise. Immer mehr Frachtschiffe liegen wegen der Auftragsflaute weltweit auf Reede. Die deutsche Industrie meldet den stärksten Auftragseinbruch seit 1991. Der SoFFin verlängert seine Milliarden-Garantien für die angeschlagene HRE. Das DIW verzichtet angesichts der Ausmaße der Wirtschaftskrise auf eine Konjunkturprognose für 2010.

15. April 2009: Das DIW wagt zwar keine exakte Prognose für 2010, sieht aber eine "langsame Erholung". Opel bereitet sich nach ARD-Informationen sehr konkret auf eine GM-Insolvenz vor und hat bereits Details einer möglichen Rettung geklärt.

16. April 2009: In China fällt das Wirtschaftswachstum auf ein Rekordtief, in den USA macht sich die Angst vor einer Deflation breit. Gleichzeitig legt mit JP Morgan Chase die dritte Großbank in Folge gute Zahlen vor. In Deutschland fordert nun auch die Union schärfere Regeln für Manager, die HSH Nordbank feuert ihren Vorstand Roth.

17. April 2009: Startschuss für den Versuch einer einvernehmlichen Verstaatlichung: Die Aktionäre der angeschlagenen Hypo Real Estate können ihre Anteilscheine ab sofort für 1,39 Euro dem Bund anbieten. Der Internationale Währungsfonds gewährt Mexiko im Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise eine flexible Kreditlinie von 47 Milliarden Dollar.

20. April 2009: Die Bundesbank erwartet, dass sich die Rezession im ersten Quartal 2009 weiter verschärft hat. Die größte US-Bank, die Bank of America, meldet für das erste Quartal einen Milliardengewinn.

21. April 2009: Die Bundesregierung einigt sich darauf, bis Mitte Mai einen Gesententwurf für ein Bad-Bank-Modell vorzulegen. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass die Finanzkrise weltweit zu Verlusten von 4,1 Billionen Dollar führen wird.

22. April 2009: Die Regierung korrigiert ihre Konjunkturprognose heftig nach unten: Finanzminister Steinbrück spricht von einem Fünf-Prozent-Minus. Dennoch sprechen sich die Teilnehmer des Konjunkturgipfels im Kanzleramt gegen ein drittes Konjunkturpaket aus.

23. April 2009: In ihrem Frühjahrsgutachten prognostizieren die Wirtschaftsforschungsinstitute Deutschland ein Schrumpfen des BIP um sechs Prozent. Fiat will Opel übernehmen, der Betriebsrat kündigt Widerstand an. Die Noch-Opel-Mutter GM schließt vorübergehend 13 Werke.

24. April 2009:Microsoft erleidet durch die Krise am PC-Markt einen Gewinneinbruch. Auch American Express meldet einen um 63 Prozent geschrumpften Ertrag.

25. April 2009: Die G7-Finanzminister sehen erste Anzeichen für ein Ende der Wirtschaftskrise. Ein geheimes Papier der BaFin sorgt für einigen Wirbel: Angeblich geht daraus hervor, dass sich die Risikoposten von 17 deutschen Banken auf 816 Milliarden Euro addieren.

26. April 2009: Der Internationale Währungsfonds verdoppelt seine Kreditreserven auf 500 Milliarden Dollar.

27. April 2009: General Motors legt seinen bereits dritten Sanierungsplan innerhalb weniger Monate vor. In Deutschland bleibt die Konsumstimmung trotz der Wirtschaftskrise stabil.

28. April 2009: Daimler präsentiert sehr schlechte Quartalszahlen und kündigt einen rigiden Sparkurs an. Gläubiger sperren sich gegen den Sanierungsplan von General Motors.

29. April 2009: Auch die Bundesregierung erwartet jetzt, dass die Wirtschaft 2009 um sechs Prozent schrumpft. Die USA melden für das erste Quartal ebenfalls ein Minus von 6,1 Prozent.

30. April 2009: Der US-Autobauer Chrysler meldet Insolvenz an. Die Bundesagentur für Arbeit meldet einen Ausfall der Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt. US-Investor Flowers lehnt das Übernahmeangebot der Bundesregierung für die Hypo Real Estate ab.

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