Audi in Ingolstadt | Bildquelle: picture alliance / dpa

Betrugsverdacht Ermittlungen gegen Audi ausgeweitet

Stand: 02.06.2017 13:21 Uhr

Die Staatsanwaltschaft München weitet ihre Diesel-Ermittlungen gegen den Autohersteller Audi aus. Eingeschlossen seien nun auch Fahrzeugverkäufe in Deutschland und Europa, nicht nur wie bisher in den USA, sagte ein Sprecher.

Die Münchener Staatsanwaltschaft weitet ihre Ermittlungen gegen Audi wegen mutmaßlichen Abgas-Betrugs aus. Nun gehe es auch um Autos in Deutschland und Europa, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur Reuters.

Ermittelt werde wie gehabt wegen des Verdachts des Betrugs und der strafbaren Werbung gegen unbekannt. Man habe aber vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) noch keine aktuellen Informationen zu einem möglichem Abgas-Betrug erhalten.

Das Bundesverkehrsministerium hatte Audi gestern vorgeworfen, in etwa 24.000 Oberklassewagen eine illegale Software eingesetzt zu haben, die die Abgasemissionen auf dem Prüfstand dämpft.

Auto erkennt Prüfstand-Modus

Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt habe die Software bewirkt, dass erkannt wurde, wenn das Auto auf einem Prüfstand war - dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet.

24.000 Fahrzeuge müssten zurückgerufen werden, sagte Dobrindt in Berlin. Am Mittwoch seien Auffälligkeiten bei Modellen Audi A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren bekannt geworden. Es handele sich um Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2013. Am Donnerstag habe er dann mit VW-Chef Matthias Müller gesprochen, sagte der Minister.

Entschuldigen Sie die "Unannehmlichkeiten"

Audi zufolge soll die Softwareaktualisierung, die eine halbe Stunde dauert, im Juli beginnen.

"Audi wird auch weiterhin vollumfänglich mit den Behörden und dem Kraftfahrtbundesamt zusammenarbeiten und entschuldigt sich bei seinen Kunden für die Unannehmlichkeiten und setzt alles daran, die gefundenen Auffälligkeiten so schnell als möglich zu korrigieren", erklärte das Unternehmen.

Brisanter Fall für Volkswagen

Mit der Ausweitung der Ermittlungen bei Audi rückt die Frage stärker in den Mittelpunkt, ob die VW-Tochter eine illegale Abschalteinrichtung in Europa verwendet hat. Während VW in den USA die Verwendung einer solchen Software zugegeben hat, vertritt der Konzern hierzulande eine andere Position.

Nach europäischem Recht ist die in VW-Motoren vom Typ EA 189 enthaltene Software nach Meinung der Wolfsburger keine unzulässige Abschalteinrichtung.

Milliardenvergleich mit US-Justizministerium

Audi und VW hatten bereits in einem milliardenschweren Vergleich mit dem US-Justizministerium eingeräumt, dass sie in den USA rund 83.000 Autos mit Audi-Dieselmotoren und einer dort illegalen Software verkauft hatten, die niedrigere Abgaswerte angibt. Die Diesel-Verfahren hatten Audi im vergangenen Jahr 1,86 Milliarden Euro gekostet.

Audi-Chef Rupert Stadler | Bildquelle: AFP
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Audi-Chef Stadler: "Das Unternehmen muss Vertrauen zurückgewinnen".

Audi-Chef Rupert Stadler sagte bei der Jahrespressekonferenz im März: "Als Konsequenz aus der Diesel-Affäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand." Die Aufarbeitung sei "noch lange nicht abgeschlossen". Aber sein Unternehmen tue alles, "dass so etwas wie die Diesel-Affäre bei uns nie wieder passiert".

Während der Jahrespressekonferenz von Audi hatten mehr als 100 Polizisten und Staatsanwälte die Zentrale des Autobauers, weitere Standorte und Wohnungen von Mitarbeitern durchsucht. Die Staatsanwaltschaft hatte "ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung" eingeleitet. Mit den Aktionen soll geklärt werden, wer an der Verwendung der manipulierten Abgas-Software und an Falschangaben beteiligt gewesen sei.

Dobrindt hatte kurz nach Beginn des VW-Abgasskandals im September 2015 die "Untersuchungskommission Volkswagen" eingesetzt. Bestehend aus Fachleuten des Bundesverkehrsministeriums, des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) sowie wissenschaftlicher Begleitung durch den Münchner Professor Georg Wachtmeister bewertete sie zum einen die Auswirkungen des VW-Abgasskandals.

Zum anderen sollte sie prüfen, ob auch für Diesel-Fahrzeuge anderer Hersteller unzulässige sogenannte Abgas-Abschalteinrichtungen verwendet wurden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Juni 2017 um 11:00 Uhr.

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