Der brasilianische Fußballprofi Oscar in Shanghai | Bildquelle: AFP

Chinesischer Fußball Geld spielt keine Rolle

Stand: 05.01.2017 11:37 Uhr

An Geld mangelt es dem chinesischen Fußball derzeit nicht. Das haben die jüngsten Rekordtransfers von Stars wie Oscar oder Tévez gezeigt. Finanziert wird das Ganze von großen Sponsoren, für die Fußball kein Sport ist - sondern in erster Linie ein Geschäft.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Es ist nicht so, dass im Ankunftsbereich des Shanghaier Flughafens sonst wenig los wäre, aber als der brasilianische Fußball-Nationalspieler Oscar vor einigen Tagen landete, war dort selbst für chinesische Verhältnisse Halligalli angesagt. 

"Ich kenne Oscar nur aus dem Fernsehen und von meinen Computer-Spielen. Ich bin so aufgeregt, dass ich ihn hier heute am Flughafen in echt gesehen habe", sagte einer der Fans. "Schade, dass ich kein Foto mit ihm machen konnte. Ist alles etwas chaotisch hier."

Chaotisch war es ohne Frage. Trotzdem wirkte die Szene am Shanghaier Flughafen etwas gekünstelt. Die rund 30 Fans von Oscars neuem Verein Shanghai Shanggang machten zwar viel Lärm, echte Fußball-Leidenschaft war aber nicht zu spüren.

Früher kamen russische Amateure

Zurzeit seien die meisten Vereine in China fokussiert auf ausländische Stars, sagt Shen Lei, Sportchef bei der Shanghaier Tageszeitung "Wenhui". "Zum Start der ersten Fußballliga waren die Ausländer, die nach China kamen, russische Amateur-Kicker", so Lei. "Denen wurden 500 oder 1000 Dollar pro Monat gezahlt. Das war 1994."

Diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen verdienen ausländische Stars in China mehrere Millionen US-Dollar pro Monat. Ganz zu schweigen von den rekordverdächtigen Ablösesummen, die die chinesischen Vereine bezahlen. Allein für Oscar wurden rund 70 Millionen Euro zu Chelsea nach London überwiesen.

"Man sollte hier nicht nur auf die Summen schauen, die gezahlt werden," fordert dieser ehemalige chinesische Profifußballer aus Shanghai, der seinen Namen nicht nennen will. "Es geht hier auch um Markenbildung und darum, für chinesische Fans - die Kunden - attraktiv zu sein. Die Vereine wollen schließlich nicht nur mit Stadiontickets Geld verdienen."

Es geht vor allem ums Geschäft

Der Fußballer, der vor einigen Jahren auch bei mehreren deutschen Zweitligavereinen spielte, sagt, man dürfe die chinesische Liga nicht mit der Bundesliga vergleichen. Noch nicht. Dort gehe es um Sport, in China bisher vor allem ums Geschäft. "Nachdem wir gezeigt haben, dass wir Geld haben, hoffe ich nun, dass sich das Ganze abkühlt und dass wir auf die fußballerischen Grundlagen zurückkommen." Das sei es, worüber der chinesische Fußball nachdenken müsse. "Schließlich spielt das chinesische Nationalteam auf ziemlich niedrigem Niveau."

Noch viel mehr als in Europa sind die chinesischen Fußballvereine in erster Linie Werbeplattformen für Sponsoren. Große Onlinehändler zum Beispiel. Sie gewinnen durch ihr Sponsoring neue Kunden und versorgen die Vereine im Gegenzug mit unglaublich viel Geld. "Der chinesische Fußballverband hat schon einmal versucht, die immer weiter steigenden Spielergehälter zu regulieren", sagt der Sportjournalist Lei. "Das hat aber alles nicht funktioniert."

Der Shanghaier Ex-Fußballprofi hofft darauf, dass sich die Situation der chinesischen Vereine langfristig normalisieren wird. Erst dann könne man die Situation hier mit der in Deutschland vergleichen. "Sobald wir einige Vereine haben, die so viel einnehmen, wie sie ausgeben und die selber Fußballstars hervorbringen, können wir von einer gesunden und ausgewogenen Entwicklung sprechen.“

Geld spielt keine Rolle: Chinas Fußballclubs kaufen weltweit ein
S. Wurzel, ARD Shanghai
05.01.2017 10:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Januar 2017 um 22:57 Uhr

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