Januar 2009 Der Staat steigt bei der Commerzbank ein

Stand: 31.01.2009 11:05 Uhr

Symbolbild mit Konjunkturpaket
galerie

Die Bundesregierung setzt der Rezession zwei milliardenschwere Konjunkturpakete entgegen.

Konjunkturpakete sollen die Kaufkraft der Bürger stärken und den Unternehmen helfen. In Deutschland wird die Commerzbank teilverstaatlicht und die Abwrackprämie sorgt für einen ersten Lichtblick für die gebeutelte Autoindustrie. Die Bundesregierung schließt eine Verstaatlichung der HRE nicht mehr aus.

02. Januar 2009: Die US-Notenbank Fed pumpt 500 Milliarden Dollar in den angeschlagenen Immobilienmarkt und will Anleihen der angeschlagenen verstaatlichten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac aufkaufen.

03. Januar 2009: Bei den Vorschlägen für ein Konjunkturpaket II übertreffen sich Politiker und Interessensverbände mit Idden bis hin zur Finanzierung einer Mondmission.

05. Januar 2009: Union und SPD wollen dieses und nächstes Jahr zusätzlich bis zu 50 Milliarden Euro in die Bekämpfung der Wirtschaftskrise investieren. Darauf verständigen sich die Koalitionsspitzen in einer fünfstündigen Verhandlungsrunde im Berliner Kanzleramt.

06. Januar 2009: Schwarzer Dezember für die deutschen Autobauer: Export und Produktion brechen um jeweils mehr als 20 Prozent ein.

07. Januar 2009: Die Bundesregierung bestätigt Überlegungen, einen Rettungsschirm für Unternehmen einzurichten, die aufgrund der Bankenkrise keine Kredite mehr bekommen. Die Zahl der Arbeitslosen steigt wieder über die Drei-Millionen-Marke an. Dem US-Haushalt droht ein gigantisches Defizit in Höhe von bis zu 1,2 Billionen Dollar.

08. Januar 2009: Die Commerzbank wird teilverstaatlicht. Der Bund erhält 25 Prozent plus eine Aktie an dem Institut, das die Dresdner Bank bis zum Monatsende übernehmen will. Die deutschen Unternehmen melden drastische Rückgänge bei Auftragseingängen und beim Export. Der künftige US-Präsident Barack Obama spricht sich für massive Investitionen im Kampf gegen die Wirtschaftskrise aus.

09. Januar 2009: Bei einem Treffen mit Arbeitsminister Olaf Scholz geben die 30 DAX-Konzerne keine Jobgarantie ab - sondern lediglich eine unverbindliche Absichtserklärung. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt einen Fonds an, aus dem Unternehmen, die keine Kredite von den Banken erhalten, Bürgschaften erhalten sollen. Die Arbeitslosigkeit in den USA erreicht den höchsten Stand seit 1993.

11. Januar 2009: Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, rechnet für dieses Jahr mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um zwei Prozent - und mit bis zu vier Millionen Arbeitslosen.

12. Januar 2009: Zehntausende Beschäftigte in der deutschen Autoindustrie gehen wegen der Absatzkrise in Kurzarbeit.

14. Januar 2009: Die Deutsche Bank meldet für das vierte Quartal einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro und vereinbart mit der Deutschen Post neue Bedingungen für die Übernahme von deren Postbankaktien. Die Deutsche Post erhält dabei im Gegenzug für 22,9 Prozent der Postbank-Anteile ein Paket von acht Prozent der Deutsche-Bank-Aktien. Das Statistische Bundesamt gibt bekannt, dass die deutsche Wirtschaft 2008 zwar um 1,3 Prozent gewachsen ist, aber im vierten Quartal einen Einbruch von bis zu zwei Prozent erlitten hat.

15. Januar 2009: Die Europäische Zentralbank senkt den Leitzins auf 2,0 Prozent. Die Bank of America erhält Milliardenhilfen der US-Regierung. Aufgrund des Absatzeinbruchs zum Jahresende sinkt die Zahl der neu zugelassenen Autos 2008 nach Angaben des Branchenverbandes ACEA um 7,8 Prozent.

16. Januar 2009: Irland verstaatlicht die Anglo Irish Bank und sagt den Erhalt aller Arbeitsplätze zu.

17. Januar 2009: Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" erwarten Groß- und Landesbanken weitere milliardenschwere Verluste.

18. Januar 2009: Die Debatte über den Umgang mit "faulen Krediten" geht weiter: Finanzminister Steinbrück weist die Idee einer so genannte "Bad Bank" zurück.

19. Januar 2009: Die EU erwartet für dieses Jahr einen Einbruch der Wirtschaftsleistung in Deutschland um 2,3 Prozent. Russland geht nur noch von einem Nullwachstum seiner Wirtschaft aus. Angesichts immer neuer Milliardenlöcher bei britischen Banken will die Regierung in London ein zweites Rettungspaket schnüren. BASF bricht die Nachfrage weg, deshalb führt der Chemiekonzern an einigen Standorten Kurzarbeit ein.

20. Januar 2009: BMW liebäugelt mit einer Staatsbürgschaft für seine Finanzsparte. Der schwer angeschlagene US-Autobauer Chrysler sucht Rettung in einer Allianz mit Fiat - die Italiener erhoffen sich davon Erfolge auf dem US-Markt. In Deutschland zwingt die anhaltende Absatzkrise am Automarkt immer mehr Hersteller zur Kurzarbeit, darunter auch Europas größten Autobauer VW und den Münchener Hersteller BMW. Frankreich greift seiner Autoindustrie erneut mit Milliarden unter die Arme. Der Handelsriese Metro plant ein drastisches Sparprogramm, dem weltweit 15.000 Stellen zum Opfer fallen werden. Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate erhält weitere Garantien in Höhe von zwölf Milliarden Euro vom Staat.

21. Januar 2009: In ihrem Jahreswirtschaftsbericht erwartet die Regierung in Deutschland die schärfste Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik: In diesem Jahr wird das BIP demnach um 2,25 Prozent schrumpfen. Der Chef des Bankenrettungsfonds SoFFin, Merl, gibt seinen Posten auf - offenbar im Streit über die Führung des Fonds. In Island spitzen sich die Proteste wegen der Finanzkrise zu.

22. Januar 2009: Die Monopolkommission, ein unabhängiges Beratergremien der Regierung, übt scharfe Kritik am Kurs der Regierung in der Wirtschaftskrise und warnt vor Staatswirtschaft. In Island dauern die Proteste an, ein Rücktritt der Regierung wird immer wahrscheinlicher.

23. Januar 2009: Die wegen der Finanzmarktkrise unter Druck stehende Regierung Islands kündigt vorgezogene Neuwahlen an. Die Konjunkturflaute trifft immer mehr Unternehmen. Die Autohersteller Audi und Ford planen Kurzarbeit. Der deutsche Chiphersteller Qimonda meldet Insolvenz an, der US-Chiphersteller AMD verbucht einen Milliardenverlust.

24. Januar 2009: Die zweitgrößte US-Hypothekenbank Freddie Mac benötigt weitere Staatsmilliarden - bis zu 35 Milliarden Dollar (27 Milliarden Euro) will der Immobilienfinanzierer vom US-Finanzministerium. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz erwartet, dass aufgrund der Wirtschaftskrise sowohl die Zahl der Kurzarbeiter als auch die Zahl der Arbeitslosen steigen wird.

25. Januar 2009: Der neue Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, warnt vor neuen Konjunkturprogrammen. Angesichts der Staatsverschuldung sei die Grenze für solche Programme erreicht. Die Autoindustrie meldet eine überraschende Wende: Hatte sie noch vor wenigen Tagen von dramatischen Absatzproblemen berichtet, heißt es nun, die Verkaufsräume seien voll - dank der Abwrackprämie. In Island tritt der Wirtschaftsminister zurück.

26. Januar 2009: Der Ex-Nord-LB-Chef Rehm wird neuer Chef des Bankenrettungsfonds SoFFin. Der niederländische Finanzkonzern ING erwirtschaftet einen Milliardenverlust und streicht 7000 Jobs. Der US-Baumaschinenkonzern Caterpillar erwartet ein Drittel weniger Umsatz und baut 20.000 Arbeitsplätze ab. Airbus-Kunden haben offenbar Probleme, ihre bestellten Flugzeuge zu finanzieren - Frankreich will daher Milliardenkredite zur Verfügung stellen.

27. Januar 2009: Nach Freddie Mac braucht auch der zweite große US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae neue Staatsgelder - bis zu 16 Milliarden Dollar. Die Bundesregierung erwägt - wie die französische Regierung auch - Kredithilfen für Airbus-Kunden.

28. Januar 2009:Russland ist immer stärker von den Folgen der Krise betroffen. Bei der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums in Davos warnt Regierungschef Putin vor zu viel Staatsgläubigkeit in der Krise. Der Internationale Währungsfonds senkt seine Wachstumsprognosen nochmals - und prophezeit das schwärzeste Jahr für die Wirtschaft seit 1945.

29. Januar 2009: Die Krise schlägt sich immer mehr auf dem Arbeitsmarkt nieder - die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg im Januar um 387.000 auf 3.489.000. Der Vorstandschef der schwer angeschlagenen Hypo Real Estate ruft nach dem Staat als Anteilseigner.

30. Januar 2009: US-Präsident Obama schimpft über geldgierige Banker und nennt sie "schamlos, unverantwortlich und inakzeptabel". In Davos wirbt Bundeskanzlerin Merkel für einen "Weltwirtschaftsrat".

31. Januar 2009: Offenbar arbeitet das Finanzministerium an einem Gesetzesentwurf, der die Verstaatlichung von Banken in Deutschland ermöglichen soll. Erster Kandidat: die Hypo Real Estate. Auch Kanzlerin Merkel schließt eine Verstaatlichung nicht aus.

Darstellung: