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HRE-Bad-Bank Nächster Schritt: Selbstabwicklung

Stand: 10.04.2018 14:58 Uhr

2017 hat die Bad Bank FMS-WM einen Rekordgewinn verbucht. Doch das Erbe der Hypo Real Estate verheißt in Zukunft rote Zahlen. Die Banker prüfen bereits, wie sie sich bis 2025 selbst abwickeln könnten.

Von Klaus-Rainer Jackisch, HR

Der Ausblick auf den Pazifik ist atemberaubend. Mild streicht der Wind durch die Palmen und im kühlen Pool im tropischen Garten vergnügen sich die Touristen. 15 Stockwerke ist der Betonklotz am goldenen Strand von Acapulco hoch, in dem der mexikanische Mischkonzern Autofin ein Fünf-Sterne-Hotel betreibt. Viele Jahre lang gehörte der Luxus-Kasten dem deutschen Steuerzahler - allerdings eher unfreiwillig.

Das Hotel "Princess Mundo Imperial" ist nämlich eine der vielen Immobilien, mit der sich einst die Münchener Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) verhob. Als das Institut im Zuge der Finanzkrise 2008 ins Schlingern geriet und kollabierte und Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück die Verstaatlichung und teilweise Abwicklung anordnete, landete die Nobelherberge zusammen mit viel Finanzschrott zwei Jahre später in den Büchern der ersten deutschen Bad Bank - mit dem harmlos klingenden Namen FMS Wertmanagement (FMS-WM).

Filiale der Hypo Real Estate in Berlin
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Die Hypo Real Estate verhob sich mit Immobilien, Bauprojekten und undurchsichtigen Wertpapieren.

Peer Steinbrück
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Im Zuge der Bankenkrise 2008 ließ Finanzminister Steinbrück die HRE verstaatlichen.

Altlasten in Höhe von 330 Milliarden Euro

Investitionen in unrentable Immobilienprojekte, Tunnel, Mautstraßen und viele strukturierte Wertpapiere, von denen keiner wusste, wie sie funktionieren, befanden sich damals in den Büchern und mussten abgewickelt werden - darunter auch viele kleine Hypothekenkredite für Häuslebauer, die noch aus Zeiten der Vorgängerinstitute stammten.

Die FMS-WM, eine Einrichtung des Finanzmarktstabilisierungsfonds (SOFFIN) und damit zu 100 Prozent im Besitz der Bundesrepublik Deutschland, bekam die Aufgabe, bei der HRE aufzuräumen. Ihr wurde ein Großteil der Altlasten mit einer Bilanzsumme von rund 330 Milliarden Euro übertragen.

Bad Bank als Wiedergutmachung für Garantien des Bundes

Die FMS-WM sollte das Chaos ordnen und die Altlasten irgendwie an den Mann bringen. Das alles so gewinnbringend wie möglich, um die Verluste für den Fiskus gering zu halten. Damit sollte wenigstens ein bisschen Geld aus der unrühmlichen Erblast der HRE herausgepresst werden - als kleine Wiedergutmachung für die umfänglichen Garantien in Höhe von etwa 120 Milliarden Euro, die der Bund für die Rettungsaktion zur Verfügung stellte.

Später kam auch noch die Skandal-Tochter Depfa-Bank dazu. Das war die ehemalige Pfandbrief-Bank, die das große Rad drehte, bis sie in den Abgrund stürzte, und damit der eigentliche Auslöser für den Niedergang der HRE war.

Logo der Deutschen Pfandbriefbank
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Die Deutsche Pfandbriefbank war letztendlich der Auslöser der HRE-Notlage.

Seit 2010 arbeiten die Mitarbeiter der FMS-WM, derzeit rund 120, emsig in der Münchener Prinzregentenstraße, um aus dem Finanzdebakel Geld zu machen. Und das recht erfolgreich: Ursprünglich gab es rund 12.000 Einzelpositionen von etwa 3200 Gegenparteien, mittlerweile sind rund 10.000 Positionen abgebaut worden.

Die Zahl der Gegenparteien sank auf rund 900. Allein im vergangenen Jahr wurde die Bilanzsumme um rund elf Prozent auf etwa 157 Milliarden Euro reduziert. Sie hat sich damit gegenüber dem Start vor rund acht Jahren mehr als halbiert.

Erfolgreicher als erwartet

"Wir konnten das gute Vorjahresergebnis nochmals verbessern", freute sich Vorstandssprecher Stephan Winkelmeier auf der heutigen Bilanzpressekonferenz in München. Das liege am positiven Umfeld an den Finanzmärkten, die gute Bedingungen für die Refinanzierung bieten. Dadurch kann man die Altlasten gut umschichten und abwickeln. Mit diesem Erfolg war ursprünglich nicht gerechnet worden. Erfreulich auch: Viele Geschäfte wurden sogar mit Profit abgeschlossen.

Nachdem das Portfolio also kräftig geschrumpft ist, muss sich die FMS-WM nun Gedanken machen, sich selbst abzuwickeln. Zwar laufen einige Finanzgeschäfte der HRE noch bis ins Jahr 2078. Allein das zeigt, wie grotesk das Geschäftsmodell des Instituts war. Doch der größte Teil des unsäglichen Erbes ist verkauft.

Codewort "Next" für die Zeit nach 2025

Unter dem Codewort "Next" soll die FMS-WM einen Plan entwickeln, was mit den restlichen Altlasten nach 2025 passieren soll. Winkelmeier will bis dahin so viele Finanzgeschäfte abschließen, dass es keine große Verwaltung mehr braucht. Wie hoch genau der Verlust dann sein wird, auf dem der Steuerzahler sitzen bleibt, weiß noch niemand. Dass es einen Verlust geben wird, ist aber schon jetzt klar. Um die zehn Milliarden Euro werden es wohl werden, schätzen Experten. Seriös lässt sich das aber erst am Ende berechnen.

Das im Stil einer aztekischen Pyramide gebaute Luxushotel von Acapulco schlägt allerdings nicht mehr zu Buche: Denn auch das "Princess Mundo Imperial" wurde erfolgreich unter den Hammer gebracht und warf Gewinne ab. So ist der deutsche Steuerzahler bei diesem Projekt mit einem blauen Auge davon gekommen - und kann sich nun wieder ohne Gedanken im feinen Sand der Playa Revolcadero in der Sonne aalen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 15. April 2018 um 10:35 Uhr.

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