November 2008 Die Konjunktur kippt

Stand: 28.11.2008 18:19 Uhr

Die Wirtschaftsweisen senken ihre Wachstumsprognosen und die Statistiker geben bekannt, dass Deutschland in einer Rezession steckt. Nach den Rettungspaketen für die Banken werden nun weltweit Konjunkturpakete geschnürt. Dennoch kriselt es in weiteren Branchen, allen voran in der Automobilindustrie.

03. November 2008: Die Commerzbank gibt nach einem hohen Quartalsverlust bekannt, dass sie das staatliche Rettungspaket in Anspruch nimmt. Mit einer stillen Einlage von 8,2 Milliarden Euro erhöht der Staat die Eigenkaptalbasis der Bank und räumt ihr Garantien für Schuldverschreibungen von bis zu 15 Milliarden Euro ein. Die HSH Nordbank will ebenfalls das Rettungspaket nutzen und staatliche Kreditgarantien von bis zu 30 Milliarden Euro beantragen. Als dritte Landesbank nimmt auch die WestLB das Rettungspaket in Anspruch.

04. November 2008: Um Ungarn vor dem drohenden Staatsbankrott zu bewahren, gewähren die EU-Finanzminister dem Land einen Notkredit von 6,5 Milliarden Euro.

05. November 2008: Die Bundesregierung beschließt ein milliardenschweres Konjunkturpaket mit 15 Maßnahmen, die einer drohenden Rezession infolge der Finanzmarktkrise entgegenwirken und eine Million Arbeitsplätze sichern sollen.

06. November 2008: Die Europäische Zentralbank senkt ihren Leitzins auf 3,25 Prozent. Andere europäische Notenbanken folgen. Der Internationale Währungsfonds korrigiert seine Konjunkturprognose wegen der Finanzmarktkrise drastisch und sagt der Weltwirtschaft für 2009 eine Rezession voraus.

08. November 2008: Deutschlands größte Landesbank, die LBBW, ist von der Finanzmarktkrise betroffen und erwartet durch ein Island-Geschäft einen "Verlust in Höhe von 350 Millionen Euro".

09. November 2008: Die lettische Regierung verstaatlicht die zweitgrößte Bank des Landes und kommt damit einem Zusammenbruch des Instituts zuvor.

10. November 2008: China beschließt ein fast 600 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket. Der strauchelnde Versicherungsriese AIG wird erneut von der US-Regierung gestützt. Der seit September unter staatlicher Kontrolle stehende US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae gibt einen Rekordverlust von Juli bis September bekannt: 29 Milliarden Dollar.

11. November 2008: Die Weltbank erwartet für 2009 wegen der Finanzmarktkrise nur noch ein globales Wachstum von einem Prozent.

12. November 2008: Die sogenannten fünf Wirtschaftsweisen rechnen für 2009 mit einer Stagnation des deutschen Bruttoinlandsprodukts und befürchten eine Rezession. Die EU-Kommission will Rating-Agenturen einer verbindlichen Kontrolle unterwerfen. Die US-Regierung kündigt an, das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die Finanzmärkte neu auszurichten: Die Märkte für die Kreditvergabe sollen unterstützt werden.

13. November 2008: Es ist amtlich: Deutschland steckt erstmals seit fünf Jahren in einer Rezession. Laut Statistischem Bundesamt schrumpfte die Wirtschaft zwei Quartale in Folge. Rund 20 Banken haben bereits Hilfen aus dem Rettungspaket der Bundesregierung beantragt - ihre Namen wurden allerdings nicht genannt.

14. November 2008: Opel bittet den Staat um Rettung. Bundeskanzlerin Angela Merkel reist mit Vorschlägen einer Expertengruppe um den ehemaligen EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing zum Weltfinanzgipfel in Washington.

15. November 2008: Die G20-Staaten beschließen auf dem Weltfinanzgipfel einen Aktionsplan, der strengere Kontrolle der Märkte und Dutzende Sofortmaßnahmen vorsieht.

17. November 2008: Die staatliche KfW-Bankengruppe meldet für die ersten neun Monate des Jahres einen Verlust von fast 1,8 Milliarden Euro infolge der Finanzmarktkrise. Die Citigroup gibt die Streichung von weiteren 53.000 Jobs bekannt.

18. November 2008: Die US-Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler bitten um staatliche Finanzhilfen von bis zu 26 Milliarden Euro, um die Folgen der Finanzmarktkrise zu bewältigen.

19. November 2008: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos gibt bekannt, dass die EU ein Konjunkturprogramm mit einem Volumen von 130 Milliarden Euro plant, um gegen die Rezession infolge der Finanzmarktkrise vorzugehen. Hessen beschließt einen Bürgschaftsrahmen für Opel. Für dessen deutsche Werke kündigt Solarworld ein Übernahmeangebot an.

20. November 2008: Der Ölpreis fällt zum ersten Mal seit 2005 unter die Marke von 50 US-Dollar. Als Hauptgrund gilt die sinkende Nachfrage infolge der Konjunkturflaute, die durch die Finanzmarktkrise ausgelöst wurde. Der US-Kongress gibt milliardenschwere Hilfen für die US-Autoindustrie vorerst nicht frei.

21. November 2008: Die Eigner der größten deutschen Landesbank LBBW gewähren dem Institut eine Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro. Die LBBW will zudem Fusionsgespräche mit der BayernLB führen. Bundespräsident Köhler greift die Banken scharf an und fordert eine grundlegende Erneuerung der Branche. Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate, der bereits im Oktober mit einer milliardenschweren Stützungsaktion gerettet werden musste, erhält 20 Milliarden Euro aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds.

22. November 2008: Die rund 30.000 deutschen Sparer, die bei der angeschlagenen isländischen Kaupthing-Bank angelegt haben, erhalten ihr Geld zurück - mit Unterstützung der deutschen Steuerzahler.

23. November 2008: Die britische Regierung plant, zur Ankurbelung der Wirtschaft die Mehrwertsteuer abzusenken. Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück stimmen die Deutschen auf ein wirtschaftlich schwieriges neues Jahr ein.

24. November 2008: Die US-Bank Citigroup erhält eine Kapitalspritze in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar und Bürgschaften von bis 306 Milliarden Dollar.

25. November 2008: Die OECD senkt ihre Wachstumsprognosen deutlich. Für Deutschland geht die Organisation nun von einem Minus in Höhe von 0,9 Prozent im Jahr 2009 aus. Die US-Notenbank Fed kündigt an, in den kommenden Monaten für 800 Milliarden Dollar Immobilien- und Konsumkredite aufzukaufen.

26. November 2008: Die EU-Kommission will mit einem 200-Milliarden-Euro-Paket verhindern, dass Europa in eine lang anhaltende Rezession stürzt. Die Deutsche Bahn AG erwartet aufgrund der einsetzenden Konjunkturkrise einen drastischen Einbruch beim Güterverkehr.

27. November 2008: Die Aktionäre der angeschlagenen Schweizer Bank UBS stimmen für die Annahme eines Rettungspakets des Staates. Auch die deutschen Landesbanken kämpfen weiter mit den Auswirkungen der Krise.

28. November 2008: Die Commerzbank profitiert indirekt von ihrem niedrigen Aktienkurs und übernimmt die Dresdner Bank zum Schnäppchenpreis. Die BayernLB braucht weitere zehn Milliarden Euro frisches Kapital und bekommt dieses vom Land Bayern und aus dem Rettungsfonds des Bundes.

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