Audi-Slogan: "Vorsprung durch Technik" | Bildquelle: AFP

Abgasskandal Schweigegeld für früheren Audi-Manager?

Stand: 08.08.2017 18:00 Uhr

Neun Monate hatte Audi-Manager Knirsch den Posten des Entwicklungsvorstands inne. Er galt als unbelastet, doch laut NDR, WDR und "SZ" wusste Knirsch lange vor seiner Berufung von Abgasmanipulationen. Seine millionenschwere Abfindung wirft daher viele Fragen auf.

Von Christine Adelhardt und Peter Hornung, NDR

Es war mitten in der Dieselaffäre, als Stefan Knirsch im Dezember 2015 zum neuen Entwicklungsvorstand der VW-Tochter-Audi berufen wurde. Sein Vorgänger Ulrich Hackenberg hatte wegen der Abgasmanipulationen den Hut nehmen müssen.

Knirsch galt als unbelastet. Keine neun Monate später war auch er Geschichte. Im September 2016 musste der hochbezahlte Manger seinen Posten räumen - nicht ohne fürstlich entlohnt zu werden. Knirsch erhielt mehr als zwei Millionen Euro Gehalt und Boni, dazu wurde ihm "im Zusammenhang mit dem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Vorstand" eine Vergütung in Höhe von 3,8 Millionen Euro zugesagt. So steht es im Geschäftsbericht. Nicht erwähnt ist hingegen, wie sehr Knirsch in die Abgasmanipulationen verwickelt war.

Stefan Knirsch (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS
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Ex-Audi-Vorstand Knirsch bei einer Präsentation des neuen Audi Q2 im Januar 2016.

Schon im Herbst 2013 über Manipulationen informiert?

Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" zeigen interne Audi-Unterlagen und Ermittlungen von Behörden, wie sehr Knirsch verstrickt war. Offenbar wurde er als damaliger Leiter der Aggregate-Entwicklung bei Audi schon im Herbst 2013 über die Manipulationen informiert.

In einer internen Audi-Präsentation ("Risikoeinschätzung") vom 11. Oktober 2013 hatten Motorenexperten vor der "Aufdeckung" einer verbotenen Software gewarnt. Den amerikanischen Umweltbehörden seien falsche oder nicht vollständige Angaben gemacht worden, hieß es darin. 62.000 Autos seien betroffen, Strafen könnten sich auf bis zu 37.500 Dollar pro Fahrzeug belaufen.

Diese Präsentation soll auch Knirsch bekommen und dazu mit seinem Kollegen bei VW gesprochen haben. Das hat ein VW-Ingenieur, gegen den ermittelt wird, gegenüber US-Behörden ausgesagt.

Ein anderer damaliger Motorenexperte aus dem VW-Konzern hat in einer Art Memorandum notiert, Knirsch habe die Risikoeinschätzung auch mit einem Audi-Kollegen besprochen und anschließend angewiesen, keine Selbstanzeige bei den US-Behörden zu erstatten.

Knirsch äußert sich nicht

"Wenn Knirsch tatsächlich so schwer belastet ist, warum erhielt er dennoch 3,8 Millionen Euro? Ist die Millionen-Zahlung eine Art Schweigegeld, damit Herr Knirsch sein Wissen über die Abgasaffäre bei Audi nicht öffentlich preisgibt?" Auf diese Anfrage von NDR, WDR und "SZ" antworten Audi und Volkswagen: "Knirsch ist im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Wie in solchen Fällen üblich sind die Modalitäten Vereinbarungssache zwischen Knirsch und dem Aufsichtsrat." Dies wolle man nicht weiter kommentieren.

Und der Anwalt des Ex-Audi-Vorstands teilt dazu auf Anfrage mit, sein Mandant wolle "keine Stellungnahme abgeben".

Schweigegeld für Ex-Audi-Vorstand?
Peter Hornung, NDR
08.08.2017 18:40 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 09. August 2017 NDR Info um 07:08 Uhr und WDR5 um 07:16 Uhr.

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