Zukunft von Tesla Wie krisenfest ist Elon Musk?

Stand: 02.08.2018 09:00 Uhr

In Krisenzeiten zusammenhalten, schien bislang das Credo bei Tesla. Seit Monaten schlittert der Elektroautobauer von einer negativen Schlagzeile in die nächste. Jedes Mal mittendrin: Elon Musk. Ist das noch der Mann, der Tesla aus der Krise führen kann?

Von Jule Zentek, boerse.ARD.de

Gute Nachrichten aus dem Hause Tesla gab es in den letzten Monaten eher wenige. Unfälle durch mögliche Fehlfunktionen des Autopiloten machten Schlagzeilen. Dann bemängelten Autoexperten den Bremsweg des batteriebetriebenen Autos Model 3 als zu lang. Das konnte durch ein Software-Update behoben werden.

Ziel erreicht? Das reicht nicht!

Die größere Leidenstour bescherte das Model 3 jedoch in anderer Hinsicht: Tesla hatte sich bei seinem Produktionsziel zu viel vorgenommen. 5000 Exemplare sollten bis Ende 2017 wöchentlich vom Band rollen – erreicht hat der Elektroautobauer dieses Ziel laut eigenen Angaben Ende Juni. Gemeinsam mit dem Model S und X liefen im zweiten Quartal insgesamt über 53.300 Fahrzeuge vom Band – im Vergleich zum ersten Quartal ist das ein Plus von 55 Prozent.

Ausruhen kann sich Tesla allerdings nicht: Bis Ende des Jahres sollen insgesamt 100.000 Fahrzeuge der Linien Model S und X ausgeliefert werden. Über 400.000 Bestellungen gibt es für das Model 3. Rund 28.000 waren davon Anfang Juli abgearbeitet – 420.000 weitere sind noch offen.

Anleger glauben an Tesla

Tesla kündigte bereits an, die wöchentliche Produktion auf 6000 Stück hochzuschrauben – und zwar schon bis Ende August. Das gab der Aktie nur einen kurzen Impuls nach oben: Nach dem Motto "Sell on good news“ hatten einige Anleger die Chance zum Ausstieg genutzt. Bei der Veröffentlichung der Zahlen zum zweiten Quartal legte Musk am Mittwochabend sogar noch einen drauf.

Weitere Kursinformationen zu Tesla

"Wir streben an, die Produktion so schnell wir können auf 10.000 Stück pro Woche auszuweiten", hieß es im Brief an die Aktionäre. Ab einer Rate von 7000 Stück sei es möglich, dauerhaft profitabel zu sein, so der Tesla-Chef. Die Anleger feierten das: Die Aktie stieg nachbörslich um bis zu elf Prozent - und das obwohl Tesla weiterhin tiefrote Zahlen schreibt. Im vergangenen Halbjahr hat die Aktie insgesamt jedoch rund zehn Prozent einbüßen müssen. Einige namhafte Analysten gehen davon aus, dass es so weitergeht.

Ungute Mischung: Skeptische Analysten und Shortseller

JPMorgan-Analyst Ryan Brinkman spricht von einem Kurssturz von bis zu 40 Prozent noch in diesem Jahr. Zwar lobte Brinkman das Geschäftsmodell sowie das Produktportfolio und die Technologie, warnte jedoch gleichzeitig vor einem heftigen Preiswettbewerb der Autohersteller in der E-Mobilität: Viele wollen durch den Verkauf von preiswerten E-Autos von den Subventionen für herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor profitieren.

Die angekündigte Steigerung der Produktionsrate könne sich außerdem auf den Free Cash Flow und die Gewinnmarge auswirken und eine ineffiziente Produktion bescheinigen. Ende 2018 erwartet Brinkman einen Preis von 180 Dollar je Aktie. Im Vergleich zum aktuellen Kurs am Donnerstagmorgen wäre das ein Verlust von rund 40 Prozent.

Tesla braucht dringend Cash

Qualitätsprobleme sind nur das eine: Bislang konnte Tesla nie einen Jahresgewinn einstreichen. Das soll sich im dritten und vierten Quartal 2018 ändern, kündigte der Konzern an. Doch Tesla steckt tief im finanziellen Sumpf fest, wie sich erst jüngst zeigte: Um Kosten zu sparen, wurden Mitte Juni 3.000 der über 37.500 Arbeitsplätze gestrichen. Einen Monat später die nächste Verzweiflungstat: Laut Medienberichten soll Tesla Zulieferer gebeten haben, Teile der geleisteten Zahlungen zurückzuerstatten. Auf Nachfrage teilte das Unternehmen nur mit, es bemühe sich um niedrigere Preise.

