Flugzeuge der "British Airways" auf dem Flughafen Heathrow | Bildquelle: dpa

Gespräche in der Sackgasse Harter Brexit - kaputter Flugverkehr?

Stand: 12.10.2017 14:30 Uhr

Die Brexit-Verhandlungen haben ihr erstes Etappenziel klar verfehlt. Es gebe nicht genug Fortschritt, um die wichtige zweite Phase der Gespräche zu starten, sagte EU-Unterhändler Barnier nach der ergebnislosen fünften Gesprächsrunde. Brexit-Minister Davis sprach hingegen von "erheblichen Fortschritten" und appellierte an die EU, die Verhandlungen jetzt auszuweiten. Mit den Differenzen steigt die Gefahr eines harten Brexit. Die Folgen könnten dramatisch sein - zum Beispiel im Flugverkehr.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Etwa eine Milliarde Menschen sind im vergangenen Jahr in der Europäischen Union geflogen. Das ist ein neuer Rekord. Die meisten Passagiere kommen aus Großbritannien, Deutschland und Spanien. Der Flughafen Heathrow in London ist mit fast 76 Millionen Passagieren pro Jahr das größte Reise-Drehkreuz in Europa.

Über den Wolken scheint Europa grenzenlos zu sein. Doch was würde eigentlich mit dem Flugverkehr passieren, wenn es einen harten Brexit gäbe?

Auch fünfte Runde der Brexit-Verhandlungen bleibt ergebnislos
tagesschau 20:00 Uhr, 12.10.2017, Arnim Stauth, ARD Brüssel

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"Wir können nicht bis 2019 abwarten"

Sollte es keine Austrittsvereinbarung geben, ist theoretisch möglich, dass es am Tag nach dem Brexit, also nach dem 30. März 2019, keinen Flugverkehr mehr zwischen Großbritannien und dem Rest der EU gibt, warnte der britische Finanzminister Philipp Hammond.

Hammond ist kein Freund des Brexit und schon gar nicht eines harten Ausstiegs. Für ihn wäre das wie ein Sprung aus einem Flugzeug - ohne Fallschirm. Doch in London und Brüssel mehren sich die Stimmen, die einen Austritt Großbritanniens ohne ein Abkommen für möglich halten.

Die Positionen sind verhärtet und die bisherigen Verhandlungsrunden haben noch keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Dabei drängt die Zeit: "Wir können nicht bis zum Brexit Ende März 2019 abwarten, sondern müssen weit vorher wissen, was Sache ist", sagt Gesine Meißner, die verkehrspolitische Sprecherin der FDP im Europaparlament. "Die Flüge werden lange vorher geplant, auch die entsprechenden Slots. Spätestens ein halbes Jahr vorher, eventuell bereits ein Jahr vorher, muss man Bescheid wissen."

Statt Flugzeug mit Schiff oder Zug

Das wäre also im März, spätestens im September nächsten Jahres. Kommt bis dahin keine neue Regelung zustande, könnte es im schlimmsten Fall sein, dass der Flugverkehr zusammenbreche, warnt Meißner.

"Es wäre tatsächlich möglich, dass ab März 2019 gar keine Flugbewegungen vom Festland nach London stattfinden können", so Meißner. Ryanair-Boss Micheal O' Leary habe Recht, wenn er sage, dass die Briten dann überlegen müssten, ob sie Zug oder Schiff fahren.

Flugzeuge, die in Zukunft nicht mehr von London nach Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin fliegen? Oder umgekehrt? Derartige Szenarien hält der SPD-Verkehrsexperte Ismail Ertug für unwahrscheinlich. Momentan versuche das Vereinigte Königreich aber natürlich, strategisch Druck auf die EU aufzubauen. "Theoretisch ist alles möglich, nur glaube ich nicht, dass die Flugzeuge nicht starten werden."

Was passiert mit Flügen innerhalb der EU?

Bedeutet ein harter Brexit also einen kaputten Flugverkehr? Im eng vernetzten Luftraum wäre das nicht nur ein Problem für britische Fluggesellschaften, sondern auch für Airlines in der EU.

Dennoch: Gerade weil Großbritannien nach dem Brexit ein Drittland würde, das den Zugang zum europäischen Binnenmarkt verlieren könnte, braucht es neue Regelungen - und eine Klärung darüber, was mit britischen Fluggesellschaften geschieht, die Flüge innerhalb der EU anbieten, wie zum Beispiel Easyjet von Berlin-Schönefeld nach Amsterdam.

Die EU und Großbritannien könnten ein Luftverkehrsabkommen vereinbaren, um die Slots, Flug- und Passagierrechte zu sichern, meint Verkehrsexperte Ertug. "Aber insbesondere auch auf Seiten des Vereinigten Königreichs denke ich, dass der politische Wille und auch der Druck noch nicht groß genug ist. Ansonsten hätten wir schon längst konkrete Vorstellungen, wie wir das machen könnten."

Was bleibt ist Unsicherheit. Die Einsicht, dass der Brexit viel weitreichendere Folgen hat, als man am Anfang dachte. Und, dass über den Wolken, die Freiheit wohl doch nicht grenzenlos ist.

Harter Brexit - kaputter Flugverkehr?
Karin Bensch, ARD Brüssel
12.10.2017 13:12 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 12. Oktober 2017 NDR Info um 10:50 Uhr, MDR aktuell um 15:21 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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