Spanischer Schinken  | Bildquelle: picture alliance / Horst Ossinge

Hohe Nachfrage in China Spanier fürchten Schinken-Knappheit

Stand: 25.12.2017 02:00 Uhr

Spanischer Schinken ist weltberühmt. Spanier lieben ihren Jamón Ibérico vor allem zu Weihnachten. Gerade jetzt wird er besonders gut verkauft. Doch zuletzt gab es Meldungen, dass der Jamón knapp werden könnte - weil Chinesen ihn wegkaufen. Was ist dran an den Behauptungen?

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid, und Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Foodblogger Qian Xiaokun aus Shanghai
galerie

Foodblogger Qian Xiaokun aus Shanghai: "Schinken war immer schon ein Teil der chinesischen Küche."

Vor dem Schinken-Geschäft von Alberto in Madrid gibt es Gedränge. Eine chinesische Reisegruppe steht vor dem Schaufenster und bestaunt die Schinken-Keulen. Dreißig, vierzig Stück Jamón Ibérico hängen von der Decke. "Zu uns kommen natürlich viele Kunden aus Madrid, aus dem Viertel hier - aber auch immer mehr Ausländer", sagt Alberto. "Zum Beispiel, weil sie über unseren Laden in einem Reiseführer gelesen haben. Wir begrüßen inzwischen sehr viele Chinesen und Urlauber aus Hongkong", sagt er.

Diese Touristen sind vor allem an hochwertigem Schinken interessiert - speziell am Jamón Ibérico de Bellota. Die Schweine, von denen der Schinken stammt, werden nur mit den Eicheln der Steineiche gefüttert. Das soll ihm den außergewöhnlichen Geschmack bringen. Und das erklärt den hohen Preis. Eine Keule kostet um die 600 Euro. Doch Chinesen sei es das wert, sagt der Foodblogger Qian Xiaokun aus Shanghai. Wer sich eine Europa-Reise leisten könne, gebe auch gerne Geld für Luxus-Schinken als Mitbringsel aus.

Klare Unterschiede

Schinken in dem Geschäft "Alberto" in Madrid
galerie

Spanischer Gourmet-Artikel: Die Schweine, von denen der Bellota-Schinken stammt, werden mit den Eicheln der Steineiche gefüttert.

"Schinken war immer schon ein Teil der chinesischen Küche. Er hat eine lange Geschichte", sagt Qian. Der spanische Schinken sei zwar anders, er habe aber viel mit dem traditionellen chinesischen Schinken gemeinsam. "Der Unterschied ist der, dass aus chinesischem Schinken immer Suppe gekocht wird. Der spanische Schinken wird ja roh gegessen", so Qian.

Auch wenn in China gerade für Lebensmittel immer noch scharfe Import-Regeln gelten, steigt die Nachfrage nach ausländischen Gourmet-Artikeln. Mehrere spanische Schweinefleischproduzenten spezialisieren sich auf den Direkt-Verkauf in China. Sie haben allein im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 444 Millionen Euro auf dem chinesischen Markt verkauft. Weil das Asien-Geschäft so gut läuft, rechnen die Hersteller damit, dass hochwertiger Schinken in Spanien knapp werden könnte.

Das Futter ist knapp

Eine Keule Jamón de Bellota
galerie

Eine Keule Jamón de Bellota kostet um die 600 Euro. Doch das sei es wert, sagen viele Chinesen.

Francisco Javier Morato will das nicht bestätigen. Er ist der Präsident des spanischen Verbandes der Jamón-Ibérico-Hersteller. Doch Morato räumt ein, dass die Produktion von bestem Ibérico nicht einfach erhöht werden kann. Das spezielle Futter für die Schweine sei knapp. "Auf unseren Weiden steht eine bestimmte Anzahl von Steineichen", sagt er. Von den Eicheln könnten nicht so einfach mehr Schweine ernährt werden als bisher. "Im Moment sind es 7000 Ibérico-Schweine im Jahr. Es stimmt, dass die Nachfrage in China sehr groß ist - doch niemand muss die Sorge haben, dass die Preise für Schinken hier in Spanien merklich steigen."

Andere Beobachter halten einen Preisaufschlag von etwa zehn Prozent für durchaus realistisch. Die 600-Euro-Schinkenkeule Jamón Ibérico könnte also bald 660 Euro kosten.

Die chinesischen Kunden in Albertos Geschäft in Madrid dürfte das wenig stören. Sie zücken ihre Kreditkarten und packen Unmengen von Schinken in ihre Taschen. Am liebsten gleich die geschnittenen Scheiben, eingeschweißt. Die ganze Keule ist den meisten zu sperrig fürs Gepäck. Doch der Madrider Schinkenhändler richtet sich auf die neue Kundschaft ein und bietet inzwischen seine Schätze in einem Online-Shop an - mit Versandoption nach China.

Chinesen sorgen für Schinken-Knappheit in Spanien
Oliver Neuroth, ARD Madrid
24.12.2017 21:09 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Dieser Beitrag lief am 25. Dezember 2017 um 18:21 Uhr auf Deutschlandradio.

Darstellung: