Solarkraftwerk in China | Bildquelle: ARD

Schwimmendes Kraftwerk in China 160.000 Solarpanele auf dem Wasser

Stand: 08.08.2017 11:17 Uhr

Im ostchinesischen Huainan ist ein ganz besonderes Solarkraftwerk in Betrieb gegangen. Wo vor wenigen Jahren nur ein paar Bauern lebten, schwimmen nun rund 160.000 Solarmodule auf einem See. Das schwimmende Kraftwerk hat Vor-, aber auch Nachteile.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Wer sich das neue Vorzeige-Solarkraftwerk in der chinesischen Provinz Anhui anschauen möchte, muss erstmal in ein wackliges Boot klettern. Der Motor sieht aus, als sei er Jahrzehnte vor der Erfindung der Solarzelle gebaut worden. Mehrere Minuten lang geht es vorbei an unzähligen Solarmodulen. Sie schwimmen auf der Wasseroberfläche, montiert auf flachen, grauen Plastiktonnen.

"Früher wurde hier Kohle abgebaut", sagt Jiang Fan, der die Anlage in der Nähe der Stadt Huainan mit aufgebaut hat. "Danach ist in der Abbau-Mulde ein riesiger See entstanden." Bis zu sechs Meter tief soll er sein. "Wir haben uns für eine schwimmende Lösung entschieden, weil auf dem Boden fixierte Solar-Module nur in flacherem Wasser funktionieren."

Solarkraftwerk in China | Bildquelle: ARD
galerie

Bis zu sechs Meter tief ist der See, auf dem die Module schwimmen.

Kostspieliger Betrieb

Man wolle mit dem schwimmenden Kraftwerksprojekt zeigen, dass man mit Solarmodulen mehr machen könne als einfach nur Strom erzeugen, erklärt das chinesische Unternehmen JA Solar, dass die Anlage geplant und gebaut hat. Projekte wie dieses seien auch ein Beitrag zum Schutz von Gewässern und Landschaft. "Das Spannende ist erstens, dass keine große Flächen versiegelt werden", sagt der Verantwortliche für das Europa-Geschäft, Henning Schulze. "Zweitens wird auch die Verdunstung von Wasser in Seen und Reservoirs deutlich gemindert."

Solarkraftwerk in China | Bildquelle: ARD
galerie

Auf dem Wasser müssen die Module widerstandsfähiger sein als an Land.

Ein auf Wasser schwimmendes Solarkraftwerk hat nicht nur den Vorteil, dass es im Gegensatz zu einer Anlage an Land keine kostbare Fläche verbraucht. Das Kraftwerk kann auch mehr Strom erzeugen. Durch die Wasserkühlung von unten steigt der Wirkungsgrad der Module. Außerdem sei es auf dem Wasser weniger staubig, so Jiang Fan. "Auf den Solarpanelen im Wasser lagert sich so gut wie kein Staub oder Schmutz ab, dadurch arbeiten sie effizienter. Sie erzeugen mehr Strom als an Land."

Es gibt aber auch Nachteile: So kosten Bau und Betrieb deutlich mehr als bei einer vergleichbaren Anlage an Land. Module und Kabel müssen wegen der stärkeren Korrosion auf Wasser mehr aushalten. Und täglich müssen bis zu zwölf Arbeiter hinaus auf den See fahren, um die Solarmodule von Algen zu befreien. "Sie sprießen in jeder Lücke, die sich auftut", sagt Jiang Fan. "Wenn wir die Algen nicht beseitigen, können sie große Schäden anrichten."

Mehr zum Thema

Leistung von 40 Megawatt

Mit rund 160.000 Solarpanelen und einer Leistung von 40 Megawatt ist das schwimmende Photovoltaik-Kraftwerk weltweit das größte dieser Art. Bis zu 15.000 Haushalte kann es mit Strom versorgen. Für Henning Schulze ist es aber mehr als nur ein Vorzeigeprojekt. "China ist mit seinem Hunger nach Elektrizität einfach prädestiniert dafür, dass viele Projekte die größten der Welt werden. Dieses Projekt wurde aber nicht einfach nur in die Landschaft gesetzt, um zu sagen: Das ist das größte dieser Art. Sondern es ist ein echter Bedarf nach Strom da."

Gleichzeitig symbolisiert das schwimmende Kraftwerk auch den Strukturwandel, den ehemalige Kohle-Regionen wie die chinesische Provinz Anhui durchleben. Riesige Kohlekraftwerke mit rauchenden Schornsteinen stehen hier zwar immer noch. "Vor fünf Jahren noch lebten hier nur ein paar Bauern, die Fische gefangen und Enten gezüchtet haben", sagt Jiang Fan. "Aber hier scheint eben auch stark die Sonne. Und so haben wir diese allzu lange verlassene Gegend wiederbelebt."

China: Größtes schwimmendes Solarkraftwerk der Welt lässt See verschwinden
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
08.08.2017 09:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. August 2017 um 13:51 Uhr.

Darstellung: