Audi-Chef Rupert Stadler | Bildquelle: dpa

Razzia wegen Dieselaffäre Es wird eng für Audi-Chef Stadler

Stand: 11.06.2018 18:11 Uhr

Audi-Chef Stadler hat bisher alle Anschuldigungen in der Dieselaffäre gegen ihn zurückgewiesen. Laut NDR, WDR und "SZ" belasten ihn firmeninterne E-Mails aber schwer. Trotz einer Razzia gegen ihn bleibt er im Amt.

In der Abgas-Affäre verdichten sich die Verdachtsmomente gegen Audi-Chef Rupert Stadler. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" wird er durch einen Audi-Mitarbeiter, der kürzlich bei der Staatsanwaltschaft als Zeuge ausgesagt hat, und eine beim Unternehmen sichergestellte Mail schwer belastet.

Der Audi-Chef soll nach Beginn der Abgasaffäre im Herbst 2015 im eigenen Unternehmen Hinweise bekommen haben, dass außer bei Volkswagen auch bei der Ingolstädter VW-Tochter Autos mit manipuliertem Abgassystem gebaut und verkauft würden.

Audi-Chef soll Aufklärung behindert haben

Trotz dieser Hinweise soll Audi solche Fahrzeuge weiterhin bei der für Europa zuständigen Zulassungsbehörde in Luxemburg angemeldet und in den Markt gebracht haben. Der Zulassungsbehörde sei, so der Verdacht, die in den Motoren enthaltene Manipulationssoftware verschwiegen worden.

Bei dem Verdacht gegen Stadler geht es den Recherchen von NDR, WDR und "SZ" also nicht um den von VW auch im Namen von Audi längst zugegebenen Betrug in den USA und auch nicht um die von US-Behörden enthüllten Verstöße in den Vereinigten Staaten bis 2015, sondern um eine mutmaßlich mangelnde Aufklärung danach bei Audi, wofür Stadler verantwortlich sein soll.

Razzia gegen Stadler und weiteren Manager

Neben Stadler steht ein weiteres Vorstandsmitglied der VW-Tochter unter Betrugsverdacht. Die beiden Manager werden als Beschuldigte geführt, ihre Privatwohnungen wurden zur Sicherung von Beweismaterial durchsucht, wie die Staatsanwaltschaft München II mitteilte.

Ihm und seinem Vorstandskollegen werden jeweils Betrug sowie "mittelbare Falschbeurkundung" zur Last gelegt. Bei den Vorwürfen geht es um den Verkauf von Diesel-Autos mit manipulierter Abgassteuerung in Europa.

Audi-Chef bleibt vorerst im Amt

Stadler bestritt wiederholt, in die Abgasaffäre verwickelt zu sein, und hält daran fest. Audi erklärte auf die Frage, ob Stadler im Amt bleibe, es gelte "unverändert die Unschuldsvermutung". Audi teilte auf Anfrage zudem mit, dass das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bislang den Rückruf von 200.000 Autos angeordnet habe.

Als einziger Beschuldigter sitzt der ehemalige Chef der Audi-Motorenentwicklung und Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft. Er war im September 2017 festgenommen worden. Einer seiner früheren Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm war nach mehreren Monaten Untersuchungshaft im November 2017 wieder freigekommen.

Ermittlungen gegen Audi-Chef Stadler gestartet
Tobias Betz, BR
11.06.2018 12:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Juni 2018 um 18:05 Uhr.

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