Die betroffenen Motoren sind in vielen Mercedes-Klassen eingebaut | Bildquelle: dpa

Geheime Absprachen Daimler zog zuerst die Notbremse

Stand: 24.07.2017 19:24 Uhr

Daimler soll als erster Konzern die Wettbewerbsbehörden über ein mutmaßliches Kartell informiert haben. Damit könnten die Schwaben nach Informationen von NDR, WDR und SZ straffrei ausgehen, während den anderen Autobauern hohe Geldbußen drohen.

Daimler ist wegen des mutmaßlichen Kartells in der Autoindustrie mit seiner Selbstanzeige bei den Wettbewerbsbehörden der Volkswagen AG zuvorgekommen. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" wandte sich der Konzern deutlich früher als Volkswagen an die Behörden.

Sollte die Brüsseler EU-Kommission Geldbußen wegen verbotener Absprachen verhängen, können die Schwaben nun darauf hoffen, ohne Strafe davonzukommen.

Kartellvorwürfe an die deutsche Autoindustrie
tagesthemen 22:55 Uhr, 24.07.2017, Ulla Fiebig, ARD Berlin

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Strafnachlass für VW fraglich

Nach den EU-Bestimmungen wäre für Volkswagen maximal noch ein Strafnachlass in Höhe von maximal 50 Prozent möglich - und das auch nur dann, falls VW zusätzlich zu den von Daimler eingereichten Unterlagen weitere "Beweismittel mit erheblichem Mehrwert" vorgelegt hätte.

Für beide Konzerne - wie auch für den Münchner Hersteller BMW, der ebenfalls Teil eines Kartells gewesen sein soll - geht es um sehr viel Geld. Zum Vergleich: Die EU-Kommission hatte erst 2016 gegen vier Lkw-Unternehmen Geldbußen in Höhe von knapp drei Milliarden Euro verhängt.

Daimler musste damals 1,1 Milliarden Euro zahlen. Die VW-Tochter MAN, die sich den Behörden als Kronzeuge zur Verfügung gestellt hatte, wurde geschont und ging straffrei aus. Jetzt könnte es umgekehrt kommen.

Die deutschen Autobauer VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler sollen sich in vielen Technikstandards abgesprochen haben. | Bildquelle: dpa
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Die deutschen Autobauer VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler sollen sich in vielen Technikstandards abgesprochen haben.

Daimler als Whistleblower

Die Selbstanzeige von Volkswagen wegen möglicher Kartellverstöße stammt vom Juli 2016. Daimler soll sich nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Insider deutlich früher an die Wettbewerbsbehörden gewandt haben. Der schwäbische Hersteller hatte von 2011 an, als das Lkw-Kartell aufgeflogen war, seine Geschäftspolitik nach und nach geändert.

In den Folgejahren zog sich Daimler zumindest teilweise aus jenen Arbeitskreisen der fünf großen deutschen Autohersteller zurück, die heute als mögliches Kartell gelten.

Klagewelle befürchtet

Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller rechnet wegen des möglichen Autokartells mit einer Klagewelle. Er geht von Zehntausenden Verfahren aus, in denen Autokäufer Schadenersatz für überteuerte Fahrzeuge verlangen könnten.

Wegen der im Raum stehenden Absprachen der Hersteller hätten viele Kunden einen "möglicherweise viel zu hohen Preis" für ihre Fahrzeuge gezahlt, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands der "Süddeutschen Zeitung".

Verbraucherschützer fordern Musterklage

EU-Kommission und Bundeskartellamt prüfen derzeit, ob die Autohersteller gegen das Kartellverbot verstoßen haben. Die Verbraucherzentrale dringt nun darauf, per Gesetz eine Musterklage möglich zu machen, damit mutmaßlich betrogene Kunden nicht einzeln vor Gericht gehen müssen, sondern sich zusammentun können. Das gehöre zu den ersten Aufgaben der künftigen Regierung nach der Bundestagswahl im September, sagte Müller.

EU-Flaggen wehen vor dem Sitz der EU-Kommission in Brüssel auf halbmast
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Die EU-Kommission in Brüssel prüft, ob die Autohersteller gegen das Kartellverbot verstoßen haben.

Auto-Kartell: Daimler vor VW
Peter Hornung, NDR
24.07.2017 18:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Juli 2017 um 15:30 Uhr und das WDR Morgenecho berichtet am 25.07.2017.

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