Analyst Colin Langan von der schweizerischen Großbank UBS rechnet daher weiterhin mit deutlichen Verlusten und schätzt, dass Tesla auch 2019 nicht profitabel sein wird. "Wir glauben, dass Tesla eventuell zusätzliche externe Finanzierung benötigt", sagte Langan gegenüber CNBC. Seine Prognose lautet immerhin ein wenig optimistischer als die von JPMorgan: Die Aktie werde in den kommenden zwölf Monaten ein Minus von rund 30 Prozent zum aktuellen Kurs einfahren.

Unter den Analysten herrscht Uneinigkeit darüber, wie sich Tesla in den kommenden Monaten schlagen wird. Während Analysten bei Argus eine starke Nachfrage, sowie Umsatzsteigerungen und den Anstieg der Bruttomarge erwarten, geht man bei Needham davon aus, dass die Verkäufe zu langsam laufen und sich die Bruttomarge nur langsam bessern wird.

Elon Musk - das Sorgenkind

Einige Anleger wie "Big Short"-Legende Steve Eisman setzen seit längerem auf fallende Kurse. Er verwies ebenfalls auf die wachsende Konkurrenz. Ein anderer, Hedgefondsmanager David Einhorn, ist mit seiner Wette gegen Tesla bereits auf die Nase geflogen, wie er in einem Brief an seine Anleger zugab. Wie Eisman glaubt auch Einhorn nicht an die Profitabilität des Unternehmens. Beide gelten als scharfe Kritiker des Tesla-Chefs. Das Unternehmen habe in den letzten zwei Jahren eine enorme Anzahl an Führungskräften verloren, so Einhorn. Ob Elon Musk den Konzern aus der Misere manövrieren kann, werde sich zeigen. "Vielleicht zieht er einen Hasen aus dem Hut und bringt die Firma zum Laufen", sagte Eisman.

SpaceX und Elon Musk
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Elon Musk vor seiner Raumkapsel SpaceX

Seine Anhänger feiern Musk, der außerdem das Raumfahrtunternehmen SpaceX gegründet hat, unterdessen weiterhin für seine Zukunftsvisionen. So will er zum Beispiel Tunnel unter Großstädte bauen, um Staus zu vermeiden und so für bessere Luft sorgen.

Selbst die größten Unterstützer bekommen allmählich Bedenken. James Anderson, Partner vom viertgrößten Tesla-Aktionär, dem Anlageverwalter Baillie Gifford & Co., sagte im Interview mit Bloomberg Mitte Juli, man unterstütze Musk, wünsche sich aber mehr "Ruhe und klares Handeln". Gegenüber den Investoren war Musk in einem Telefonat ausfällig geworden, als er kritische Fragen als "nicht cool" betitelt hatte. Der Tesla-Chef solle sich endlich auf seine Kernaufgabe konzentrieren, sagte Anderson. Auch auf Twitter reagierte Musk zunehmend dünnhäutig und aufbrausend. Gene Munster vom Venture-Capital-Unternehmen Loup Ventures forderte in einem offenen Brief eine Entschuldigung für diese Ausbrüche und schlug Musk ein "Twitter Sabattical" vor. Und tatsächlich, bei Bekanntgabe der Quartalszahlen entschuldigte sich der Tesla-Chef höflich für frühere Verfehlungen. Er arbeite 120 Stunden in der Woche und Schlafmangel sei der Grund für seine "schlechten Manieren" gewesen.

Einigen Investoren sind außerdem Musks zahlreiche PR-Aktionen ein Dorn im Auge. Erst wollte der mit einem Mini-U-Boot die Rettung der thailändischen Fußballmannschaft aus einer Höhle unterstützen. Vergangenes Wochenende brachte er ein Surfbrett mit Tesla-Logo heraus. Der Verkauf brachte immerhin 300.000 Dollar ein – angesichts der finanziellen Situation von Tesla sind das aber nur Peanuts.

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Die wichtigsten Stationen im Leben von Elon Musk

Klein-Elon Musk

Das frühreife Kind
Am 28. Juni 1971 erblickt Elon Musk in Südafrika das Licht der Welt. Er wächst in wohlhabenden Verhältnissen auf. Sein Vater ist Ingenieur, seine Mutter hat eine Praxis als Ernährungsberaterin. Elon ist neugierig und frühreif. Manchmal verfällt der kleine Junge in eine Art Trance, dann hört er nicht mehr hin. Ärzte machen Tests mit ihm und beschließen, seine Polypen herauszunehmen. Das ändert nichts.

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. August 2018 um 08:37 Uhr.

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